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Klose (l.) und Toni haben jeweils ihr erstes Saisontor erzielt © getty

"Wir sind in der Lage, Hertha zu knacken - das ist unser Job", hatte FCB-Coach Klinsmann im Vorfeld prophezeit. Und er behielt Recht.

Aus der Allianz Arena berichtetDaniel Rathjen

München - Nach einer zerstückelten Vorbereitung, zwei mageren Remis zum Auftakt und einer Menge überzogener Kritik ist beim FC Bayern nicht nur die langersehnte Fitness, sondern auch die "Winner-Mentalität" zurückgekehrt.

Die Ruhe ist während der jetzt anstehenden zweiwöchigen Länderspielpause gesichert, von Fehlstart kann nach drei Spielen und fünf Punkten nicht mehr gesprochen werden.

Gegen Hertha BSC, das sich vor 69.000 Zuschauern in der ausverkauften Allianz Arena als klasse Aufbaugegner für zuvor etwas angeknockte Münchner präsentierte, feierte der Double-Sieger durch Tore von Luca Toni (12.) und Philipp Lahm (54.), Bastian Schweinsteiger (56., Foulelfmeter) und Miroslav Klose (70. Foulelfmeter) einen nie gefährdeten 4:1 (1:0)-Sieg.

Lebendiger Spielfluss

Dabei war damit nicht unbedingt zu rechnen, aber was daher kam wie das Fundament einer massiven Beton-Abwehr, entpuppte sich dank der wieder erlangten Spritzigkeit schnell als lebendiger Spielfluss.

Mit dem wieder genesenen Martin Demichelis, Lucio, Daniel van Buyten, Christian Lell, Philipp Lahm, Ze Roberto und Andreas Ottl schickte Bayerns Trainer Jürgen Klinsmann nicht weniger als sieben gemeinhin defensiv orientierte Spieler von Beginn an aufs Feld.

"Poldi" wieder auf der Bank

Tim Borowski und auch erneut Lukas Podolski blieben zunächst draußen.

Doch, wie erwähnt: Statt Sicherheitsfußball gab es mit einem 3-5-2-System frechen Offensivgeist und erste Ansätze davon, was "Klinsi" mit schnellen Vertikalpässen und kompaktem Verschieben meint, wenn er von seiner Philosophie redet.

Gegen erschreckend schwache Herthaner, die mit Marko Pantelic als einziger Spitze agierten, ließen die Hausherren keinen Zweifel daran, wer den Platz als Sieger unbedingt verlassen wollte.

Akzente von Beginn an

Dank der Triebkraft eines agilen Lahm und engagierten Ottl, Toni und Klose kam der Rekordmeister zügig in Schwung.

Es dauerte lediglich zwölf Minuten, ehe sich die Überlegenheit der Bayern auch in einem Torevorsprung manifestierte: Klose erkämpfte sich den Ball, Bastian Schweinsteiger bediente Toni.

Der italienische Torjäger verlud bei seinem ersten Saisontreffer Steve von Bergen ebenso wie Keeper Jaroslav Drobny und schob souverän zum 1:0 ein.

Der FC Bayern legte nach, Hertha befreite sich nur sporadisch aus der engen Dauer-Umklammerung.

Berlin? Nur heiße Luft

Der ballgewandte Raffael verströmte immerhin den Hauch einer Gefahr. Durchsetzen konnte er sich gegen die mit Demichelis wieder sehr stabil wirkende Bayern-Hintermannschaft aber auch nicht.

Mit ein wenig mehr Präzision hätte der Gastgeber durch Ottl (16., sein Linksschuss strich knapp am Tor vorbei) und Toni (24., seinen sehenswerten Drehschuss aus 18 Metern fing Drobny ab) den Spielstand vor der Pause durchaus noch erhöhen können.

Das geschah jedoch erst nach dem Seitenwechsel. Der FC Bayern knüpfte nahtlos an die gute Leistung an.

Bei Klose platzt der Knoten

Lahm schlenzte den Ball nach ansehnlichem Doppelpass mit Ze Roberto ins lange Eck zum 2:0, ?Schweini? versenkte kurz danach einen an ihn selbst von von Bergen verursachten Strafstoß.

Abschlusspech hatte einmal mehr Klose bei hundertprozentigen Chancen in der 55. Minute und einem Pfostenschuss (59.). Nachdem von Bergen auch noch Ze Roberto im eigenen Strafraum ungeschickt von den Beinen holte, verwandelte er den fälligen Strafstoß aber präzise.

Der Ehrentreffer für Berlin durch den sträflich allein gelassenen Pantelic (84.) trübte bei den Bayern die Freude über den ersten Saisonsieg nicht.

Und das Ende von Kloses Torflaute (erster Treffer seit dem 1. März) ist letztlich auch gleichbedeutend mit der Quintessenz des Spiels: Bei Bayern ist der Knoten geplatzt.

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