Toni Schumacher sieht in seiner Sport1.de-Kolumne die Meisterschaft für Wolfsburg verloren. Schuld ist der Wechsel von Magath.

Die Bundesliga auf der Zielgeraden - und keiner weiß mehr Bescheid, wenn es um die Meisterschale geht.

Sicher ist für mich nach diesem Wochenende nur noch: Wolfsburg hat nur noch wenig Chancen und hat sich mit dem Theater um Felix Magath der größten Chance der Klubgeschichte beraubt.

Weil die Köpfe nicht frei sind und frei sein können, wenn nur vom Wechsel des Trainers gesprochen, geschrieben, gesendet wird.

Magath nach Schalke - diese Nachricht und die Hintergründe dieser Geschichte wirbeln den Fußball durcheinander und entscheiden den Titel. Da hilft auch kein Trainingslager im VW-Gästehaus in Königslutter mehr. Die Ruhe, die Kraft - nicht mehr da.

Selber schuld, lieber Felix, lieber VfL, liebe Schalker.

Denn eigentlich gilt: Wer vorne liegt, bestimmt das Spiel. Ein Meister-Trainer nimmt seine Mannschaft in die Pflicht: Totale Konzentration bis zum letzten Pfiff am 34. Spieltag. Familie, Freunde, Leben - alles muss ausgeblendet werden, wenn man die Nummer eins sein will.

So habe ich es gelernt und gelebt. Und nur so funktioniert Profi-Fußball - wenn man von Pokalen, Champions-League und Ruhm träumt.

Stattdessen haben im Kopf von Felix Meister-Magath andere Geister gespukt: Treffen auf einem Bauernhof, das Angebot von Clemens Tönnies, Planspiele mit Schalke, Austausch mit der Familie - soll man wechseln oder nicht? Diese Gedanken blockieren.

Klar, jetzt kommt die Parole: "Ich bin Profi, tue ALLES für den VfL."

NEIN. Weil es gar nicht möglich ist, wenn man seine eigene Zukunft plant und Verantwortung trägt. Wenn man mit einer Gehirnhälfte den Schalker Kader analysiert, wenn man Transfers abwägt, wenn man die Lebensumstände organisieren muss.

Man ist hin- und her gerissen, grübelt. Die Stimmung und Ausstrahlung verändert sich. Und das spüren die Spieler.

Hinzu kommt: Die öffentliche Bestätigung in der vergangenen Woche durch Magath und Schalke hat die Konzentration nochmals empfindlich gestört. Der Spieler-Kopf in Wolfsburg und Schalke tickt: "Habe ich es doch geahnt, gewusst."

Diese Ablenkung kostet den Titel - ohne wenn und aber. Und dieser Vorgang entlarvt das "Geschäft" Fußball: Wirklich geplant, strategisch aufgebaut ist nur ganz selten ein Schachzug. Wirtschaftliche Planungen werden im "Bauch getroffen", nicht immer im Kopf. Von jetzt auf gleich. Und dann wird die Pressekonferenz zur Märchenstunde.

Warum sich Herr Tönnies medienwirksam mit Oliver Kahn getroffen hat, bleibt sein Geheimnis. Egal wie auch immer heute dargestellt. Warum der Horst Heldt in Schalker Überlegungen öffentlich diskutiert wird - unclever.

Solche immens teuren und wichtigen Personalentscheidungen werden hinter verschlossenen Türen getroffen und erst dann zur Legende gebastelt, wenn die Saison gelaufen ist.

Doch der Name Magath geisterte schon vor Wochen "Auf Schalke" um die Arena, lanciert von Mitwissern. Sogar das Magazin "Spiegel" spekulierte schon am 6. März über Magath und Schalke. Fundiert, wie wir heute wissen.

Wolfsburg kriegt die Kurve nicht mehr. Genau aus diesem Grund.

Denn jetzt kommt auch noch ausgerechnet Dortmund, die Mannschaft der Stunde. Mit den wenigsten Niederlagen, der zweitbesten Abwehr. Und jeder Menge Selbstbewusstsein. Zumal der BVB selber noch in das internationale Business will. 104022(DIASHOW: Tops und Flops 31. Spieltag)

Die Konsequenz: Die Titelschlacht wird ein Dreikampf mit Bayern, Hertha und Stuttgart.

Hertha hat sich nach einer Krise wieder gefangen. Sonntag ist alles geklärt, denn in den nächsten 48 Stunden gibt es jede Menge Endspiele: Cottbus gegen Gladbach, Wolfsburg gegen Dortmund, Schalke gegen Stuttgart.

Die Bayern brechen jetzt nicht mehr von selbst ein, sondern müssen geschlagen werden. Vielleicht am letzten Spieltag - in München vom VfB.

Aber bescheid weiß bekanntlich sowieso niemand mehr.

Bis Donnerstag!Euer Toni Schumacher

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