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Ernüchterung und Ratlosigkeit: Der HSV droht am Ende mit leeren Händen dazustehen © getty

Katzenjammer nach der nächsten Derby-Demütigung gegen Werder Bremen: Der Hamburger SV verspielt im Saisonendspurt alles.

Von Tobias Schneider

Bremen/München - HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorf wollte der erneuten Demütigung gegen Bremen (zum Spielbericht) etwas Positives abgewinnen, irgendwas zumindest.

"Wenn man es positiv sehen will, haben wir zwei Spiele gewonnen, zwei verloren und eines unentschieden gespielt", so der 45-Jährige beim Blick auf die Saisonstatistik gegen den Nordrivalen (DATENCENTER: 31. Spieltag).

Ganz ernst gemeint war diese Aussage natürlich nicht, Beiersdorfer übte sich eher in Zweckoptimismus.

Der viel beschriebene "Derby-Wahnsinn" - für den HSV wurde er zum "Derby-Irrsinn" 103018(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags).

Spielverderber Bremen

Die Derby-Wochen gegen Bremen, sie werden den Hamburgern noch lange in den Köpfen umhergeistern.

Erst das Aus im DFB-Pokal, dann der Knockout im UEFA-Cup-Halbfinale und jetzt erweist sich Werder auch in der Liga als der große Spielverderber, der dem Rivalen nur zu gerne in die Suppe spuckt.

Seit dem zweiten Spieltag belegte der HSV ununterbrochen einen der ersten fünf Plätze, die zum internationalen Geschäft berechtigen. Das ist nun erst einmal vorbei.

Durch die Siegesserie des BVB sind die "Rothosen" aus den internationalen Rängen gepurzelt, rangieren punktgleich mit den Borussen auf Platz sechs.

Fiasko vor Augen

Platz sechs wäre für den HSV - nach einer weitgehend vielversprechenden und erfolgreichen Saison - das totale Fiasko.

Dessen ist sich Beiersdorfer bewusst: "Es wäre ein Rückschlag für uns, sollten wir nicht in den internationalen Wettbewerb kommen", meinte der 45-Jährige und kritisierte die abermals mangelhafte Offensivleistung.

"Uns hat in den Spielen der Killerinstinkt gefehlt. Das hatten uns die Bremer voraus." Wohl wahr.

Bremen trifft - Hamburg hadert

Während Werder-Stürmer Hugo Almeida zwei Konter jeweils mit einem Tor krönte, präsentierte sich der HSV in der Offensive dilletantisch.

"Das zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Wochen. Wir hatten in der ersten Halbzeit zwei Super-Chancen. Die muss man nutzen, sonst kann man hier nicht gewinnen", ärgerte sich HSV-Keeper Frank Rost.

Und das, obwohl mit Diego und Per Mertesacker zwei elementare Stützen im Werder-Spiel verletzungsbedingt passen mussten.

Obendrein half Martin Harnik als Rechtsverteidiger aus, der alles andere als sattelfeste Dusko Tosic verteidigte auf links - doch der HSV schlug daraus kein Kapital.

Mit fünf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Wolfsburg ist der HSV drei Spieltage vor Saisonschluss zwar nach wie vor in einer komfortablen Ausgangslage, von Vorfreude auf das Saisonfinale kann aber keine Rede sein.

Nach über 50 Saisonspielen sind die Beine schwer - körperlich wie moralisch geht Hamburg auf dem Zahnfleisch.

"Wir müssen schnell regenerieren und die Köpfe freibekommen", fordert daher Beiersdorfer.

Schmähgesänge auf den HSV

Während sich bei den Hamburgern Enttäuschung und Ernüchterung die Hand reichen, genießen die Bremer-Fans den momentanen Höhenflug - natürlich auf Kosten des HSV-Anhangs.

Ununterbrochen wurden die mitgereisten Anhänger mit Schmähgesängen überzogen, eine überdimensional große Papierkugel bahnte sich den Weg durch den Bremer Fanblock.

Trotz einer weitgehend verkorksten Bundesliga-Saison könnte Werder am Ende zwei Pokale in die Höhe recken. Wer vor der Partie dachte, Bremen würde sich nurmehr auf die Pokalwettbewerbe konzentrieren, wurde eines Besseren belehrt.

"Wir nehmen unsere Dinge ernst. Die Mannschaft hat die ganze Woche konsequent durchgezogen und sich mit einem Sieg für ein gutes Spiel belohnt. Es war schön anzusehen, wie die Mannschaft funktioniert hat", lobte Schaaf.

Schaafs' Jubiläum

Apropos Schaaf: Die vergangenen Tage wurde immer wieder mit dessen Engagement in Wolfsburg kokettiert. Schaaf, der vor genau zehn Jahren seinen Einstand auf der Werder-Bank gab 104062(DIASHOW: Werder im Herzen), hielt sich bedeckt, was die Gerüchte natürlich befeuerten.

Nun scheint aber klar zu sein: Mit den "Wölfen" wird es nichts.

"Er steht nicht im Fokus unserer Planungen", sagte VfL-Geschäftsführer Jürgen Marbach im "tagesspiegel".

Und auch Werder-Manager Klaus Allofs wurde nicht müde, den vermeintlichen Abgang des Erfolgscoaches gebetsmühlenartig zu dementieren: "Wir arbeiten seit zehn Jahren zusammen und das wird so bleiben."

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