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Kölns Ümit Özat brach in der 25. Minute zusammen © getty

Der 2:0-Auswärtssieg des 1. FC Köln in Karlsruhe gerät zur Nebensache. Kölns Kapitän bricht zusammen und verschluckt seine Zunge.

Karlsruhe - Ein plötzlicher Zusammenbruch von Ümit Özat hat den 2:0 (0:0)-Sieg des 1. FC Köln in der Bundesliga am Freitagabend gegen den Karlsruher SC überschattet.

In der 25. Minute sackte der Defensivspieler der Kölner auf Höhe des Strafraums unvermittelt zusammen und blieb regungslos liegen.

Schiedsrichter Florian Meyer unterbrach die Begegnung sofort, nachdem Özats Mannschaftskollegen mit heftigen Armbewegungen und Handzeichen einen Notfall signalisierten.

Erste Hilfe auf dem Platz

Kölns Physiotherapeut Dieter Trzolek und mehrere Sanitäter eilten sofort auf das Spielfeld und leisteten erste Hilfe.

Özat war offenbar die Zunge in den Hals gerutscht.

Der Profi aus der Türkei wurde dann auf einer Trage vom Spielfeld in die Katakomben des Wildparkstadion transportiert.

"Völlig leblos am Boden"

"Er lag völlig leblos am Boden. Da wir die Situation nicht einschätzen konnten, haben wir die Herzdruckmassage fortgeführt. Er kam im Stadioninneren wieder kurz zu sich und war so verwirrt, dass er wieder aufs Spielfeld rennen wollte. Ob das Ganze eine neurologische oder kardiologische Ursache hat, wird derzeit im Krankenhaus untersucht", beschrieb KSC-Arzt Schweizer die Vorgänge.

Nach etwa fünf Minuten kam Trzolek wieder an den Spielfeldrand und zeigte den Daumen nach oben.

Der Stadionsprecher informierte die geschockten Beteiligten und Zuschauer dann, dass Özat wieder ansprechbar sei.

Zur Beobachtung ins Krankenhaus

"Er ist ins Krankenhaus gebracht worden, um kardiologisch untersucht zu werden", berichtete der von dem Vorfall sichtlich mitgenommene FC-Manager Michael Meier bei "Premiere" in der Halbzeitpause.

"Die Ärzte sagen aber, es ist nur eine prophylaktische Maßnahme. Er bleibt die Nacht zur Beobachtung in Karlsruhe".

Daum mit Tränen in den Augen

Die Kölner Spieler und Trainer Christoph Daum hatten während der bangen Minuten Tränen in den Augen.

Erst als die Entwarung kam, gab Schiedsrichter Meyer (Burgdorf) die Begegnung wieder frei.

"Ich konnte mich das ganze Spiel davon nicht freimachen. Wir haben ein Verhältnis, das über das normale Trainer-Spielerverhältnis hinausgeht", sagte Daum nach dem Spiel.

Meier ergänzte dann: "Alle stehen unter diesem Eindruck. Jetzt zur Normalität überzugehen, ist natürlich schwer. Wenn's nach mir geht: Lasst uns nach Hause fahren und das Spiel neu ansetzen", erklärte Meier weiter.

Erinnerungen an Puerta und Foe

Offenbar hatten alle Beteiligten wieder die plötzlichen Herztode des Spaniers Antonio Puerta (FC Sevilla) oder des Kameruners Marc-Vivien Foe vor Augen.

"Ich war damals bei dem Vorfall mit Foe im Stadion. Das wünscht man niemandem", sagte Daum.

Fußball geriet natürlich zur Nebensache. "Es gibt keine klare Regelung dafür. Herr Meyer hat die Kölner Spieler gefragt, ob sie in der Lage sind weiterzuspielen. Sie haben gesagt: Ja, wir wollen weiterspielen", erklärte Eugen Strigel, Schiedsrichter-Lehrwart beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Novakovic trifft zur Führung

Der Schock über diesen Zwischenfall saß den Spielern danach noch in den Knochen. Bis zur Pause geschah so gut wie nichts mehr, die beiden Tore gerieten kaum mehr in Gefahr.

Den ersten Kölner Auswärtssieg in der Bundesliga seit dem 4. März 2006 sicherte Torjäger Milivoje Novakovic, der den Ball in der 72. Minute aus kurzer Distanz über die Linie brachte.

Es war bereits das dritte Saisontor des Stürmers. Der Slowene bereitete zudem das entscheidende 2:0 durch Sergiu Radu (84.) vor.

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