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Volle Hütte: 72.000 Zuschauer erlebten das Spiel gegen Bochum live mit © getty

Während Herthas Coach noch immer den UEFA-Cup als Ziel ausgibt, wollen seine Spieler mehr. In Bochum grassiert die Abstiegsangst.

Berlin - Die Fans sangen von der Meisterschaft, die Spieler stellten erste Hochrechnungen an, doch die sportliche Leitung dämpfte die Euphorie:

Dabei hatte Hertha BSC Berlin durch den 2:0 (1:0)-Erfolg über den VfL Bochum (zum Spielbericht) den Abstand zur Tabellenspitze auf einen Punkt verkürzt und sich eine gute Ausgangsposition im Kampf um den ersten Meistertitel seit 78 Jahren erarbeitet.

"Wenn wir die letzten drei Spiele gewinnen, werden wir Meister", sagte Angreifer Andrej Voronin nach dem verdienten Erfolg.

"Das war ein erster Schritt. Ich bin mir sicher, dass unsere Gegner noch Punkte liegen lassen."

Und Abwehrspieler Josip Simunic fügte selbstbewusst hinzu: "Alle glauben an das große Ziel. Das ist die größte Chance in diesem Leben, Deutscher Meister zu werden." (DATENCENTER: 31. Spieltag)

"Unser Ziel ist der UEFA-Cup"

Die sportliche Leitung hingegen bemühte sich, die Begeisterung nicht zu groß werden zu lassen.

"Die Ausgangslage ist nicht schlecht. Wenn du dreimal gewinnst, bis du Meister, doch darüber sprechen wir hier nicht", sagte Manager Dieter Hoeneß.

Trainer Lucien Favre wollte sich ebenfalls an der Träumerei nicht beteiligen: "Unser Ziel ist der UEFA-Cup. Und da sind wir im Soll", sagte der Schweizer.

Leichtes Restprogramm

Da wurde Favres Landsmann und Bochums Trainer Marcel Koller schon deutlicher: "Wenn Hertha weiter so effizient spielt, dann haben sie die Möglichkeit zum großen Schlag", sagte der Schweizer.

In der Tat sind die Chancen der Berliner nicht schlecht, das Rest-Programm ist lösbar. Am Dienstag tritt die Hertha beim 1. FC Köln an.

Dann folgt das seit Wochen ausverkaufte Heimspiel gegen Schalke 04, ehe die Saison beim vielleicht schon abgestiegenen Karlsruher SC ausklingt.

"Wenn wir in Köln gewinnen, sind wir unserem Traum sehr nahe gekommen", stellte dann auch Hoeneß fest.

Eiskalte Herthaner

Mit der Nervenstärke und Cleverness, die Hertha gegen die biederen Bochumer zeigte, kann die Favre-Elf im Saison-Finale noch Großes erreichen.

Wie so oft lockten die Berliner ihren Gegner aus der Defensive, ehe zwei Konter das Spiel entschieden.

Zunächst markierte Marko Pantelic (39.) per Kopf seinen siebten Saisontreffer, dann sorgte Raffael (50.) nach Vorarbeit von Lukasz Piszczek für die Entscheidung.

Comeback von Lucio

Zu guter Letzt gab auch der Brasilianer Lucio nach seiner schweren Knieverletzung im September 2007 sein Comeback.

"Für ihn freut es mich besonders. Alle haben ihm die Daumen gedrückt. Er ist im Saisonfinale für uns eine weitere Alternative", sagte Hoeneß.

Erstmals seit dem ersten Spiel der Rückrunde bildeten Voronin und Pantelic wieder gemeinsam den Sturm der Berliner.

"Ich habe bewiesen, dass ich nicht viele Chancen für ein Tor benötige", sagte Pantelic, der in der 74. Minute wegen einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt wurde.

Nach wie vor ist seine Zukunft genauso wie die von Voronin in Berlin fraglich. "Wenn Hertha mich will, bleibe ich", sagte Voronin.

Bochum lässt Gegenwehr vermissen

Eine magere Vorstellung boten die Bochumer, die sich auch im zweiten Durchgang nicht genug gegen die drohende Niederlage stemmten.

Trainer Koller vermied es, mit seiner Mannschaft hart ins Gericht zu gehen.

"Es ist lange für uns ganz gut gelaufen. Wir wollten unbedingt die Konter vermeiden, doch dann hat es uns zweimal erwischt", blieb der Coach sachlich.

Mit 28 Punkten schweben die Bochumer in akuter Abstiegsnot.

"Nur gut, dass die Konkurrenz auch Federn gelassen hat", sagte Kapitän Marcel Maltritz.

Für Philip Bönig muss die Mannschaft nun so schnell wie möglich die richtige Reaktion zeigen.

"Wir müssen jetzt die letzten drei Spiele voll durchziehen und von der ersten Minute an kämpfen, am besten bis zum Umfallen. Schon gegen den Hamburger SV sollten wir am Mittwoch damit anfangen."

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