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Der 20-jährige Nuri Sahin (l.) wurde mit Rotterdam niederländischer Pokalsieger 2008 © getty

Bezeichnend für den Dortmunder Aufschwung ist der junge Türke, der derzeit seine Kritiker Lügen straft. Beim KSC herrscht Ratlosigkeit.

Von Sebastian Hrabak

München - Borussia Dortmund schreibt Geschichte im Jubiläumsjahr. Das 4:0 gegen den KSC (Spielbericht) war der siebte Bundesliga-Sieg in Folge.

Eine solche Serie ist den Schwarz-Gelben nicht einmal unter den Meistertrainern Willi Multhaup, Ottmar Hitzfeld oder Matthias Sammer gelungen.

Quasi nebenbei klettert der BVB heimlich, still und leise auf den fünften Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der neuen Europa League berechtigt.

"Wir sind nahe dran, aber noch nicht drin", meint Trainer Jürgen Klopp. "Es freut mich besonders für die Zuschauer ohne Ende, dass wir in dieser außergewöhnlichen Saison diese Bestmarke setzen und die eine oder andere angekündigte Vollgasveranstaltung abfeiern konnten."

Bezeichnend für den Höhenflug der Borussen ist der Aufstieg eines Mannes, der vor der Saison bei Klopp schon auf dem Abstellgleis stand: Nuri Sahin.

Die Kurve bekommen

In der letzten Saison war er "zur Weiterbildung" in der Eredivisie an Feyernoord Rotterdam ausgeliehen, in der Hinrunde spielte er nur einmal über 90 Minuten.

In den jüngsten sechs Spielen hat sich der junge Türke nun zur konstanten Größe im Dortmunder Mittelfeld entwickelt und erinnert mit seiner Spielweise immer mehr an Arsenals Mittelfeldstrategen Cesc Fabregas.

Und das, obwohl Klopp vor der Saison keine hohe Meinung von Sahin hatte: "Ich hätte wohl mein Veto nicht eingelegt, wenn Michael Zorc vor der Saison einen Abnehmer für Nuri gefunden hätte", sagte Klopp.

"Der Junge kann kicken"

Von den rein fußballerischen Qualitäten des jüngsten Torschützen der Bundesliga war zwar auch der Dortmunder Trainer überzeugt: "Dass der Junge kicken kann, das wussten wir."

Doch dem 20-Jährigen wurden schon von Klopps Vorgänger Thomas Doll der Biss und die Robustheit abgesprochen, um sich dauerhaft in der Bundesliga durchzusetzen.

Dominanter Mann im Mittelfeld

Gegen den KSC glänzte der türkische Nationalspieler im variablen Mittelfeld der Schwarz-Gelben nun zum wiederholten Mal. Er grätschte auf der Sechserposition, wenn der etatmäßige Chef Sebastian Kehl auf Offensiv-Ausflug war. Und er zirkelte in Vertretung von Spielmacher Tamas Hajnal auch viele Bälle in den KSC-Strafraum.

Dazu war der Linksfuß auch noch auf seiner Stammposition auf der linken Seite zu finden, wo er unter anderem mit einem mustergültigen 60-Meter-Pass quer über das gesamte Spielfeld auf seinen Teamkollegen Alexander Frei positiv auffiel.

Ein Freistoß für die schwarz-gelbe Seele

Mit dem Schweizer hatte der Jung-Borusse dann auch ein entscheidendes Gespräch, bevor er mit einem direkten Freistoß-Tor seiner Vorstellung die Krone aufsetzte (62.).

"Der Ball lag mehr auf der Position für einen Linken. Alex hat in der ersten Halbzeit schon zwei Freistoße genommen. Da hab ich ihn gefragt, ob er ihn mich schießen lässt. Er meinte nur: Ja klar, schieß ihn rein. Und das habe ich dann, Gott sei Dank, gemacht", sagte Sahin überglücklich nach dem Spiel.

Da zuvor schon Jakub Blaszczykowski (25.) und später Felipe Santana (71.) und Frei (80.) für den BVB trafen, war der Signal Iduna Park am Ende ein einziges Jubelmeer.

Kult-Trainer bringt die Würde zurück

Doch gewonnen hat der BVB mit der historischen Siegesserie zum jetzigen Zeitpunkt nur neues Renommee, das in den letzten Jahren stark gelitten hatte.

Klopp sagt dazu nur: "Wir haben uns auf diese Spur begeben, auch in dem Wissen, dass es vielleicht am Ende nichts dafür gibt."

"Es gibt einen besseren Zeitpunkt"

Der Gradmesser für die internationalen Ambitionen der Borussia wird das nächste Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg (DATENCENTER: Ergebnisse Tabellen). "Das wird schwer. Der VfL hat nach der Pleite in Stuttgart etwas gutzumachen", meint Sebastian Kehl.

Verstecken müssen sich die Schwarz-Gelben nach eigener Ansicht allerdings vor niemandem. "Vielleicht gibt es einen besseren Zeitpunkt, um gegen uns zu spielen", gibt sich auch Klopp selbstbewusst.

Ideenlose Schlusslichter

Für das geschlagene Schlusslicht aus Karlsruhe ist die kommende Partie gegen Hannover bereits der letzte Strohhalm. "Wenn wir am Dienstag gegen Hannover nicht gewinnen, ist vermutlich alles vorbei", sagte der sichtlich angefressene Manager Rolf Dohmen.

Trainer Edmund Becker konnte sich den fahlen Auftritt seiner Mannschaft nicht erklären: "Wir haben uns vorgenommen, auch in der Fremde zu punkten. Ich bin enttäuscht, wie wir uns präsentiert haben."

Wie die Kehrtwende in zwei Tagen vollzogen werden soll, wusste bei den Badenern noch niemand. "Das ist schwierig für uns alle. Wir brauchen jetzt wieder 24 Stunden, um die Niederlage zu verdauen", meinte Dohmen. "Und dann bereiten wir uns gezielt auf Hannover vor."

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