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Jupp Heynckes war zuletzt von 2006 bis 2007 Trainer in Gladbach © imago

Jupp Heynckes glückt der Sieg gegen Gladbach. Dennoch wartet auf den FCB-Coach noch viel Arbeit, wie er im Interview eingesteht.

Über den FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Die ersten 90 Minuten zurück auf der Trainerbank hat Jupp Heynckes erfolgreich gemeistert.

Nicht alles lief perfekt, doch der FC Bayern hat gegen Borussia Mönchengladbach mit 2:1 (NACHBERICHT: Mit Heynckes zwischen Vergangenheit und Zukunft) die Pflicht erfüllt. Und Altmeister Heynckes war am Samstagabend vorerst zufrieden damit, als er im Bauch der Allianz Arena auf die Reporter-Traube zusteuerte.

Dunkles Jackett, weißes Hemd, wie ein adretter Geschäftsmann ist der 63-Jährige seinen ersten Arbeitstag zurück auf der Bundesliga-Bühne angegangen.

Im Interview spricht Heynckes über den geglückten Start, die Rolle von Lukas Podolski und die psychologische Komponente seines Kurzeinsatzes bis zum Saisonende.

Frage: Herr Heynckes, wie zufrieden sind Sie mit dem Sieg im ersten Spiel unter Ihrer Regie?

Jupp Heynckes: Die Gesamtsituation hat verlangt, dass wir das Spiel gewinnen. Ich muss sagen, dass wir gegen eine defensive eingestellte Mannschaft besonders die ersten 25, 30 Minuten gut kombiniert haben, die Spieler haben großen läuferischen Aufwand betrieben, um die zwei Tore zu erzielen. Aus einem überflüssigen Freistoß resultierten dann der Elfmeter und das Gegentor.

Frage: Und in der zweiten Halbzeit?

Heynckes: In der Pause habe ich zu der Mannschaft gesagt: "Die Gladbacher werden jetzt anders spielen, nicht mehr den starren Abwehrriegel halten, sondern versuchen, das Ergebnis zu korrigieren." Da hatten wir mehr Raum und drei hochkarätige Chancen. Da musst du das 3:1 machen. Das haben wir versäumt und sind in der Endphase noch mal unter Druck geraten.

Frage: Wie sehr standen Sie bei Ihrem Comeback als Trainer unter Druck?

Heynckes: Druck habe nicht ich meinem Alter... Natürlich ist eine innere Anspannung da. Wenn Sie das nicht haben, sind Sie nicht bei der Sache. Wenn man sich gut vorbereitet, das Gefühl hat, die Mannschaft hat alles getan, um gut ins Spiel zu kommen, kann man auch draußen ruhig sitzen. Aber wir müssen uns natürlich noch in einigen Bereichen verbessern.

Frage: Wo konkret?

Heynckes: Das sag ich jetzt natürlich nicht (lacht).

Frage: Kann man in der kurzen Zeit überhaupt viel machen, Mängel beheben?

Heynckes: Wir können im taktischen Bereich einiges erarbeiten bzw. den Spielern mehr Sicherheit geben. Eins ist klar: Heute haben Sie im modernen Fußball nur eine Chance, wenn Sie ein Team haben, eine geschlossene Mannschaft, die sich auf dem Spielfeld und außerhalb versteht. Und für die Stürmer vor dem Tor ist das Flankentraining wichtig. Das habe ich mit meinen Mannschaften immer gemacht, jede Woche zweimal. Für den Luca Toni ist das fundamental, auch für Poldi und Miro Klose, wenn er jetzt wiederkommt. Auch von Thomas Müller habe ich einen guten Eindruck gewonnen.

Frage: Sie haben große Erfahrung, schon viele Teams trainiert. In welchem Zustand haben Sie die Mannschaft am Dienstag vorgefunden?

Heynckes: Was ich vorgefunden habe, ist nicht relevant. Ganz wichtig ist, wie wir diese Woche gearbeitet haben und dass es den Spielern Spaß gemacht hat. Dass geflachst wurde, aber zugleich auch sehr konzentriert gearbeitet. Jetzt geht es darum, das Spiel zu analysieren. Dass ich den Spielern sagen, was mir gefallen hat, was mir weniger gefallen hat. Dann müssen wir daran arbeiten, denn dann folgen englische Wochen, dann kannst du nicht so viel trainieren.

Frage: Sie haben Lukas Podolski in diese Woche bereits gelobt. Wie bewerten Sie seine Leistung gegen Gladbach?

Heynckes: Ich finde, dass er ein gutes Spiel gemacht hat. Sie müssen eins berücksichtigen, wie schwer das für einen Stürmer ist, wenn Sie keinen Raum haben, scharf angespielt werden. Ich war ja selbst jahrelang da vorn drin. Er war sehr ballsicher, hat wenige Bälle verloren und hat fußballerisch überzeugt. In der Endphase war er müde. Wenn er nun mehr Wettkampfpraxis hat, ist er auch physisch in der Lage, über 90 Minuten zu gehen und entscheidende Akzente zu setzen.

Frage: Was sagen Sie zu den Pfiffen gegen Außenverteidiger Christian Lell?

Heynckes: Er wurde ja ausgewechselt, weil er Probleme am Sprunggelenk hatte. Dann hat ein Spieler wie Christian Lell natürlich keine Sicherheit in seinem Spiel, wenn er dann eine Flanke übers Tor schlägt und das Publikum reagiert so. Aber ein Spieler bei Bayern München muss das abstreifen und weitermachen. Er war vielleicht auch gehandicapt durch seine Verletzung.

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