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Feiern sie bald erstmals einen Titel? Wolfsburgs Fans treibt auch anderes um © getty

Lang übt sich Wolfsburgs Coach in Titel-Understatement. Nach dem Hoffenheim-Sieg ist das ganz anders. Auch aus persönlichen Gründen?

Von Christian Paschwitz

Wolfsburg - Tarnen und täuschen, bluffen und verbal kitzeln - fremd ist Felix Magath (Porträt) das alles keineswegs.

Nicht bloß, weil der Trainer und Sportdirektor des VfL Wolfsburg gerade einen wunderlich-rhetorischen Zickzack-Kurs vollzieht, was die Spekulationen um seinen Wechsel zum FC Schalke anbelangt. (zum Artikel: Schalke? Magaths Haltung wird brüchiger)

Vielmehr, weil Magath schließlich auch mal Coach beim stets turbulent daherkommenden FC Bayern war.

Beim "FC Hollywood" wurde er zweimal Meister (2005 und '06) - nicht zuletzt auch dank einer gekonnten Mischung aus markigen Worten und Understatement Richtung Konkurrenz.

Magath, der Worte-Wechsler: Nach der 4:0-Gala seiner Wolfsburger Mannschaft über Hoffenheim (zum Spielbericht: Dzeko bringt Titel immer näher) macht er es nun plötzlich ganz ähnlich.

Das Titel-Tabu fällt

"Unser Ziel ist jetzt, den ersten Tabellenplatz zu verteidigen und die Meisterschaft nach Wolfsburg zu holen", erklärte der Coach ungewohnt freimütig.

Er brach damit das lang gehegte Tabu des Titelanspruchs beim niedersächsischen VfL "Hollywood", den die Gerüchte um Magath vor dem Anpfiff aus dem Tritt zu bringen drohten.

Magath geht in die Offensive, schickt damit auch eine Kampfansage an Verfolger Bayern: "Jetzt wollen wir auch Meister werden! Jetzt sind wir der Favorit!"

"Restprogramm nicht schwerer als das der Bayern"

Und weiter: "Die Situation hat sich geändert. Wir haben uns in Cottbus unsere Niederlage abgeholt, so dass wir jetzt die restlichen Spiele wieder gewinnen können. Unser Restprogramm ist aus meiner Sicht nicht schwerer als das des FC Bayern, und wir haben schließlich immer noch drei Punkte Vorsprung."

Sein Personal auf dem Rasen, seit Wochen von Magath fast schon pathologisch dazu verurteilt, die Euphorie im Keim zu ersticken, tut sich mit dem sprachlichen Kurswechsel dagegen noch schwer:

"Wir schauen nur von Spiel zu Spiel", entgegnete verdattert etwa Hattrick-Schütze Edin Dzeko (65./74./78. Minute).

Dzeko und Misimovic mauern

Ansonsten gab's vom Bosnier keine greifbare Silbe. Nicht einmal dazu, dass die Chancen auf die erste Wolfsburger Meisterschaft vier Spieltage vor Saisonende rechnerisch zumindest nicht kleiner geworden sind. (zur Vereinsseite)

Auch Spielmacher Zvjezdan Misimovic umkurvte - wie vorher auf dem Feld überforderte Hoffenheimer - klare Antworten zu der Zeit nach dem letzten Spieltag in drei Wochen: "Im Fußball kann man nie planen. Da kann es ganz schnell gehen. Deshalb interessiert mich das Thema im Moment nicht."

Immerhin konnte er ausschließen, dass die Unruhen um den Coach die Vorbereitung der Mannschaft auf das Hoffenheim-Spiel beeinflusst hätten: "Das war für uns keine Belastung."

Nervös, aber nicht wegen der Magath-Spekulationen

Und die Nervosität im Team zu Anfang der Partie? "Das war keine Auswirkung der Spekulationen unter der Woche."

Die traten fürs Erste ohnehin in den Hintergrund, als Dzeko zu seiner Tore-Gala abhob und der Brasilianer Grafite mit einem Foulelfmeter (89.) und seinem 23. Saisontor den 13. Wolfsburger Heimsieg in Folge perfekt machte.

Bis zur Pause hatte Hoffenheims gut aufgelegter Schlussmann Timo Hildebrand den Gästen mit Gelb-Rot-Sünder und Stafstoß-Verursacher Andreas Beck noch ein 0:0 gerettet.

Rangnick fordert nun Anstand

Danach jedoch setzte der VfL seine Dominanz in Zählbares um. Die Hoffenheimer, weiter schlechtestes Rückrunden-Team, mussten die Überlegenheit des VfL am Ende neidlos anerkennen.

"Das wirft uns zusätzlich zurück", sagte Trainer Ralf Rangnick, der von seiner Mannschaft trotz der jüngsten Talfahrt ein Aufbäumen in der Endphase der Saison erwartet: "Wir müssen den Hebel umlegen und die letzten vier Spiele noch mit Anstand hinter uns bringen."

So wie die Wolfsburger den restlichen Partien nun auf einmal als Titel-Anwärter Nummer eins begegnen: "Für uns ist im Moment nur wichtig, im nächsten Spiel beim VfB Stuttgart die Spitze zu behaupten und den nächsten Schritt Richtung Meisterschaft zu machen", sagte Magath.

Auch so kann man über unbequemen Fragen nach der persönlichen Zukunft scheinbar nonchalant hinweggehen.

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