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Jupp Heynckes wurde mit dem FC Bayern zweimal Deutscher Meister © imago

Jupp Heynckes bekräftigt: "Ich bleibe nur vier Wochen." Gegen Bayer Leverkusen will er nicht "offen Holland" spielen.

Über den FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Er ist ruhig und entspannt.

Angesichts des Nerven zerreißenden Meisterkampfs ist Jupp Heynckes fast schon zu relaxt.

Doch der Interimstrainer des FC Bayern strahlt gleichzeitig Sicherheit aus.

Und damit hat er im Kontrast zu seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann einen entscheidenden Vorteil: Er kommt an bei der Mannschaft.

Er spricht auch nicht von "One-touch-football".

Stattdessen kündigt Heynckes beim Pressetalk an der Säbener Straße an, am Dienstag gegen Bayer Leverkusen (ab 19.30 Uhr LIVE) nicht kopflos nach vorne stürmen zu wollen.

"Wir werden sicherlich nicht offen Holland spielen", stellt der 64-Jährige in seiner ihm eigenen Art klar.

Nur 15 Tage nach dem Rausschmiss von Klinsmann könnte der deutsche Rekordmeister in dieser Saison erstmals die Tabellenführung erobern (Der Sport1.de-Tabellenrechner).

Magere zwei Treffer liegen die Bayern in der Tordifferenz hinter den Wolfsburgern zurück, die am Dienstagabend zeitgleich gegen Borussia Dortmund eine schwere Heim-Aufgabe lösen müssen.

Kein "M-Wort"

Allerdings vermeidet Heynckes weiterhin jedes Gerede vom Meistertitel: "Es nützt uns nichts, irgendetwas hinauszuposaunen", warnt er.

Der packende Vierkampf um die "Salatschüssel" mit Wolfsburg, Hertha BSC und dem VfB Stuttgart berge aber auch Gefahren, sagt Heynckes: "Wer ein Spiel verliert, spielt wohl schon nächste Saison im UEFA-Cup."

Heynckes spricht bedächtig, bemüht sich, die Sätze druckreif zu formulieren und ist ehrlich.

Wohlwissend, dass er in seinen vier Wochen als Bayern-Trainer ohnehin klar strukturiert arbeiten muss.

Bessere Stimmung

In der Mannschaft herrscht immerhin wieder "Aufbruchstimmung", wie Keeper Jörg Butt bemerkt.

"Er gibt uns klare Vorgaben. Aufgrund seiner Erfahrung sieht er viele Dinge und weiß sofort, was zu machen ist", erklärt er.

Heynckes sieht nach der Hälfte seiner zweiten Amtszeit in München bereits "eine außergewöhnliche Entwicklung" des zuvor völlig verunsichert wirkenden Teams.

Die Chancen auf die Meisterfeier auf dem Marienplatz in diesem Jahr sind mit dem "Feuerwehrmann" wieder gestiegen.

Lederhose im Schrank

Für den Fall der Fälle hat Heynckes, der die Bayern bereits 1989 und 1990 zum Titel führte, auch noch die Lederhose daheim im Schrank hängen.

"Passen würde sie auf jeden Fall noch. Sie ist mir eher zu weit, scheinbar bin ich im Laufe der Zeit schlanker geworden", schmunzelt er.

Eigentlich hatte Heynckes bereits mit seiner Karriere als Trainer abgeschlossen. Jetzt hat er wieder Spaß daran.

Dass er aber über die Saison hinaus Coach des FC Bayern bleibt, sollte die Verpflichtung von Louis van Gaal tatsächlich scheitern (Der Deal droht zu platzen), scheint jedoch ausgeschlossen.

"Ich mache hier nur vier Wochen. Ich bin nicht traurig, wenn die Sache hier vorbei ist", sagt er.

Und mit einem Augenzwinkern fügt er an: "Außerdem vermisse ich meinen Hund und er mich. Wir gehen normalerweise zweimal am Tag spazieren und spielen miteinander. Jeder, der ein Haustier hat, kann die Sehnsucht sicherlich nachvollziehen."

Sehnsucht nach "Cando"

Wenn Manager Uli Hoeneß seinen Kumpel tatsächlich noch zum Weitermachen überreden wollen würde, müsste er also auch Schäferhund "Cando" von einem Wohnortwechsel überzeugen.

Noch muss er auf dem restaurierten Bauernhof "Casa de los Gatos" ("Haus der Katzen") mit 5000 Quadratmetern Gründstück in Schwalmtal am Niederrhein samt Iris Heynckes auf die Rückkehr des Herrchens warten.

Klose auf der Bank

Gegen Leverkusen setzt der Trainer von Beginn an auf Franck Ribery.

Miroslav Klose wird dagegen zunächst auf der Bank Platz nehmen müssen.

"Miro ist schon ungeduldig", sagte Heynckes, "aber ich möchte im Moment vorne nicht wechseln."

Toni und Podolski gehen auf Torjagd. Da Massimo Oddo angeschlagen ist, dürfte Hamit Altintop rechts hinten beginnen, der wiedergenesene Ze Roberto sitzt wohl auf der Bank.

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