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"Die müssen sich doch mal den Frust von der Seele saufen. Wir haben doch früher auch auf dem Oktoberfest die Maßen reingelassen." (Über die Feier von Franck Ribery und Luca Toni in einer  Pizzeria)
Matchwinner Franck Ribery (l.) Arm in Arm mit Manager Uli Hoeneß © getty

Der FC Bayern gibt sich nach dem Sieg in Cottbus ungewohnt defensiv. Jupp Heynckes redet nicht einmal von der Meisterschaft.

Von Martin Hoffmann

München/Cottbus - Der Pflichtsieg ist eingefahren, der Titelrivale schwer gestrauchelt, von Platz eins ist man nur noch durch ein geringfügig schlechteres Torverhältnis getrennt.

Normalerweise wäre das ein Szenario, bei dem der FC Bayern den Schlachtenlärm bis zum Anschlag aufdrehen würde.

Doch nichts dergleichen ist nach dem 3:1 in Cottbus passiert. (zum Spielbericht)

Keine Seitenhiebe gegen Wolfsburg und Felix Magath. Kein lautes Blasen zum Angriff auf die Spitze.

Und nur einer nimmt das Wort Meisterschaft nach dem Spiel überhaupt in den Mund.

Rummenigge warnt

"Wir können jetzt Deutscher Meister werden", hält Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fest. .

Um dann aber anzuschließen: "Wir können auch noch auf Platz vier abstürzen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Auffallend leise Töne für einen Klub, der die Meisterschaft sonst ja quasi als Geburtsrecht für sich reklamiert.

Es wirkt, als hätte man beim FC Bayern den Tarnkappenmodus im Titelkampf eingeschaltet - just nachdem Wolfsburg ihn abgeschaltet hat.

Man kann es aber auch positiver deuten: Dass die Bayern ganz schnell ein von Jupp Heynckes ausgegebene Credo verinnerlicht haben - das Credo "bescheidener" zu werden.

Heynckes redet nicht vom Titel

Der Interims-Trainer hat diese Bescheidenheit nach dem Cottbus-Spiel vorgelebt.

Heynckes vermied an seinem 64. Geburtstag und seinem 150. Ligaspiel als Bayern-Trainer, vom Titelkampf zu reden.

"Unser Ziel, die direkte Champions-League-Qualifikation, ist durch den Sieg wieder im Bereich des Möglichen", erklärte er nur - obwohl sich die Situation im Rennen um Platz zwei streng genommen gar nicht geändert hat.

Hoeneß lobt, der Coach mahnt

Heynckes wollte sich auch nicht übermäßig zufrieden mit dem Sieg zeigen - anders als Manager Uli Hoeneß.

Der bescheinigte den Spielern, "hervorragend gekämpft und gespielt" zu haben, "gegen eine Mannschaft, die mit dem Rücken zur Wand steht - das war schon toll".

Der Chefcoach dagegen war der Meinung, "wenn wir top gespielt hätten, hätten wir auch 4:1, 5:1, 6:1 gewinnen können. Wir hätten noch mehr Tore schießen müssen".

Kein Grund zum Schulterklopfen

Heynckes hatte durchaus auch seine Gründe, seinen Schützlingen nicht vorbehaltlos auf die Schulter zu klopfen.

Denn quasi jeder Spieler, der zum 3:1 einen entscheidenden Beitrag leistete, musste sich auch Vorwürfe gefallen lassen.

Bei 2:1-Schütze Martin Demichelis etwa stand seinem Kopfballtor sein unfreiwilliger Assist zu Ivica Ilievs Ausgleich nach dem Führungstreffer von Jose Ernesto Sosa gegenüber.

Und der stark verbesserte Lukas Podolski leitete mit einer Ecke zwar das 2:1 ein und schoss das 3:1 selbst - verschenkte aber auch leichtfertig zwei weitere Chancen, die nahe an der Hundert-Prozent-Marke waren.

Auch Ribery gibt sich eine Blöße

Und selbst der angeschlagene Franck Ribery, der nach seiner Einwechslung die entscheidenden Impulse setzte, gab sich am Schluss noch eine Blöße.

Dass er wie schon im Vorjahr einen Elfmeter gegen Cottbus-Keeper Gerhard Tremmel verschoss, verzieh ihm Hoeneß zwar schnell: "Er hatte maßgeblichen Anteil an den beiden Toren und da kann man ihm nicht böse sein."

Allerdings wird die Erinnerung an den vergeigten Strafstoß noch frisch sein, wenn am Ende wirklich das Torverhältnis über die Meisterschaft entscheiden sollte.

Hiobsbotschaft für Cottbus

Dass ihr Keeper den französischen Superstar wieder einmal ärgern konnte, war für die Gastgeber allerdings kein Trost.

Schwerer als die Niederlage, die sie letztlich einkalkulieren mussten, wog für die Lausitzer die Verletzung ihres Toptorschützen Dimitar Rangelov, der mit einer schweren Bänderdehnung im Sprunggelenk vom Feld musste - Zwangspause ungewiss.

Die kommt zur Unzeit, schließlich steht am Mittwoch schon das wohl entscheidende Abstiegsduell gegen Gladbach an.

"Es ist für uns alles oder nichts", stimmte Kapitän Timo Rost seine Teamkollegen gleich ein: "Und so werden wir das Spiel auch angehen müssen."

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