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Alles Flehen von Nikos Liberopoulos (l.) blieb unerhört: Frankfurt muss zittern © getty

Die Kritik der Fans an Funkel nimmt nach dem Debakel der Eintracht gegen Bremen weiter zu, denn Frankfurt muss weiter zittern.

Frankfurt/Main - Nach der höchsten Heimniederlage seit 18 Jahren versammelten sich die Fans von Eintracht Frankfurt vor der Haupttribüne und ließen ihrem Frust freien Lauf.

Einem "wir haben bezahlt und werden verarscht" folgten aus Tausenden von Kehlen unerbittliche "Funkel-raus-Rufe".

Der schwarze Mob tobte, und Coach Friedhelm Funkel war einmal mehr der Sündenbock.

Hellmann zeigt Verständnis

"So sieht Abstiegskampf nicht aus! Das ist die absolut falsche Darstellung nach außen, das akzeptiert kein Fan", sagte Frankfurts Vizepräsident Axel Hellmann nach dem 0:5 (0:0)-Debakel gegen Werder Bremen am Mittwochabend und zeigte Verständnis für die Reaktion der Anhänger.

Dass Funkel in dem Brasilianer Caio den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte einmal mehr auf die Tribüne verbannt hatte, steigerte den Frust der Fans zudem ins Unermessliche.

Klassenerhalt noch nicht sicher

Damit kann es für die Eintracht und auch für den umstrittenen Funkel im Abstiegskampf noch einmal richtig eng werden. Am kommenden Samstag müssen die Hessen zum Mitkonkurrenten VfL Bochum.

Bei einer erneuten Pleite und einem gleichzeitigen Sieg von Arminia Bielefeld bei Borussia Dortmund würde bei den Frankfurtern das Zittern noch einmal so richtig beginnen. Dann könnte die Arminia am 34. Spieltag die Frankfurter im Fernduell doch noch in die Relegation schicken.

Denn die Eintracht spielt zum Abschluss der Saison zu Hause gegen den noch ambitionierten Hamburger SV.

Schlechte Erinnerungen an den HSV

Und die Hanseaten machten nicht nur den letzten Frankfurter Abstieg aus der Bundesliga im Jahr 2004 perfekt. Am 13. April 1991 gewann der HSV bei der Eintracht mit 6:0 und hatte damit vor dem 0:5 gegen Bremen am Mittwoch für die höchste Heimniederlage in den letzten Jahrzehnten gesorgt.

Doch an das Horror-Szenario Abstieg verschwendet die sportliche Führung der Frankfurter keinen Gedanken.

Ein Spiel Sperre für Ochs

"Wir werden in den letzten Spielen noch punkten. Wir spielen auch im nächsten Jahr in der Bundesliga", meinte Funkel, der mit der Forderung, Rechtsverteidiger Patrick Ochs müsse unbedingt an der Asien-Reise der Nationalmannschaft teilnehmen, ein Eigentor schoss.

Denn Ochs leitete mit einem Foul am starken Bremer Mesut Özil im Frankfurter Strafraum und seinem daraus resultierenden Platzverweis (50.) den Untergang der Eintracht im zweiten Durchgang ein. Ochs, der vom DFB-Sportgericht für ein Spiel gesperrt wurde, verließ daraufhin wortlos das Stadion.

Ein deprimierendes Spiel

Über Ochs wollte keiner der Frankfurter Verantwortlichen den Stab brechen, doch das 0:10 aus den beiden Spielen gegen Bremen in dieser Saison schlug auch Vorstandsboss Heribert Bruchhagen auf den Magen.

"Unser Spiel war sehr deprimierend. Am Klassenerhalt habe ich seit unserem Sieg gegen Gladbach nicht gezweifelt, aber das ist kein Trost. Ich habe andere Erwartungen", sagte der 60-Jährige.

Werder in Gala-Form

Während bei der Eintracht nun wieder gezittert wird, darf sich Werder über einen geglückte Probelauf für das Finale im UEFA-Cup gegen Schachtjor Donezk am kommenden Mittwoch in Istanbul freuen.

Denn auch ohne den wohl zu Italiens Rekordmeister Juventus Turin wechselnden Spielmacher Diego (Nur Allofs kennt die Wahrheit) und die verletzten Innenverteidiger Per Mertesacker und Naldo präsentierten sich die Bremer vor 51.400 Zuschauern in Frankfurt in Gala-Form und beendeten die Negativ-Serie von zwölf Auswärtsspielen in der Bundesliga ohne Sieg.

Funktionieren auch ohne Diego

Vor allem traten die Bremer den Beweis an, dass sie auch ohne Diego glänzend Fußball spielen können. "Diego ist eine Facette des Spiels, aber man hat gesehen, dass wir auch ohne ihn funktionieren", sagte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs.

Im Mittelfeld überzeugten insbesondere Doppeltorschütze Torsten Frings (51./56.) sowie Mesut Özil, der drei der fünf Treffer vorbereitete.

Mit ihren Treffern tankten zudem Alexandros Tziolis (60.), Claudio Pizarro (62.) und Hugo Almeida (77.) Selbstvertrauen für das erste Cup-Finale in Istanbul.

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