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Dietmar Hopp unterstützt mit Geld aus seiner Firma SAP den Sport im Kraichgau © getty

Im Sport1.de-Interview nimmt Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp Stellung zum öffentlichen Disput mit Trainer Ralf Rangnick.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Unruhe der vergangenen Tage war ungewöhnlich für 1899 Hoffenheim.

Trainer Ralf Rangnick und Mäzen Dietmar Hopp stritten sich nach dem herben 0:4 in Wolfsburg öffentlich darüber, wie es mit ihrem Klub weitergehen soll. (Hoffenheim vor Zerreißprobe)

"Ich lasse mich nicht erpressen", hatte Hopp mit Blick auf die von Rangnick geforderten Neuverpflichtungen klar gemacht (Hopp: Lasse mich nicht erpressen).

Mittlerweile ist der Streit zwischen Hopp und seinem Coach ausgeräumt. "Unter Männern", erklärte der 69-Jährige, habe man sich ausgesprochen (Hopp und Rangnick begraben das Kriegsbeil).

Rangnick: "Brauchen mindestens sechs neue Spieler"

Trainer Ralf Rangnick sagte: "Wir haben in allen Punkten Einigkeit erzielt. Die Mannschaft muss so zusammengesetzt sein, dass wir Ausfälle verkraften. Deshalb brauchen wir mindestens sechs neue Spieler."

Manager Jan Schindelmeiser will bei den anstehenden Verpflichtungen zweigleisig fahren. "Unser Hauptaugenmerk liegt weiter auf jungen und talentierten Spielern, die schon in der Bundesliga spielen können, sich aber auch noch weiterentwickeln können. Wir haben zusätzlich aber auch Bedarf an erfahrenen Spielern."

Im Sport1.de-Interview beschreibt Dietmar Hopp die künftige Ausrichtung des Klubs (zur Vereinsseite), die öffentliche Erwartungshaltung und auch den Finanzrahmen für die kommende Saison.

Sport1.de: Herr Hopp, ist mit Ihrem Trainer Ralf Rangnick nach der Aussprache von Dienstag wieder alles im Lot?

Dietmar Hopp: Es hat sicherlich Irritationen gegeben. Aber die ganze Sache wurde auch hochstilisiert zu einem handfesten Krach, und dem war gar nicht so.

Sport1.de: Hat es sich nach der enttäuschenden Rückrunde angedeutet, dass es zu solch einer Situation kommen würde?

Hopp: Diese ganze Geschichte hat mit der Niederlagenserie gar nichts zu tun. Kein Mensch bei uns kritisiert den Trainer. Ralf Rangnick hat nicht mit Rücktritt drohen wollen. Er erfüllt bei uns mindestens seinen Vertrag. Damit ist ja alles gesagt.

Sport1.de: Bleibt es denn bei dem Ziel, mittelfristig ins internationale Geschäft zu kommen?

Hopp: Es gibt immer Unwägbarkeiten: Haben wir Glück mit Verpflichtungen von jungen Leuten, die sich dann zu Raketen entwickeln, oder wir haben das Glück nicht. Wir können es nicht so machen wie die großen Klubs. Wie Hamburg, München, Schalke, die so viel Geld ausgeben und dann fast sicher davon ausgehen können, am internationalen Geschäft teilzunehmen.

Sport1.de: Denken Sie, dass der Druck und die Unstimmigkeiten mit der Erwartungshaltung von außen zu tun haben?

Hopp: Die Erwartungshaltung von außen ist bei uns überhaupt nicht überzogen. Ich wüsste gar nicht, wer da Druck aufbauen sollte. Weder unsere Sponsoren, noch ich als Investor, noch die Vereinsführung.

Sport1.de: Ralf Rangnick hat gesagt, er möchte sich mit Mittelmäßigkeit nicht zufrieden geben. Da sind Sie mit ihm einer Meinung?

Hopp: Ich habe nichts dagegen, wenn wir so spielen wie in der Vorrunde.

Sport1.de: Dreht es sich im Wesentlichen also nur um den Faktor Zeit?

Hopp: Zeit und Geld. Wir können uns nicht messen mit den ganz Großen in Deutschland.

Sport1.de: Besteht die Gefahr, dass Hoffenheim sich am eigenen Erfolg und am rasanten Aufstieg verschlucken könnte?

Hopp: Das glaube ich nicht. Wir werden uns konsolidieren. Der Stamm der Mannschaft bleibt ja. Und diejenigen die gehen, werden adäquat ersetzt. Somit haben wir eine spielstarke Mannschaft für nächste Saison. Die Rückrunde ist halt kein Maßstab, die Vorrunde auch nicht, aber das Mittel ist einer.

Sport1.de: Können Sie die zehn Millionen Euro bestätigen, die als Investitionssumme für die neue Saison genannt wurden?

Hopp: Das war ein Rahmen, den ich lose genannt habe. Wir haben aber noch gar keine endgültigen Gespräche geführt. Wenn sie nicht gebraucht werden, ist es mir recht. Wenn mehr gebraucht wird, muss ich sehen, ob ich das stemmen kann.

Sport1.de: Dass Hoffenheim die Klasse halten würde, war ja frühzeitig klar, selbst die Champions-League-Qualifikation schien nach der Hinrunde greifbar. Steht aus Ihrer Sicht nun ein wichtiger Moment der Weichenstellung an?

Hopp: In der Vorrunde haben wir immer mit der gleichen Mannschaft gespielt. Da hatten wir Glück, keine Verletzungen, wenige Karten. Die Rückrunde ist das genaue Gegenteil: Viele Verletzte, wir sind unter Druck geraten, die Spieler haben sich vielleicht auch selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Dazu hatten wir so viel Pech wie in der Vorrunde Glück. Wenn wir am Ende auf dem neunten Platz stehen, ist das eine schöne Sache.

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