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Stefan Effenberg (l.) gewann mit dem FC Bayern 2001 die Champions League © getty

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews redet Stefan Effenberg über Michael Rensing, Jupp Heynckes und Bayerns Perspektiven.

Von Daniel Rathjen

Sport1.de: Herr Effenberg, auch Sie waren Kapitän des FC Bayern. Inwiefern hätte das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Trainer gelitten, wenn er Sie - wie Mark van Bommel - auf die Bank gesetzt hätte?

Effenberg: Ein Trainer kann nicht vor der Saison einen Spieler zum Kapitän machen, der sein verlängerter Arm ist, und dann setzt er ihn auf die Bank. Das ist unmöglich. So etwas wäre Ottmar Hitzfeld nie passiert. Wenn er jemanden zum Kapitän macht, dann muss derjenige auch auf dem Platz stehen. Immer. Das war ein Fehler von Klinsmann, der völlig unnötig war.

Sport1.de: Eine große Baustelle ist auch die Position des Torhüters. Rensing wurde degradiert, Jörg Butt befördert. Was sollte Rensing jetzt tun?

Effenberg: Wechseln. Wenn man von Sepp Maier jahrelang trainiert wird, hinter Oliver Kahn die Nummer zwei ist, kann man gar nicht mehr lernen. Rensing ist schon mal an der einen oder anderen Flanke vorbeigeflogen, auf der anderen Seite hat er aber auch keine sichere Abwehr vor sich gehabt. Er war die ärmste Sau da hinten im Tor.

Sport1.de: Warum wurde trotzdem an ihm gezweifelt?

Effenberg: Das Problem war, dass er keine Spiele für den Verein gewonnen hat. Das müssen ausgezeichnete Torhüter aber machen. Diese Qualität hat er noch nicht gezeigt. Aber ihn dann auf die Bank zusetzen, wegzurasieren, das ist eine Katastrophe für seine Entwicklung. Wenn Uli Hoeneß jetzt sagt, er habe sich das alles anders vorgestellt, dann muss Rensing weg. Er hat sich ja auch klar und deutlich geäußert, die Nummer zwei werde er nicht mehr. Und das ist auch richtig.

Sport1.de: Van Gaal soll den Verein jetzt übernehmen. Spiegelt der Ruf nach einem Routinier die Sehnsucht nach Ottmar Hitzfeld wider?

Effenberg: Das glaube ich schon. Mit Hitzfeld hat man große Zeiten erlebt, große Erfolge gefeiert. Es ist jedoch für mich eine Alibi-Aussage, man brauche jetzt einen älteren Trainer, einen 60-Jährigen oder 80-Jährigen. Es gibt auch viele gute und junge Trainer - zum Beispiel Guardiola in Barcelona. Ich denke aber, dass für die Mannschaft des FC Bayern ein älterer, erfahrener Trainer besser ist, weil die Mannschaft das braucht.

Sport1.de: Als Interimslösung ist jetzt Jupp Heynckes tätig. Kann ein neuer Trainer so kurz vor Saisonende tatsächlich Schwung erzeugen?

Effenberg: Es ist die einzige Hoffnung, dass abgeschnitten wird, was war und der eine oder andere auch noch mal die Möglichkeit hat, wieder aufgestellt und Stammspieler zu werden - wie Lukas Podolski. Das erfrischt dann schon. Aber es wird jetzt in den letzten Spielen nichts Großes mehr bringen. Man muss die Ehre der Spieler packen: Man muss ihnen klar machen, dass sie noch deutscher Meister werden können, obwohl sie eine schlechte Saison gespielt haben.

Sport1.de: Jupp Heynckes lässt mit einem "echten Zehner" spielen. Wie bewerten Sie diesen Schritt in dieser Situation?

Effenberg: Das ist Jupp Heynckes' ganz altes System. Ich finde es nicht verkehrt, allerdings würde ich nicht Ze Roberto in den offensiven, zentralen Bereich stellen. Da sehe ich eher Bastian Schweinsteiger. Aber das ist Heynckes' Entscheidung. Sie reden davon, nur die Champions-League-Qualifikation erreichen zu wollen, aber ich glaube, dass sie im Hinterkopf doch noch die Meisterschaft haben.

Sport1.de: Sie sprechen Bastian Schweinsteiger an. Müssen er oder auch Philipp Lahm noch steigern?

Effenberg: Die Qualitäten sind bei ihm ja vorhanden, das hat er in Spielen mit der Nationalmannschaft oft genug gezeigt. Bei Bayern München hingegen waren die letzten Jahre international nicht erfolgreich. Da kann ich von solchen Spielern mehr erwarten. Sie müssen halt nicht nur reden, sondern auch Leistung zeigen und konstanter werden.

Sport1.de: Lukas Podolski ist beim FC Bayern gescheitert. Ist für ihn die Rückkehr nach Köln ein Rückschritt?

Effenberg: Wenn man bei Bayern München die Möglichkeit hat zu spielen, dann aber auf der Bank sitzt, ist das natürlich nicht wirklich erfolgreich. Mit dem Wechsel zum 1. FC Köln wird der Druck natürlich enorm. Der Verein hat sich in der Bundesliga gehalten, jetzt wollen sie mit Podolski den nächsten Schritt machen. Da bin ich mal gespannt, ob er dem Druck standhält.

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