Magath gibt seine Zurückhaltung auf und verkündet: "Wir wollen Meister werden, wir sind der Favorit." Nur die Spieler zaudern noch.

Es war fast wie im bekannten Murmeltier-Film:

Am Ende eines jeden Bundesligaspieltags trat Jürgen Klinsmann vor die Kameras und versicherte: "Wir werden Meister."

Klinsmann tat dies unabhängig vom Ausgang der Partien und sogar noch bei sechs Punkten Rückstand auf Platz eins.

Fast schon devot stimmten die Konkurrenten ein: Selbstverständlich! Die Bayern werden Meister! Wer denn auch sonst?

Felix Magath hätte sogar noch auf die Bayern gewettet, als er längst mit dem VfL Wolfsburg an der Spitze stand. Es gelte, Platz fünf abzusichern, betonte Magath stets.

Das ist seit diesem Wochenende vorbei. "Unser Ziel ist jetzt, den ersten Tabellenplatz zu verteidigen und die Meisterschaft nach Wolfsburg zu holen", erklärte Magath schon vor dem Spiel gegen Hoffenheim.

Nach dem 4:0 setzte er sogar noch einen drauf: "Jetzt sind wir der Favorit!"

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Wolfsburg steht nun zum fünften Mal in Folge dort, wo die Bayern in der laufenden Saison noch nicht ein einziges Mal standen: auf Platz eins.

Doch im Gegensatz zu ihrem Trainer, lavierten Wolfsburgs Spieler auch am Samstag immer noch herum:

"Wir konzentrieren uns von Spiel zu Spiel", griff Diego Benaglio ebenso tief in die Phrasenkiste wie Dreifach-Torschütze Edin Dzeko ("Ich schaue von Woche zu Woche").

Auch wenn die Meisterschaft nicht vor dem Mikrofon entschieden wird und Wolfsburgs Trainer mit seiner Ansage wohl auch von den Spekulationen um seinen möglichen Wechsel zu Schalke 04 ablenken wollte: Magaths Worte waren richtig. Und wichtig.

Denn jetzt gilt es, störende Einflüsse von außen von seiner Mannschaft fernzuhalten und jeden Einzelnen auf das große Ziel einzuschwören.

Vielleicht glauben dann auch seine Spieler an den Titel.

In München ist Klinsmanns Zeit längst abgelaufen, und dessen Nachfolger auf der Bayern-Bank formuliert die Ambitionen der Münchner vorsichtiger:

"Nach wie vor ist Wolfsburg Spitzenreiter und hat die besten Chancen, Meister zu werden", stellte Jupp Heynckes nach seinem mühevollen Einstand gegen Mönchengladbach fest.

Auch wenn es für viele Fußballfans immer noch ungewohnt sein mag, wird man sich an den Gedanken, dass Wolfsburg Meister werden könnte, gewöhnen müssen.

Eins steht zumindest fest: Jürgen Klinsmann wird es nicht.

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