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Felix Magath war von Juli 2004 bis Januar 2007 Trainer des FC Bayern München © getty

Der kommende Schalke-Coach ist mit dem Zeitpunkt der Entscheidungs-Bekanntgabe nicht einverstanden. Tönnies ist überglücklich.

Von Martin Volkmar

München ? Felix Magath hatte eigentlich nichts Neues mehr zu verkünden.

Trotzdem fühlte er sich offensichtlich nicht wohl in seiner Haut, als er am Mittwochmorgen in Wolfsburg vor die versammelte Presse trat und seinen Wechsel zu Schalke 04 bekanntgab.

"Ich bin froh, dass die Entscheidung endlich heraus ist, auch wenn ich über die Umstände nicht glücklich bin", gab er zu. "Was aufstoßen kann, ist der Zeitpunkt, zu dem das nach außen gedrungen ist."

Den nahe liegenden Vorwürfen, er sorge zunächst für Unruhe beim VfL in der heißen Phase der Meisterschaft und lasse dann den Verein im Stich, wollte sich Magath nicht stellen.

Demission mit Folgen im Titelkampf?

Rückfragen nach seiner rund zehnminütigen Erklärung waren nicht erlaubt. Dem Wolfsburger Alleinherrscher war wohl selber bewusst, welche Folgen seine Demission haben könnte.

"Ich bedauere, dass der Wechsel zu Schalke, wo ich beim Aufsichtsratvorsitzenden Clemens Tönnies im Wort stehe, so früh publik geworden ist", meinte er daher.

Wenig später konnte man einige hundert Kilometer weiter westlich das Kontrastprogramm bestaunen: Stolz wie Oskar präsentierte Tönnies die von ihm im Alleingang herbeigeführte große Lösung.

"Ich bin froh und stolz, dass wir ihn gewinnen konnten. Er ist die erstklassige Lösung, die ich angekündigt hatte", erklärte der starke Mann der Königsblauen auf einer Pressekonferenz und erläuterte freimütig die Details des Mega-Deals.

Einigkeit schon vor Ruttens Rauswurf

"Fast zeitgleich zur Trennung von Manager Andreas Müller haben wir auf einem Bauernhof verhandelt", berichtete Tönnies von den Geheimgesprächen in der Zeit der Entlassung Müllers am 9. März ? obwohl zu diesem Zeitpunkt der Rauswurf von Trainer Fred Rutten (26. März) offiziell noch gar nicht feststand.

"Felix Magath hat nicht sofort zugesagt, aber ich habe ihn emotional aufgeladen", meinte der Fleischfabrikant. "Nach etwa drei Stunden hat er mir den Handschlag gegeben, dass er nach Schalke wechselt, wenn er Wolfsburg verlassen sollte."

Dort wurden die Zweifel des Trainers und Managers trotz des Sprungs an die Tabellenspitze immer größer. Daher wurden die Verhandlungen über eine Fortsetzung seiner Tätigkeit bei den "Wölfen" frühzeitig auf Eis gelegt.

Keine weiteren Millionen-Einkäufe in Wolfsburg

Auch weil Magath signalisiert wurde, dass er aufgrund der wirtschaftlichen Krise nicht mit ähnlichen Summen für Spielereinkäufe wie in den vergangenen zwei Jahren rechnen könne.

Da hatte er dank Geldgeber Volkswagen geschätzte 55,5 Millionen Euro für 30 neue Akteure investiert. So sah der Ex-Meistercoach des FC Bayern anscheinend den Höhepunkt bereits erreicht.

"Vor allem gab es den Grund, dass der VfL-Aufsichtsrat und ich zu Beginn meines Engagements das gemeinsame Ziel vereinbart hatten, die Mannschaft an die Spitze der Bundesliga zu führen. Aus meiner Sicht sind die Ziele erreicht", sagte Magath.

Mangelnde Euphorie als Kriterium

Eine entscheidende Rolle spielte aber wohl auch die mangelnde Begeisterungsfähigkeit in der Autostadt.

"Ich habe hier erfahren müsse, dass zwar VW voll und ganz hinter dem VfL steht. Aber im Umfeld des Vereins, in der Stadt, ist es offenbar nicht klar geworden, was hier aufgebaut werden soll", hatte er schon im letzten Sommer in der "Welt" geklagt.

Diese fehlende Euphorie hat laut Tönnies die Entscheidung von Magath maßgeblich beeinflusst: "Schalke ist nicht Wolfsburg. Schalke ist Schalke. Und genau darum ging es Magath", sagte er.

Auch Heldt weiter ein Thema

Der S04-Boss hält die Königsblauen ungeachtet der chaotischen letzten Monate ja ohnehin für das Nonplusultra, wie er bei einer anderen Personalie deutlich machte.

Trotz der Absage aus Stuttgart glaubt Tönnies nämlich nach wie vor an eine Verpflichtung von Horst Heldt: "Der Verein ist so groß, dass wir für ihn Verwendung hätten. Das ist in der Pipeline, aber nicht abgeschlossen."

Noch nicht abgeschlossen ist auch die Zusammensetzung von Magaths zukünftigem Trainerteam. Offen bleibt also auch, was aus dem erfolgreichen Interims-Trainertrio Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck wird.

"Sie haben einen Platz auf Schalke", meinte Tönnies nur. Zudem bestritt er die kolportierte Reduzierung des aktuellen 55-Millionen-Etats um 20 Millionen. Vielmehr sollten acht bis zehn Millionen eingespart werden, erklärte Präsident Josef Schnusenberg.

"Wir sagen nicht, dass wir Meister werden wollen"

Magath solle daher auch die nötige Zeit bekommen, um eine neue Mannschaft aufzubauen. "Wir gehen nicht davon aus, dass es sofort nach oben geht. Es kann eine Durststrecke geben", meinte Tönnies ungewohnt zurückhaltend.

"Wir sagen nicht, dass wir Meister werden wollen, sonst sind wir wieder der Chaos-Klub, der wir nicht sein wollen und auch nicht sind."

In Wolfsburg dagegen wird seit dem 4:0 gegen Hoffenheim endlich offen von der Meisterschaft gesprochen, mit der sich Magath nun aus der Autostadt verabschieden will.

Auch Daum ein Kandidat beim VfL

Derweil läuft die Suche nach einem Nachfolger auf Hochtouren und täglich springen neue Kandidaten aufs Karussell auf. Neben den Favoriten Armin Veh und Mirko Slomka werden auch Ex-Coach Erik Gerets, Matthias Sammer und Christoph Daum genannt (Rijkaard will nicht - Veh und Slomka nun Favoriten).

Ein nicht genannter Aufsichtsrat erklärte dem "Express", Daum sei einer von fünf Kandidaten:

"Was für Daum spricht, ist doch klar. Er ist einer der besten Trainer in Deutschland, er hat eine Ausstiegsklausel ? und jetzt, wo der FC gerettet ist, kann man ihn zeitnah ansprechen."

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