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Sport1.de trifft den "Tiger": Stefan Effenberg (l.) mit Redakteur Daniel Rathjen © SPORT1

Schonungslose Abrechnung im Interview mit Sport1.de: Stefan Effenberg zählt die Fehler des ehemaligen Bayern-Trainers auf.

Von Daniel Rathjen

München - Sein Wort hat immer noch Gewicht.

Stefan Effenberg steht für Siegermentalität, Erfolg und starken Willen und wird in einem Atemzug mit weiteren Legenden wie Oliver Kahn genannt 50913(DIASHOW: Die Typen der Bundesliga).

Der "Tiger" ist zwar momentan im Profifußball in keiner offiziellen Position tätig, doch als Experte ist seine Meinung enorm gefragt.

Und nicht wenige Fans des FC Bayern hätten sich in dieser durchwachsenen Saison wohl einen Effenberg in Bestform gewünscht (Der Sport1.de-Tabellenrechner).

Mit "Effe" als Kapitän erlebte der deutsche Rekordmeister seine erfolgreichste Zeit, gewann unter anderem 2001 die Champions League und den Weltpokal.

Sport1.de traf den 40-Jährigen in seiner repräsentativen Rolle als "Ford Champion" am Rande einer Talkrunde in Rosenheim.

Im ausführlichen Interview (DAS VIDEO) zieht der charismatische Blondschopf eine interessante Bilanz von Jürgen Klinsmanns Ära in München.

Sport1.de: Herr Effenberg, Sie wohnen in München, Sie identifizieren sich mit dem FC Bayern, Sie haben eine erfolgreiche Ära mitgeprägt. Wären Sie an der Stelle der Vereinsführung das Risiko mit Jürgen Klinsmann eingegangen?

Stefan Effenberg: Mich hat es zuerst einmal überrascht, dass Klinsmann Trainer wurde. Dann war ich der Meinung, man solle ihm die Chance doch geben. Und dann war ich überrascht, dass er so schnell wieder gefeuert wurde.

Sport1.de: War die Entscheidung denn richtig?

Effenberg: Es ist nicht alles eingetreten, was erwartet wurde - und dann muss man die Reißleine ziehen. Ich denke, das war eine Erfahrung für den Verein, wenn auch keine gute. Egal wen sie jetzt als Trainer holen, der nächste Schuss muss sitzen.

Sport1.de: Klinsmann und Bayern, warum hat das letztlich nicht funktioniert?

Effenberg: Es gab natürlich von Anfang an viele Probleme. Über Sepp Maier und Oliver Kahn bis zu Mark van Bommel, den er zum Kapitän gemacht hat, dann aber auf die Bank gesetzt hat. Auch Michael Rensing musste auf die Bank, obwohl er ursprünglich der beste Torwart Deutschlands werden sollte. Das sind alles hausgemachte Probleme, Baustellen, die er nicht mehr zubekommen hat.

Sport1.de: Hat er damit die Mannschaft gegen sich aufgebracht?

Effenberg: Ja. Und wenn die Mannschaft dir als Trainer nicht mehr folgt, dann kannst du die Uhr danach stellen, wann es vorbei ist. Natürlich muss man vor allem die Ergebnisse holen. Wenn man als FC Bayern überall hinterherläuft, im Pokal ausscheidet, in der Liga nicht einmal Tabellenführer ist, sang- und klanglos in der Champions-League ausscheidet, dann war der Rausschmiss die logische Konsequenz.

Sport1.de: Jürgen Klinsmanns Credo war, jeden Tag, jeden Spieler ein Stück weit besser zu machen. Hätte er diese Aussage besser nicht getätigt?

Effenberg: Vielleicht hätte er es nicht sagen, sondern einfach machen sollen. Man kann auch nicht eine Gruppenphase in der Champions-League schön reden, dafür bekommt man keinen Pokal. Abgerechnet wird zum Schluss, das ist die entscheidende Phase.

Sport1.de: Würden sie vielleicht sogar behaupten, die Spieler sind sogar ein Stück schlechter geworden?

Effenberg: Nein. Die Spieler haben eine gewisse Qualität und die verlieren sie nicht einfach. Sie gehen vielleicht nicht mehr an ihre Grenze oder holen das Optimum aus sich heraus. Wenn dann die Mannschaft einem Trainer nicht mehr folgt und man liegt zurück, wird man den Aufwand nicht mehr betreiben, das Spiel zu drehen. So verrückt ist Fußball.

Sport1.de: Hat Klinsmann denn auch etwas gut gemacht?

Effenberg: Vom Leistungszentrum wird der FC Bayern in den nächsten Jahren profitieren. Das ist schon einmalig in Europa, keine Frage. Bezogen auf die Mannschaft gab es aber einfach zu viele Probleme, zu viele Gräben. Man sieht nun, wie sie auf den Trainerwechsel reagiert. Die Spieler sind erleichtert, dass Klinsmann weg ist.

Sport1.de: War es dann letztlich die Mannschaft, die ihn gestürzt hat?

Effenberg: Ich weiß nicht, ob eine Mannschaft wirklich einen Trainer stürzen kann. Sie kann aber einiges dafür tun, indem sie nicht mehr bereit ist, das Optimum aus sich heraus zu holen.

Sport1.de: Diesen Eindruck hatten Sie dann letztlich?

Effenberg: Den Eindruck kann man haben, ja. Aber die Verantwortlichen sind natürlich diejenigen, die die Entscheidungen treffen. Mit Sicherheit wird der eine oder andere Spieler gehört haben, was vor sich geht und dass es gewisse Risse gab.

Welchen Rat gibt "Effe" dem degradierten Keeper Michael Rensing? Welcher Trainer passt am besten zum FC Bayern? Und was bringt Jupp Heynckes wirklich?

JETZT WEITERLESEN!: Hier geht es zum zweiten Teil!

DAS INTERVIEW ALS VIDEO: Teil I | Teil II

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