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Alkmaar-Boss Scheringa (r.) will Louis van Gaal nicht freigeben © imago

Der Arbeitgeber des Starcoachs erklärt, dass er den Niederländer nicht hergeben will - und soll ihm ein Ultimatum gestellt haben.

Von Martin Volkmar

München - Die Verpflichtung von Louis van Gaal als neuer Bayern-Trainer wird alles andere als ein Selbstläufer.

Denn der AZ Alkmaar will den Erfolgscoach (Hobby-Poet und Dickkopf: Van Gaal im Porträt), der den Klub gerade zum niederländischen Meister machte, auf keinen Fall freigeben.

"Ein Wechsel zum FC Bayern ist nicht verhandelbar", sagte Vereinsboss Dirk Scheringa dem holländischen Magazin "Sportweek".

"Louis hat einen laufenden Vertrag bis 2010 und daran halten wir uns."

Ausstiegsklausel oder nicht?

Damit widersprach der millionenschwere Präsident und Mäzen FCB-Manager Uli Hoeneß, der von einer Ausstiegsklausel des Trainers berichtet hatte (Van Gaal vor der Unterschrift?).

"Wie es aussieht, kommt er da raus, wir müssen keine Ablöse zahlen", zitierte die "Süddeutsche Zeitung" Hoeneß.

"Er würde dann bei uns nicht nur ein Jahr, sondern zwei oder drei Jahre Vertrag bekommen."

Allerdings dementierte der Manager, dass es bereits einen Grundsatzbeschluss für den einstigen Bondscoach als Nachfolger von Jupp Heynckes gebe.

Hoeneß: Keine Entscheidung für van Gaal

"Louis van Gaal ist einer der Kandidaten, aber es gibt keinen Vertrag, keine Unterschrift und keine Entscheidung", so Hoeneß.

Laut Scheringa weiß sein aktueller Arbeitgeber davon aber nichts: "Wir sind nicht von Bayern München kontaktiert worden und auch Louis hat uns nicht mitgeteilt, aus seinem Vertrag zu wollen. Aber auch wenn er das versucht, willigen wir nicht ein."

Der Umworbene selber will sich vorerst nichts mehr zum Thema äußern. "Wenn ich etwas dazu sage, heißt es wieder, ich würde mit anderen Klubs flirten", meinte der 57-Jährige.

In der "Bild" ergänzte er allerdings: "Ich habe viele Angebote und werde mich demnächst entscheiden."

Sunderland und Belgien ebenfalls im Rennen

Akut sind dabei neben den Bayern zwei weitere Offerten: Beim FC Sunderland soll van Gaal ähnlich wie in Alkmaar mit den Millionen der neuen Besitzer einen Angriff auf die Top-Teams der Premier League starten.

Und in Belgien würde er freie Hand für einen Neuaufbau der Nationalmannschaft bekommen, wo nach der bislang schwachen WM-Qualifikation im April Nationaltrainer Rene Vandereycken gefeuert worden war.

"Eine Konstellation, in der er neben AZ ein Nationalteam betreut, etwa Belgien, ist für uns diskutierbar", meinte Alkmaar-Boss Scheringa.

"Ein Vertrag mit einem anderen Klub ist das nicht. Ich mache mir aber auch keine Sorgen, denn van Gaal ist ein Mann mit Prinzipien und hat immer seine Verträge erfüllt."

Scheringa drängt auf baldige Entscheidung

Womöglich alles Poker, um für van Gaals Abgang auch gebührend kompensiert zu werden. Intern drängt Scheringa den Trainer angeblich, sich binnen zehn Tagen für oder gegen AZ zu entscheiden.

Der Verein will Planungssicherheit für die nächste Saison in der Champions League. Sollte van Gaal nicht zu halten sein, möchte man rasch den Wunschkandidaten Co Adriaanse verpflichten.

Der Niederländer war schon Vorgänger van Gaals und ist nach seinem Ausscheiden bei Red Bull Salzburg am Saisonende - Nachfolger wird Huub Stevens - (noch) zu haben.

Diese Variante ist wohl die wahrscheinlichste, denn van Gaal hatte mehrfach betont, dass ihn ein Top-Verein im Ausland reizen würde und dabei auch explizit vom FC Bayern gesprochen.

De Boer und Arveladse angeblich Co-Trainer beim FCB

Zudem soll sich der Wunschkandidat bereits vergangenen Donnerstag mit den Münchnern in Amsterdam getroffen haben und weitgehend einig sein.

Seine ehemaligen Spieler Shota Arveladze (derzeit Praktikant in Alkmaar) und Frank de Boer sollen demnach Co-Trainer beim deutschen Rekordmeister werden.

Auf diese Aussagen in der TV-Sendung "Studio Sport" reagierte de Boer aber mit einer SMS an die Veranwortlichen. "Ich bin überrascht. Bayern hat noch nicht mit mir gesprochen", schrieb der derzeitige Assistent von Bondscoach Bert van Marwijk.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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