Die Meisterschaft ist so offen wie selten. Doch wie wirkt sich Bayerns Verpflichtung von Louis van Gaal auf den Titelkampf aus?

Ist doch herrlich zwei Spieltage vor Saison-Schluss:

Während in Spanien (Barca) und Italien (Inter) die Meister praktisch seit Wochen feststehen, entbrennt der Titelkampf hierzulande heftiger denn je.

Wolfsburg an der Spitze, die punktgleichen Bayern dahinter im Nacken - und auch Stuttgart und Hertha mischen noch immer mit im Fernduell um die Schale.

Fan, was willst Du mehr? Und obendrein herrscht in der Abstiegsfrage genauso viel Spannung?

[image id="f938f499-65eb-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Zugegeben: Das Restprogramm spricht für die "Wölfe". Zumal sie gegenüber den Bayern nicht nur das bessere Torverhältnis vorweisen, sondern auch mehr Treffer auf der Habenseite.

Und trotzdem dünkt es einen, dass die Münchner (wie schon so oft in der Vergangenheit) im Herzschlag-Finale doch die Nase ganz vorn haben werden. Schon die Vier-Wochen-Trainer-Interimslösung Jupp Heynckes hat neue Kräfte freigesetzt.

Eine spannende Frage bleibt, wie die Spieler reagieren, da nun klar ist, dass Louis van Gaal als dauerhafter Klinsmann-Nachfolger anrückt.

Ob den darüber jubilierenden Bayern mit dem Niederländer - wenngleich definitiv der gewünschte Fußball-Lehrer - mittel- bis langfristig der große Wurf gelingt, darf angezweifelt werden.

Was für den 57-Jährigen spricht: Anders als der taktisch, didaktisch wie autoritativ überforderte Klinsmann gilt van Gaal in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer als Fußball-Konzept-Verfechter.

Getreu dem Glauben: Wer das Trainer-Handwerk bei Ajax Amsterdam erlernt hat, sollte per se attraktives Offensivspiel praktizieren.

Bei genauerem Hinsehen jedoch ist van Gaals großer Glanz verblasst: Der Champions-League-Gewinn mit Ajax liegt mittlerweile 14 Jahre zurück.

Mit einem Provinz-Klub wie AZ Alkmaar dem Establishment um Ajax, PSV Eindhoven und Feyenoord Rotterdam jüngst die Meisterschaft in der Ehrendivision weggeschnappt zu haben, zeugt zwar davon, dass es van Gaal prinzipiell noch kann.

Und an den Bayern reizt ihn sicher die Möglichkeit, seinem Lebenslauf weitere Titel und Erfolge hinzuzufügen. Ob er die hochgesteckten Bayern-Ziele allerdings realisiert, erscheint fraglich.

Denn nach den ganz großen Triumphen, die er in den 90ern auch zweimal mit Barcelona feierte, setzte van Gaal seine Comeback-Versuche als Bondscoach, Trainer und Technischer Direktor in den Sand und erarbeitete sich so den zweifelhaften Ruf, Großklubs nicht mehr vermittelbar zu sein.

Eine Risikoverpflichtung für die Bayern ist van Gaal zudem wegen seines gestörten Verhältnisses zu den Medien - was in der Boulevard-Hochburg München problematisch sein dürfte.

Nicht zuletzt ist kaum vorstellbar, dass van Gaal beim Rekordmeister die Zeit bekommt, der es bedarf, ein europäisches Topteam zu formen, das imstande ist, die Königsklasse zu gewinnen.

Der schnelle Fall von Klinsmann legt das Gegenteil nahe und macht die Abhängigkeit von Ergebnissen und schnellen Erfolgen überdeutlich.

Sonst ist es mit der Herrlichkeit an der Säbener Straße ganz schnell wieder vorbei.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel