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Jupp Heynckes (r., hier mit Philipp Lahm) war vor 18 Jahren schon mal Bayern-Trainer © getty

Dem Übergangscoach glückt gegen Gladbach ein Sieg, der aber ist glanzlos wie einst. Dafür entbrennt die Heynckes-Nachfolge-Debatte.

Von Christian Stüwe und Mathias Frohnapfel

München - Jupp Heynckes hatte dem FC Bayern ein neues Gesicht gegeben.

Im Mittelfeld ließ der neue Trainer die Mannschaft mit einer Raute auflaufen, mit dem Brasilianer Ze Roberto hinter den Spitzen. Im Sturm gesellte sich Lukas Podolski zu Luca Toni. Doch beim zähen 2:1(2:1)-Sieg gegen extrem defensive Gladbacher blieb das spielerische Feuerwerk aus.

Die Mannschaft zeigte keine starke Reaktion auf die Entlassung von Trainer Jürgen Klinsmann. Der Sieg kam glanzlos zustande. Und fast hatte man das Gefühl, unter dem neuen, alten Übergangstrainer würde der FC Bayern zurückkehren zu schon abgelegten Tugenden.

Der Rekordmeister zeigte relativ schnörkellosen, aber erfolgreichen Ergebnisfußball. Während Klinsmann oft genug die schlechten Ergebnisse angekreidet wurden, schaffte der FCB unter Heynckes auch ohne voll und ganz zu überzeugen einen wichtigen Dreier.

Rückkehr zum Ergebnisfußball

Angesichts des fast ausschließlich auf Zerstörung bedachten Gegners konnte Heynckes nach seinem Comeback auf der Bayern-Bank nach fast 18 Jahren dem Spiel aber durchaus Positives abgewinnen.

"Die Mannschaft hat sich sehr gut bewegt und guten Kombinationsfußball gezeigt", erklärte der 63-Jährige.

Seinen Anteil am Sieg wollte er aber nicht überbewerten: "Ich sage nicht, dass nach fünf Tagen meine Handschrift gleich zu sehen ist."

"Müssen uns noch gewaltig verbessern"

Heynckes hatte ohnehin längst nicht alles überzeugt: "Das Spiel hat gezeigt, dass wir uns noch gewaltig verbessern müssen."

"In der zweiten Hälfte hatten wir sofort drei klare Chancen, die man normalerweise verwerten muss. Weil wir das nicht getan haben, sind wir in der Endphase noch einmal unter Druck geraten", ärgerte sich Heynckes.

Besonders Luca Toni schaffte es mehrfach nicht, aus aussichtsreicher Position den Ball im Tor unterzubringen. Gegen Gladbach rächte sich die mangelhafte Chancenverwertung nicht - im Endspurt um den Titel kann es Folgen haben.

Torverhältnis als Handicap

Nach dem Wolfsburger 4:0 gegen Hoffenheim (Dzeko-Hattrick bringt den Titel näher) ziehen die Niedersachsen im Torverhältnis weiter davon, was in der Endabrechnung eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Aber damit wollte sich Heynckes nach seinem Debüt zumindest offiziell nicht beschäftigen: "Nach wie vor ist Wolfsburg Spitzenreiter, unser Ziel muss die direkte Qualifikation für die Champions League sein."

Von Mannschaft und den Vereinsbossen wurde der neue Coach sowieso mit Lob bedacht.

Lob für Heynckes und "Wasserträger" Gerland

"Wir haben das Gefühl, dass die Mannschaft in guten Händen ist, die Spieler sind zufrieden", sagte Manager Uli Hoeneß: "Es wurde viel im taktischen Bereich gearbeitet."

Und Präsident Franz Beckenbauer meinte: "Wir sind froh, dass er da ist. Die Mannschaft hat ruhiger gespielt."

Für ein echtes Highlight sorgte Co-Trainer Hermann Gerland, dem Hoeneß attestierte, für die "gute Stimmung" verantwortlich zu sein: Unter dem Jubel der Zuschauer sprintete der "Tiger" in der Schlussphase über den halben Platz, um Philipp Lahm eine Wasserflasche zu bringen. Vielleicht auch ein Indiz für die neuen, alten Tugenden der Münchner.

Beckenbauer bestätigt van Gaal und Sammer

Doch trotz aller Zufriedenheit mit dem Debüt des Duos Heynckes/Gerland gelten die Gedanken schon der Zukunft.

"Louis van Gaal steht auf unserer Kandidatenliste, Matthias Sammer auch", verriet Beckenbauer bei "Premiere". Auch Hoeneß hatte den Namen des Niederländer bereits zuvor bestätigt (Van Gaal und Sammer auf Bayerns Liste).

Für die Nachfolge des Managers zeichnet sich mehr und mehr eine interne Lösung ab. Christian Nerlinger wird wieder als Hoeneß-Nachfolger gehandelt.

"Noch fast alles möglich"

Die Vergangenheit mit dem Experiment Jürgen Klinsmann ist abgeschlossen, die Weichen für die Zukunft werden gestellt. Bis Ende Mai soll ein neuer Trainer gefunden sein.

Die Gegenwart des FC Bayern heißt dagegen Jupp Heynckes, und der soll die Saison mit seinem Kurzzeit-Engagment zu einem versöhnlichen Ende führen. Auch wenn die Qualifikation für die Königsklasse das primäre Ziel ist, hat man die Titelverteidigung beim Rekordmeister noch lange nicht abgeschrieben.

"Es sind noch vier Spiele, es ist noch fast alles möglich", erklärte Hoeneß. (Der Tabellenrechner)

Meyer glaubt an "reelle Chance"

Die Gladbacher Gegenwart wirkt düsterer: Seit sechs Spielen wartet die Borussia auf einen Sieg. "Das war kein Fußball", ärgerte sich Kapitän Tomas Galasek über die defensive Taktik von Trainer Hans Meyer.

Meyer hingegen meinte: "Wir haben den Bayern ein paar Probleme dabei bereitet, uns auszuspielen. Durch die Resultate auf den anderen Plätzen haben wir auch noch eine reelle Chance."

Allerdings beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer schon drei Punkte.

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