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Am 9.4. 2005 erzielte Ivan Klasnic im Nordderby den 2:1-Siegtreffer für Werder © getty

Ivan Klasnic war 2005 Werders Held im Nordderby. Zwei Jahre später erlebte der Stürmer seine ganz persönliche Heldengeschichte.

Von Nils Reschke

München - Spätestens beim Abschluss der Hinrunde 2006/07 sollte die Zahl "17" bei Werder Bremen eine ganz besondere Rolle spielen.

Gemeinsam mit den Fans nämlich feierten die Grün-Weißen schon am 17. Dezember Heiligabend.

Es war der 17. Spieltag, an dem sich Werder dank eines Last-Minute-Knallers von Naldo als inoffizieller Herbstmeister feiern lassen durfte. Eigentlich blieb dieser 2:1-Sieg gegen Wolfsburg ein ganz gewöhnliches Spiel. Nur für einen nicht.

Für den Angreifer mit der Rückennummer 17 sollte es lange Zeit das letzte Match sein. Und die "17", die trug bis zum Sommer 2008 der Mann, den an der Weser alle nur den "Killer" nannten: Ivan Klasnic.

Schreckensmeldung an der Weser

Entspannt also hätte Werder eigentlich ins neue Jahr gehen könne.

Käme da nicht die Schreckensmeldung, die nicht nur dem Bremer Anhang den Atem stocken ließ. Zunächst als scheinbar ganz alltäglicher Trainingsausfall "getarnt" kursierten AnfangJanuar rund um das Weserstadion schnell die übelsten Gerüchte ob einer ominösen Erkrankung Klasnics.

Aufklärung brachte erst eine Presseerklärung von Dr. K.-Peter Horndasch, dem Anwalt des Stürmers, der am 23. Januar 2007 das Schlimmste bestätigte: Ivan Klasnic müsse sich einer Nierenverpflanzung unterziehen.

Transplantation erst im zweiten Versuch erfolgreich

Werder reagierte geschockt: "Dies ist eine außergewöhnliche Situation, die uns alle sehr bewegt. Er kann sich jeglicher Unterstützung von unserer Seite gewiss sein", ließ Klaus Allofs verlauten.

Und der Manager sollte nicht irren. Ganz Fußball-Deutschland nahm Anteil am Schicksal des Werder-Stürmers. Ganz besonders die eigenen Fans, aus deren Ostkurve eine grün-weiße Wand aus Papptafeln prangte. Jede einzelne trug die "17".

Ivan Klasnic, der immer ganz besonders den Kontakt zu seinen Fans suchte, konnte auf deren Unterstützung zählen. Und er würde sie brauchen. Denn keine Woche später meldete sich Horndasch dann abermals zu Wort.

Es waren alles andere als erfreuliche Meldungen. Die notwendige Operation, die sich Ivan Klasnic am 25. Januar hatte unterziehen müssen, verlief nicht ohne Komplikationen. Die transplantierte Niere seiner Mutter sei bedauerlicherweise nicht vom Körper angenommen worden.

Als hätte das Schicksal Ivan Klasnic nicht schon genug mitgespielt, bedeutete diese Nachricht einen weiteren Rückschlag.

Erst am 23. März, eine Woche nach einer dieses Mal erfolgreichen OP, gab Familie Klasnic abermals über ihren Rechtsbeistand Entwarnung: Dieses Mal sei der Eingriff "im vollen Umfang" gelungen, die Niere seines Vaters angenommen worden.

Doch mit diesem Schritt begann die eigentliche Leidenszeit des Ivan Klasnic. Der "Killer" wollte, nein musste kämpfen. Kämpfen, damit der Traum Bundesliga kein jähes Ende finden würde.

"Der Weltstar spielt hier..."

Es wurde lange Zeit still um den Stürmer. Im Hintergrund ackerte Ivan Klasnic unermüdlich, immer wieder seine erste Einwechslung, seinen ersten Ballkontakt, sein Comeback vor Augen. Werder Bremen stand ihm zur Seite, verlängerte den Vertrag, der eigentlich im Sommer ausgelaufen wäre.

Aus diesem Anlass meldete sich nun Ivan Klasnic erstmals wieder zu Wort. Und seine beste Laune während der Pressekonferenz machte auch den Fans der Grün-Weißen Mut.

"Ich lese immer, dass Werder noch keinen Weltstar eingekauft hat, aber hier steht er. Ich bin nur noch nicht gesund", lachte der Angreifer in die Mikrofone.

Ernsthafter viel da schon sein Fragebogen aus, der wie von allen Profis im Werder-Magazin zum Saisonstart 2007/08 veröffentlicht wurde. Auf die Frage, was seine drei Wünsche für die kommenden zwölf Monate seien, antwortete er: "Gesundheit, Gesundheit, Gesundheit."

Die ersten Gehversuche

Am 27. September schnürte Ivan Klasnic kurz vor 15 Uhr dann wieder seine Fußballschuhe. Zum ersten Mal trainierte der 27-Jährige mit der Mannschaft. Eine Situation, mit der alle Beteiligten erst einmal lernen mussten umzugehen.

"Wir sind der Meinung, dass jetzt der Moment gekommen ist, an dem wir den Wunsch von Ivan akzeptieren können und mit ihm diesen Schritt wagen", meinte Klaus Allofs.

Die ersten Gehversuchen verliefen erfreulich positiv, ein Comeback nahm urplötzlich schneller als gedacht deutliche Konturen an ? und fand fast von der Öffentlichkeit unbemerkt statt.

Der "Killer" meldet sich zurück

Gerade einmal 1000 Zuschauer hatten sich an jenem Donnerstagabend, dem 25. Oktober 2007, beim Kreisligisten SF Wüsting-Altmoorhausen eingefunden. Ein Benefiz-Spiel gegen die Werder-Amateure stand auf dem Programm.

Soweit nichts Besonderes, wenn da nicht einer mit den Kameraden den Platz betrat, der dieses Gefühl zuletzt vor knapp zehn Monaten erlebt hatte. Ivan Klasnic, ausgestattet mit einem Nierenschutz, war wieder da.

Und wie! Beim 9:0-Sieg steuerte der Kroate gleich zwei Treffer bei, einmal per Kopf, ein weiteres Mal mit einem sensationellen Hackentrick. 45 Minuten hielt Klasnic durch, ehe es nur fünf Tage später zum offiziellen Comeback, seinem ersten Pflichtspiels kam.

Mit Bremens zweiter Mannschaft feierte Ivan Klasnic den Triumph im DFB-Pokal, warf Zweitligist St. Pauli aus dem Wettbewerb und leitete beide Treffer mustergültig ein. Nur ein Tor gelang ihm nicht.

"Das hatte ich meiner Tochter versprochen", meinte er später dennoch zufrieden. Töchterchen Fabianna Collene konnte diesen Umstand ebenso wie die Kollegen verschmerzen. Nicht nur Torwart und Pokalheld Nico Pellatz zeigte sich tief beeindruckt: "Dass er überhaupt wieder spielt, grenzt an ein Wunder. Er ist ein Weltklasse-Spieler."

Und mehr als das: Er war in Bremen der "Killer" mit der Trikotnummer 17.

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