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Christian Lell (l.) hatte gegen Gladbachs Karim Matmour öfters das Nachsehen © imago

Der Rechtsverteidiger erwischt gegen Gladbach einen schwarzen Tag. Und Bayerns Personalplanung verheißt für ihn nichts Gutes.

Von Martin Hoffmann

München - Es war das Schlüsselwort, das Uli Hoeneß bei der Vorstellung von Jupp Heynckes verwandte: "Aufbruchstimmung" soll der neue, alte Coach der Bayern erzeugen.

Es ist der unmittelbarste Effekt, den ein Trainerwechsel bei einer Mannschaft auslösen kann. Dass Spieler neu motiviert sind, sich dem neuen Chef anzubieten, ihren Stammplatz zu halten oder ihn sich zu erkämpfen.

Bei einem hat der Wechsel von Klinsmann zu Heynckes aber ganz offensichtlich keine Aufbruchstimmung erzeugt: Christian Lell.

Das erste Spiel unter dem neuen Coach hat den Rechtsverteidiger nur noch tiefer in die Depression gestürzt.

Höhnisch beklatscht von den eigenen Fans

Schwach gespielt, von den eigenen Fans ausgepfiffen und bei einer missglückten Flanke höhnisch beklatscht, zur Halbzeit ausgewechselt: Sein Auftritt beim 2:1 gegen Gladbach (NACHBERICHT: Mit Heynckes zwischen Vergangenheit und Zukunft) verhieß für die Zukunft des 23-Jährigen nichts Gutes.

Nun beeilte sich Heynckes festzustellen, dass Lell Probleme mit dem Sprunggelenk hatte, deshalb "keine Sicherheit" hatte und daher ausgewechselt wurde (Jupp Heynckes im Interview) .

Womöglich eine Schutzbehauptung, um den Vielgescholtenen vor noch mehr medialem Prügel zu bewahren - und dem Eindruck einer Demontage vorzubeugen.

Die "Bild am Sonntag" vermutet trotzdem schon, dass Lell "rasiert" ist und bei Heynckes womöglich schon ausgespielt hat.

Fingerzeig auf die Baustelle

Nun hat Heynckes bei seinem Amtsantritt klargestellt, dass er sich aus der Kaderplanung für kommende Saison heraushält. Einerseits.

Andererseits: Seine Behandlung der Rechtsverteidiger-Position war ein klarer Fingerzeig, was für eine Baustelle die Position bei Bayern ist (93065DIASHOW: Die Baustellen der Bayern).

Denn dass er den unsicheren und offiziell angeschlagenen Lell trotzdem in die Startelf berief, spricht auch nicht unbedingt für die Qualitäten seines Ersatzmanns Massimo Oddo.

Görlitz' Rückkehr eingeplant

Wie es aussieht, wird der vom AC Mailand ausgeliehene Weltmeister daher auch nicht weiterbeschäftigt.

Zumal Hoeneß nach dem Gladbach-Spiel auch noch mal klargestellt hat, dass er für die kommende Saison mit dem an Karlsruhe ausgeliehenen Andreas Görlitz plant.

"Der Vertrag beginnt am 1. Juli, und wir gehen davon aus, dass er kommt", so der Manager.

Denkt man dazu noch das Münchener Werben um Schalkes Rafinha, ist die Frage, ob bei Bayern da noch Platz für Lell bleibt.

Personaldebatte in der Schwebe

Wie viel die Bayern in der kommenden Saison für Verstärkungen investieren, ist derzeit aber nach Hoeneß' Angaben noch in der Schwebe.

Die Personaldebatte hänge stark vom neuen Trainer ab, so Hoeneß, aber auch vom wirtschaftlichen Faktor.

"Wenn wir die Champions-League-Qualifikation schaffen, werden wir sicherlich noch ein bisschen was machen. Wenn nicht, wovon ich nicht ausgehe, dann wird es schwierig."

Wird Kroos zurückgeholt?

Eine günstige Variante, den Kader aufzuwerten, wäre eine vorzeitige Rückholaktion des an Leverkusen ausgeliehenen Jungregisseurs Toni Kroos (62605DIASHOW: Die Karriere des Toni Kroos).

"Der ist für anderthalb Jahre fest ausgeliehen. Wir hätten da eine Option, ihn zurückzuholen, aber das muss der neue Trainer entscheiden", stellte Hoeneß klar.

Diego befeuert Spekulationen

Ein anderer Spielmacher, der für Bayern in Frage käme, scheint derweil nicht direkt abgeneigt.

"Wenn die Bayern mich wollen und es ein Angebot gibt, müssen sie sich an Klaus Allofs wenden", erklärte Werder Bremens Diego in der "Bild am Sonntag". Und Allofs fügte hinzu: "Die Bayern haben sich noch nicht gemeldet. Aber wenn sie es tun, lege ich den Hörer nicht auf."

Der Brasilianer gilt besonders für den Fall, das Franck Ribery nicht gehalten werden kann, als Kandidat für Bayern.

Timoschtschuk-Deal nicht in Gefahr

Energisch ist Hoeneß dann noch Spekulationen entgegengetreten, die Entlassung von Jürgen Klinsmann könnte den Transfer von St. Petersburgs Anatolij Timoschtschuk an die Isar gefährden.

"So was Lächerliches habe ich noch nie gehört", machte Hoeneß klar.

Sein Klub sei nicht "auf der Brennsupp'n dahergeschwommen" - nicht dumm also, frei aus dem Bayerischen übersetzt.

"Wir machen Verträge mit einem Spieler, da gibt es keine Klauseln mit einem Wunschkonzert für den Trainer. Das ist reinster Blödsinn."

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