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Louis van Gaal spielte als Aktiver bei Sparta Rotterdam und bei AZ Alkmaar © imago

FCB-Wunschkandidat Louis van Gaal gilt als fachlich brillant, aber menschlich schwierig. Sport1.de stellt den Niederländer vor.

Von Martin Hoffmann

München - Als Louis van Gaal im Jahr 2004 zu seinem langjährigen Verein Ajax Amsterdam zurückkehrte, ließ er sich etwas ganz Besonderes einfallen.

Er sagte bei seiner Vorstellung als Technischer Direktor ein Gedicht auf, mit dem er seine Liebe zum niederländischen Rekordmeister erklärte.

Es ist nur eine von vielen kuriosen Anekdoten, die sich in der wechselhaften Trainerkarriere des 57-Jährigen angesammelt haben.

Bei Bayern München dürften noch einige hinzukommen, sollte der Wunschkandidat dort zusagen (Van Gaal vor der Unterschrift?).

Der deutsche Rekordmeister würde sich dann auf einen Trainer einlassen, der als fachlich brillant gilt - menschlich aber nicht immer leicht zu handhaben ist.

Goldene Zeit bei Ajax

Das Trainerhandwerk lernte der Umworbene als Jugend- und Assistenzcoach bei Ajax. 1991 stieg er dort nach dem Abgang von Leo Beenhakker zum Chef auf - und führte die Amsterdamer in eine goldene Ära.

Van Gaal gewann drei Meisterschaften (1994 bis 1996), den nationalen Pokal (1993), den UEFA-Cup 1992 und als Krönung die Champions League 1995.

Er brachte dabei eine ganze Generation von Oranje-Stars wie Patrick Kluivert, Clarence Seedorf, die de Boers und Edgar Davids groß raus, die jahrelang den Kern der niederländischen Nationalelf ausmachten.

Barcelona wurde zur Oranje-Filiale

Der FC Barcelona warb van Gaal 1997 ab. Dort knüpfte er zunächst nahtlos an seine Erfolge an, holte 1998 und 1999 die spanische Meisterschaft.

Aber van Gaal machte sich in seiner neuen Heimat auch Feinde. Er zog Kritik auf sich, als er Barca zu einer Oranje-Filiale umbaute, in der zeitweise acht Niederländer und Ajax-Star Jari Litmanen gleichzeitig spielten.

Als Barca im Jahr 2000 ohne Titel blieb, erfolgte die Trennung.

Für van Gaal erfüllte sich dadurch aber sein Lebenstraum, weil er Nationalcoach seines Heimatlands wurde.

Lebenstraum wird zum Albtraum

Doch van Gaals Traum wurde zum Albtraum: Er verpasste mit der "Elftal" gegen Portugal und Irland die WM-Qualifikation.

Frustriert trat er ab und gab den Spielern in einer fast einstündigen TV-Ansprache die Schuld am Fehlschlag:

"Einige haben sich geweigert, meine Methoden zu akzeptieren."

Sein Nach-Nachfolger Marco van Basten teilte die Interpretation nicht, nannte van Gaal den "schlechtesten Bondscoach der letzten 20 Jahre".

Der Ruf schien ruiniert

Comebacks als Trainer bei Barca und Technischer Direktor bei Ajax verliefen glücklos und endeten nach weniger als einem Jahr.

Van Gaals Ruf schien ruiniert, er galt bei den Großklubs als nicht mehr vermittelbar.

Er musste auf kleiner Bühne neu anfangen und heuerte 2005 beim niederländischen Mittelklasse-Klub AZ Alkmaar an.

Erst Rücktrittsdrohung, dann Meistertitel

Auch dieses Engagement schien kein gutes Ende zu nehmen. Van Gaal kündigte vergangene Saison seinen Rücktritt an, weil er die Leistungsbereitschaft seiner Spieler vermisste.

Seine Schützlinge überredeten den Trainer aber dazu, doch zu bleiben. Das Ergebnis: der überlegene Gewinn der Meisterschaft in diesem Jahr.

Eine Risikoverpflichtung wäre van Gaal für Bayern dennoch:

Ihm hängt durch seine wechselvolle Karriere das Image eines schwierigen Kauzes an, der in ruhigeren Umgebungen besser zurechtkommt als bei aufgeregten Topvereinen.

Gestörtes Verhältnis zu den Medien

Die Stars, die unter van Gaal spielten, hatten immer wieder Schwierigkeiten mit seinem autoritären Führungsstil - und der Kompromisslosigkeit, mit der er sein taktisches System über ihre Egoismen stellt.

Legendär ist van Gaals chronisch gestörtes Verhältnis zu den Medien - das in der Boulevard-Hochburg München nicht unproblematisch sein dürfte.

"Journalisten denken, dass sie genauso viel von Fußball verstehen wie ich. Tun sie nicht", fasste van Gaal einmal den Kern des Konflikts zusammen.

Wutreden als Internet-Renner

Überall wo van Gaal war, witterte er - nicht immer zu Unrecht - Kampagnen der Presse gegen sich. Und mit seiner Art, damit umzugehen, trug er nicht zur Entspannung bei.

"Freunde der Presse: Ich gehe. Herzlichen Glückwunsch!", waren die legendären ersten Worte seiner Rücktrittserklärung bei Barca 2000.

Auch gegenüber Schiedsrichtern und Trainerkollegen ist van Gaal nicht handzahm. Er trat sogar aus der - von ihm selbst gegründeten - niederländischen Trainervereinigung aus, als die ihn wegen wiederholter Kritik an anderen Übungsleitern rügte.

"Everybody's Darling" nicht gefragt

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge scheint das alles nicht zu stören, er hat schon angekündigt: "Wir müssen jetzt nicht Everybody's Darling einkaufen." 93065(Wer wird Bayern-Trainer? Die Bilder der Kandidaten)

Beim FCB weiß man also, dass man sich auf einen unbequemen Geist und Dickkopf einlässt.

Trotzdem: Es bleibt abzuwarten, ob van Gaal irgendwann auch mal über Bayern ein schwärmerisches Gedicht schreibt.

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