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Hans Meyer (r.) löste im Oktober 2008 Jos Luhukay als Gladbach-Coach ab © getty

Gladbach-Coach Hans Meyer verteidigt im DSF-Doppelpass seinen Umgang mit dem Nationalspieler - und kritisiert den Bundestrainer.

München - Wenn Hans Meyer im Fernsehen das Wort bekommt, dann ist immer mit einem trockenen Spruch zu rechnen.

So auch am beim Doppelpass im DSF, wo der Trainer von Borussia Mönchengladbach nach der 1:2-Niederlage beim FC Bayern (zum Spielbericht) zu Gast war.

Angesprochen darauf, wie wichtig seine Rolle bei den Fohlen ist, hielt er etwa fest: "Das wird überschätzt - vor allem, wenn verloren wird."

Oder zur Frage, ob er sich denn den Trainerjob beim FC Bayern zutrauen würde: "Sollte ich mit Gladbach absteigen, bin ich bereit."

Ganz ohne Ironie redete sich der spitzzüngige Trainerfuchs in der Talkrunde aber auch etwas von der Seele: seinen Ärger über die anhaltende Kritik an seinem Umgang mit Jungnationalspieler Marko Marin, der in München wieder nur auf der Bank saß.

Dabei äußerte Meyer auch Kritik an Bundestrainer Joachim Löw.

Sport1.de hat Meyers wichtigste Äußerungen zusammengefasst.

Hans Meyer im DSF...

...über Marko Marin:

"Marko Marin hat bei mir bisher alle Spiele gemacht, außer als er gesperrt war, und 15 davon 90 Minuten durchgespielt. Der junge Mann ist 20 Jahre alt - da muss man Marko eigentlich richtig gratulieren. Er ist ein hochtalentierter junger Mann, der noch eine Menge zu lernen hat und macht in seiner ersten Bundesliga-Saison alle Spiele. (...) Er ist 19 und biologisch ist er erst 16. Er muss noch lernen, sich unterzuordnen. (...) Jogi Löw nimmt den Jungen in den erweiterten Kader, der in der 2. Liga vier Tore gemacht hat. Normalerweise eine Situation, wo seine ganze Umgebung und er jeden Tag eine Flasche Sekt hätten knallen lassen müssen, weil er in die Elite geholt wurde. (...) Jogi gibt ihm die Chance, was gut gemeint war und dann sortiert er ihn vor der EM 2008 aus. Was das bei ihm und seiner Umgebung ausgelöst hat, hat meiner Meinung nach dem Jungen mehr geschadet als gut getan."

...zur Niederlage gegen den FC Bayern:

"Wenn man verliert, kann man als Trainer nie zufrieden sein. Die Voraussetzungen für einen Sieg in München waren natürlich nicht die allerbesten. Ich hoffe, dass wir mit Gladbach drin bleiben, aber dann werden wir auch in den kommenden Jahren Außenseiter sein, wie auch in diesem speziellen Fall jetzt, wo wir ein paar richtige Probleme haben. Die Bayern haben zwar auch Probleme, aber auf einer ganz anderen Ebene - auf einer Ebene, wo wir gern Probleme hätten. Dieses 2:1 ist eher ein normales Resultat."

...zur aktuellen Tabellensituation:

"Wir haben eine Hypothek - unsere Mannschaft ging mit elf Punkten in die Weihnachtsferien. Das ist eine Katastrophenbilanz. Daran waren Spieler beteiligt, daran waren auch ein Hans Meyer und mein Vorgänger beteiligt usw. (...) Tatsache ist, dass wir etwas erreicht haben nach einer sehr guten Vorbereitung ? wir waren nach sieben Spielen nicht im gesicherten Mittelfeld, sondern an Platz fünf. Ich hätte nie gedacht, dass die Mannschaft soviel Moral und Leistung in dieser Phase bringt. Und dann spielen wir gegen Bielefeld, gegen Bochum zu Hause - und verlieren (...) Wir haben neun Spieler, die zur Auswahl gefahren sind (...) und die meisten von ihnen haben zwei Wochen nicht gespielt. (...) Die Jungs haben nicht schlecht gespielt, aber von dem bisschen Glück, dass wir vorher hatten, konnten wir dann nicht mehr zehren."

...über seine Zukunft als Trainer bei Gladbach:

"Ich habe einen Kontrakt bis 2010. Da steht ja eigentlich alles fest. Natürlich werden wir uns noch mal hinsetzen, wenn es darum geht, ob Klassenerhalt oder nicht. Zum Beispiel könnte ich ja sagen, dass ich es bei Klassenerhalt für das wenige Geld auf keinen Fall mache. Aber wenn wir absteigen, kann doch kein Vorstand objektiv mit einem 66-jährigen Hans Meyer in den Neuaufbau gehen. Also, wenn wir drin bleiben, wird auch Hans Meyer mit großer Wahrscheinlichkeit bleiben."

?über die Entlassung von Jürgen Klinsmann:

"Bei Bayern die Erwartungen, Meister zu werden und die Champions League zu erreichen. Wenn diese nicht erfüllt werden, dann rumort es. Dann wird dem Trainer nicht mehr geglaubt und dann muss es einen Schnitt geben. Dazu sind die Verantwortlichen nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet ? wenn es dort stinkt, muss was getan werden. (...) Das Konzept von Jürgen Klinsmann hat viele gute Gedanken, aber nur ein Kern davon wirkt erstmal auf dem Platz. (...) Alles, was man den Bayern vorwerfen kann, ist, dass sie geglaubt haben, das Konzept greift sofort."

?über Franck Ribery:

"Auf den Mann würde ich auf keinen Fall verzichten. (...) In guten Zeiten macht ein Franck Ribery das gewisse Extra bei den Bayern aus. (...) Da wäre der FC Bayern richtig geschlagen, wenn sie den weggeben würden. (...) Da würde ich lieber anderen Spielern lieber sagen, geht woanders hin. (...) Uli Hoeneß sagt, sie sind nicht finanziell nicht konkurrenzfähig mit Chelsea und anderen. (...) Aber ich würde zu Ribery und Luca Toni noch zwei andere große Namen holen, um die Qualität zu verbessern."

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