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Lukas Podolski (l.) und Luca Toni waren gegen Bayer nicht immer einer Meinung © getty

Der Kampf um die Schale spitzt sich zu. In den letzten 180 Minuten der Saison geht es um jedes Tor. Doch Bayern vergibt zu viele Chancen.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Da ein ungenauer Pass, hier ein verstolperter Ball.

Und Luca Toni rutscht wieder an der Flanke vorbei. Uli Hoeneß raufte sich auf der Bayern-Bank die verbliebenen Haare.

Er weiß: Jede vergebene Chance kostet Geld. Viel Geld.

"Ungefähr fünf bis zehn Millionen Euro", rechnete er nach dem 3:0 (0:0) gegen Bayer Leverkusen in den Katakomben der Allianz Arena geduldig vor.

So viel könne man als Meister in der Champions League mehr verdienen. "Wir müssen uns auf jeden Fall für die Königsklasse qualifizieren", forderte er noch mal vehement.

Aus sicheren Quellen sickerte durch: Wird der FC Bayern Meister, wird noch einmal richtig investiert, um neben Diego weitere Stars an die Isar zu locken. Mit dem brasilianischen Spielmacher soll sich der deutsche Rekordmeister trotz aller am Dienstag herrschenden Verwirrungen bereits einig sein.

Der 24-Jährige soll in Kürze einen Vier-Jahres-Vertrag unterschreiben. Juventus sei endgültig aus dem Rennen, berichtet die "Bild".(zum Artikel: Juve oder Bayern?)

Stattliche Ablöse wird fällig

Die Bayern müssen sich jetzt noch mit Werder über die Höhe der Ablösesumme einigen. Die liegt für Diego (Vertrag in Bremen bis 2011) bei stolzen 25 Millionen Euro. Diego kommt auch, weil Wunschtrainer Louis van Gaal ihn unbedingt verpflichten möchte.

Mittlerweile zeichnet sich immer mehr ab, dass der Niederländer tatsächlich nach München wechselt. "Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen Vollzug melden können", kündigte Hoeneß an.

Das fahrlässige Umgehen mit den Chancen könnte sich am Saisonende trotzdem rächen. Toni und Co. würden damit hadern, dass sie es bereits gegen wehrlose Leverkusener verpasst haben, ihr Torverhältnis meisterschaftsreif zu gestalten.

Hoeneß kritisiert Chancenverwertung

"Die Mannschaft war in der ersten Halbzeit nervös, auch, weil der Druck langsam steigt. Danach hätten wir sechs bis acht Tore schießen müssen", kritisierte Hoeneß.

Nun trennen die Bayern immer noch drei Tore von der Tabellenführung. Der dramatische Titelkampf spitzt sich zu. 63, 63, 62 - so lautet der Punktestand der ersten drei Teams VfL Wolfsburg, FC Bayern und Hertha BSC.

Aber noch sind zwei Spiele Zeit. Und der Manager glaubt sowieso, "dass die Meisterschaft nicht durch die Tordifferenz entschieden wird": "Irgendjemand wird patzen, keine Sorge."

"Wir sind im Aufwind"

Unter Heynckes ist die Zuversicht zurückgekehrt, dass das nicht die Bayern sein werden. "Wir sind im Aufwind, ich bin zuversichtlich, dass wir auch in Hoffenheim gewinnen. Alles ist möglich", sagte der Interimstrainer.

Auch der 64-Jährige hat jedoch bemerkt, dass sein Team erhebliche Defizite beim Verwerten der Möglichkeiten offenbarte.

"Ich muss jetzt den Killerinstinkt wecken. Wir müssen kurzfristig lernen, unsere Chancen besser zu nutzen. Das ist momentan das einzige Manko", weiß er. Nur lobende Worte fand Heynckes dagegen für Lukas Podolski.

Der "Prinz", der unter der Regie von Jürgen Klinsmann den Spaß am Fußball verloren hatte, blüht unter dem neuen Trainer auf. "Er hat mich zum dritten Mal von Beginn an spielen lassen, dieses Vertrauen zahle ich nun zurück", sagte er zu seiner besten Saisonleistung.

Podolski wird Mann des Abends

Mit Vorlagen zum befreienden 1:0 durch Toni (47. Minute) und 2:0 durch Franck Ribery brillierte er, mit seinem Tor zum 3:0 (71.) wurde der Linksfuß endgültig zum Matchwinner.

"Wir haben uns in den letzten Wochen als Mannschaft sehr gut entwickelt, das sieht man auf dem Platz", hat "Poldi" beobachtet.

In der ersten Halbzeit hatten die Bayern allerdings auch sehr viel Glück, dass Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer gleich zweimal (5., 16.) nach Fouls von Daniel van Buyten und Martin Demichelis an Renato Augusto nicht Elfmeter pfiff.

Tonis Tor macht die Beine flott

Leverkusens Konter überforderten in dieser Phase die Bayern, deren Rückwärtsbewegung war mangelhaft. "Wir standen viel zu weit weg von den Leuten und waren zu unflexibel im Spielaufbau", merkte Heynckes an.

Erst nach Tonis Tor zeigten die Hausherren gegen plötzlich erschreckend schwache Leverkusener die nötige Entschlossenheit und spielten sich Chancen heraus. "Wir haben sehr gut angefangen - das 0:1 hat uns aus dem Konzept gebracht, wir hatten dann zu einfache Ballverluste", analysierte Bayern-Leihgabe Toni Kroos.

Am Samstag treten die Bayern nun bei 1899 Hoffenheim an, ehe eine Woche später der VfB Stuttgart zum möglichen Finale um die Meisterschaft nach München kommt.

"Wir haben immer noch vier Teams, die Meister werden können - aber alle auch im UEFA Cup landen können. Wir schauen nur von Spiel zu Spiel, mit allem anderen belasten wir uns nicht", gibt Heynckes als Marschroute vor.

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