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Mario Gomez (M.) stellte Jürgen Klinsmanns Bestmarke von 1986 ein © imago

VfB-Stürmer Gomez versetzt Wolfsburg mit seinen vier Toren einen herben Schlag. Trainer Magath gibt die Meisterschaft nicht auf.

Von Felix Götz und Christian Stüwe

München/Stuttgart - Unterschiedlicher hätten die Bilder nach dem 4:1-Sieg des VfB Stuttgart über den VfL Wolfsburg (Spielbericht) nicht sein können.

Während sich der vierfache Torschütze Mario Gomez von den Fans frenetisch feiern ließ, stand VfL-Coach Felix Magath nach der Packung an seiner alten Wirkungsstätte da wie ein begossener Pudel.

"Natürlich haben wir uns das Spitzenspiel etwas anders vorgestellt", sagte der 55-Jährige, nach dem die Tabellenführung des VfL auf das bessere Torverhältnis gegenüber dem FC Bayern zusammengeschrumpft war. (DATENCENTER: Tabelle)

Zurückrudern will Magath nun aber auch nicht mehr, nachdem er erst vor einer Woche nach langem Zögern endlich den Titel als Ziel ausgegeben hatte:

"Wir haben zwar unseren Vorsprung eingebüßt, aber wir sind immer noch Spitzenreiter. Ich glaube, dass wir immer noch Meister werden können."

Ist Magaths Wechsel schuld?

Die naheliegende Vermutung, dass der bekannt gewordene Wechsel des VfL-Coachs zu Schalke 04 eine Ursache für den schwachen Auftritt der Wolfsburger gewesen sein könnte, wies Marcel Schäfer allerdings zurück.

"Keiner denkt daran, welcher Trainer in der nächsten Saison auf der Bank sitzt", meinte der 24-Jährige.

So richtig bei der Sache waren die "Wölfe" allerdings in Stuttgart auch nicht. So stand es schon nach 31 Sekunden 0:1.

Und bereits nach 39 Minuten waren zwei wichtige Stammkräfte außer Gefecht gesetzt.

Zvjezdan Misimovic und Sascha Riether verletzten sich beide nach rüden Tritten von VfB-Innenverteidiger Georg Niedermeier (Spielerportrait), der darüber hinaus gemeinsam mit Khalid Boulahrouz die fehlenden Serdar Tasci (verletzt) und Matthieu Delpierre (Gelbsperre) gut vertrat.

Riether droht längere Pause

Während Riether (Kapsel- und Bänderverletzung) am Dienstag gegen Borussia Dortmund auszufallen droht, kann Misimovic (Prellung im Mittelfuß) wohl wieder mitwirken.

Dem Bosnier hatte das Spiel aber nicht nur körperlich zugesetzt:

"Ich hoffe, das das ein einmaliger Ausrutscher war. Wir dürfen uns solche Auftritte nicht mehr leisten. Die harte Arbeit des ganzen Jahres steht auf dem Spiel."

Dennoch wollte Magath nicht den Stab über sein Team brechen. "Ich muss der Mannschaft ein Lob zollen, dass sie nach diesen Rückschlägen noch zurückgekommen ist", sagte er.

Dass es letztlich nicht reichte, lag vor allem am Auftritt des eingewechselten Weltmeisters Cristian Zaccardo, der es in der 55. Minute fertigbrachte, den Ball aus zwei Metern am leeren Tor vorbeizuschieben.

"Dafür gibt es keine Entschuldigung", lästerte Franz Beckenbauer bei "Premiere". "Wenn du den nicht machst, dann spielst du besser Klavier oder Flöte."

Gomez macht's Klinsmann nach

Statt des 2:2 machte sorgte alles überragende Gomez acht Minuten später mit dem 3:1 für den Wolfsburger K.o. "Das 1:3 hat das Spiel entschieden", sagte Magath über den dritten Treffer des Nationalstürmers.

Dass der 23-Jährige sogar noch einen vierten folgen ließ, war laut Gomez eher Zufall: "Ich wollte nach dem 3:1 eigentlich runter, weil es in der Wade gezwickt hat. Aber es gab keine Gelegenheit zu wechseln."

So aber konnte es der Matchwinner dem ehemaligen Stuttgarter Jürgen Klinsmann gleichtun. Der war nämlich vor 23 Jahren der letzte VfB-Spieler, dem vier Tore in einer Partie gelangen. (STATISTIK: Die Torjäger)

Die Stuttgarter sind durch den Sieg bis auf zwei Zähler an Wolfsburg herangekommen, haben allerdings auch nur drei Punkte Vorsprung auf Platz sechs.

Daher bremste Gomez, der nun mit 23 Treffern in der Torschützenliste gleichauf mit dem enttäuschenden Wolfsburger Grafite liegt, die Euphorie: "Wir haben noch nichts erreicht."

Babbel "droht" Heldt

Champions-League-Teilnahme oder im schlimmsten Fall gar nichts - vieles hängt beim VfB davon ab.

So beschäftigte das Thema Schalke nicht nur die "Wölfe", weil die Königsblauen Manager Horst Heldt ebenfalls verpflichten wollen.

"Mein Bekenntnis zum Verein ist mein Vertrag. Und der läuft bis 2012. Ich gehe davon aus, dass ich auch in der nächsten Saison hier bin", sagte der 39-ährige allerdings.

Wesentlich deutlicher, allerdings auch mit einem Augenzwinkern, drückte sich Babbel zu diesem Thema aus: "Er gehört zum VfB. Sollte er wegwollen, dann grätsche ich ihn persönlich um."

Um Heldt das Bleiben am Neckar noch schmackhafter zu machen, wollen die Schwaben den ehemaligen Nationalspieler zusätzlich einen Posten im Vorstand anbieten.

Dass Heldt den VfB im Sommer verlassen wird, scheint daher unwahrscheinlich. Wenngleich Magath betonte, wie gern er seinen "Freund" mit auf Schalke dabei hätte.

Ob Magath die Wolfsburger als Meister verlassen wird, daran gibt es nach der Vorstellung in Stuttgart wieder erhebliche Zweifel.

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