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Louis van Gaal ist mit 181 Spielen der am längsten amtierende Alkmaar-Coach © getty

Das Pokerspiel um den Niederländer ist knallhart - und könnte für Bayern negativ enden. Alkmaar-Boss Scheringa ist stur.

Von Daniel Rathjen

München - "Es sieht gut aus", sagte Franz Beckenbauer noch am Sonntag.

Gemeint hatte der Präsident des FC Bayern die Chancen im Poker um Wunschtrainer Louis van Gaal.

Auch Manager Uli Hoeneß ist zuversichtlich. "Zwischen ihm und uns ist alles klar, mehr oder weniger", sagt er im "kicker".

Bei zwei Treffen wurden Laufzeit (zwei Jahre) und Finanzen geregelt.

Doch jetzt gibt es ein großes Problem. Denn AZ Alkmaar stellt sich quer und verhält sich hartnäckig.

"Dann kommt er nicht"

Die Freigabe ist absolut ungeklärt. "Wenn stimmt, was ich lese, kommt er nicht. Ich halte den Wechsel im Moment für sehr gefährdet", behauptet Hoeneß.

Alkmaar-Präsident Dirk Scheringa denkt nicht daran, den 57-Jährigen abzugeben.

Van Gaal müsse seinen noch bis Mitte 2010 laufenden Vertrag erfüllen, verlangt er.

Es ist klar: Scheringa will, wenn er den Erfolgstrainer schon gehen lassen muss, zumindest eine Ablösesumme von bis zu fünf Millionen Euro.

Die Bayern lehnen diese aber weiterhin strikt ab. "Bekommet er keine Freigabe, können wir nicht viel machen, dann müssen wir die Sache neu überdenken", merkt Hoeneß an.

Alkmaar-Boss kritisiert Bayern

Zudem kritisierte Scheringa in holländischen Medien, dass der FC Bayern bereits öffentlich über einen bevorstehenden Wechsel van Gaals rede, ohne mit AZ Alkmaar gesprochen zu haben.

"Bis zu diesem Moment weiß ich nichts von Bayern München und ich habe auch von van Gaal selbst nichts gehört", sagte Scheringa.

"Ich weiß aber wohl, dass ich mit einem Toptrainer in die Champions League will, und zwar mit Louis van Gaal. Deshalb bestehe ich darauf, dass er seinen Vertrag erfüllt."

Auf die Frage, ob Van Gaal sich nicht durch den Gewinn des Landesmeister-Titels mit AZ das Entgegenkommen des Klubvorstandes verdient habe, sagte Scheringa:

"Dafür hat er ein gutes Gehalt bekommen. Ich denke, sogar das beste Gehalt in den Niederlanden."

Keine Freigabe-Klausel

Die angebliche Freigabeklausel für den Erfolgscoach bestreitet der Vereinsboss: "Diese Absprache gibt es nicht."

Und weiter: "Er kann nur gehen, wenn er ein Angebot als Nationaltrainer von einer der fünf großen Fußballländern bekommt."

Beim FC Bayern habe man noch nicht begriffen, dass AZ Alkmaar Ambitionen in der Champions League habe und van Gaal daher behalten wolle.

Schließlich habe der Trainer im vorigen Jahr seinen Vertrag "bei vollem Verstand" bis Mitte 2010 verlängert.

In München planen die Verantwortlichen weiterhin fest mit dem ehemaligen niederländischen Nationalcoach und früheren Trainer des FC Barcelona als Nachfolger von Jürgen Klinsmann.

Van Gaal müsse mit Alkmaar regeln, wie er aus seinem laufenden Vertrag herauskomme, hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge am Wochenende erklärt.

Jonker und Hoek als Assistenten

Außer van Gaal sollen nauch Andries Jonker, derzeit Sportdirektor beim niederländischen Club Willem II Tillburg, und Torwart-Trainer Fans Hoek nach München wechseln.

Mit beiden hatte van Gaal bereits beim FC Barcelona zusammengearbeitet.

Zudem wolle er gerne seine Experten für Video-Auswertung, Max Reckers und Kees Verver, vom AZ Alkmaar mitnehmen.

Doch Scheringa bleibt stur. Die Bayern-Vertreter bekämen "eine Tasse Kaffee und dann werde ich ihnen sagen, dass van Gaal einen Vertrag bis 2010 bei uns hat".

Doch so langsam drängt die Personalie. Vom neuen Trainer "und ob wir die Champions League erreichen" hängen beim FC Bayern alle weiteren Personalentscheidungen ab.

Interesse an Diego, Hleb und Gomez?

Allerdings sei in diesem Jahr in Bezug auf Transfers "alles möglich, es kann noch einige Überraschungen geben".

Spekuliert wurde in den vergangenen Tagen immer wieder über einen Wechsel von Bremens Spielmacher Diego, zudem wurde Alexander Hleb vom FC Barcelona mit den Bayern in Verbindung gebracht.

Selbst Stuttgarts Torjäger Mario Gomez soll trotz einer Ablöse von 35 Millionen Euro wieder auf der Wunschliste stehen.

Gesucht wird auf jeden Fall noch ein Rechtsverteidiger, eventuell auch ein Torwart. Vielleicht auch wieder ein Trainer?

Dass Interimstrainer Jupp Heynckes auch über die Saison hinaus bleibt, ist nahezu ausgeschlossen. "Meine Mission ist nach vier Wochen zu Ende", stellt die Aushilfe klar.

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