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Thomas Hitzlsperger (2. v. r.) hat in dieser Saison schon zehn Scorerpunkte gesammelt © getty

Gomez fehlt, doch auch ohne ihn legt der VfB die Zurückhaltung ab, spricht offen über die Meisterschaft. Lehmann stänkert gegen Bayern.

Gelsenkirchen - Als die Rückkehr auf die internationale Bühne so gut wie sicher war, legten sie beim VfB Stuttgart alle Zurückhaltung ab.

"Jetzt beginnt eigentlich die Saison, jetzt wird's interessant", sagte Torhüter Jens Lehmann nach dem 2:1 (1:1)-Sieg bei seinem Ex-Klub Schalke 04.

Bei nur zwei Punkten Rückstand auf Spitzenreiter VfL Wolfsburg zwei Runden vor Schluss blickt der Keeper nun nach ganz oben: "Bisher war es ein zähes Herantasten, jetzt geht es für uns los."

Zwei Jahre nach dem überraschenden Titelgewinn, als die Schwaben im Schlussspurt die Königsblauen noch überholten, ist das Thema Meisterschaft wieder aktuell.

Lehmann wettert gegen die Bayern

Allerdings: Via "Bild" machte Lehmann auch einmal mehr mächtig Stunk gegen die einen Rang besser stehenden Bayern, bei denen die Schwaben pikanterweise am letzten Spieltag ihre Visitenkarte abgeben.

"Die Bayern bekommen so manche Schiedsrichter-Entscheidung zu ihren Gunsten ausgelegt, die gegen uns gepfiffen wird", so der 39-Jährige. "Wir könnten sechs Punkte mehr haben."

Aufreger um ausgebliebene Elfmeterpfiffe

Anlass für Lehmanns Unmut ist der 3:0-Sieg der Bayern über Leverkusen: In dem Match waren der Werkself zwei klare Elfmeter verweigert worden.

Der Keeper weiter: "Man sagt ja immer, dass sich alles im Laufe einer Saison ausgleicht. Aber fest steht, dass unsere Konkurrenten von Schiedsrichter-Entscheidungen profitieren. Bei normalen Entscheidungen wären wir schon Meister."

VfB spricht von der Meisterschaft

Sei's drum - insgesamt konzentrieren sich die Stuttgarter auf sich selbst: "Wir wollten uns nicht aus dem Titelkampf verabschieden", sagte Verteidiger Ludovic Magnin und nahm das zuvor so konsequent gemiedene "M-Wort" in den Mund: "Wir wollen so lange wie möglich um die Meisterschaft spielen."

Dabei sieht der Schweizer den Tabellenvierten, der aus den letzten acht Spielen 22 von 24 möglichen Punkten holte, sogar im Vorteil: "In solchen Phasen entscheidet der Kopf, und unser Kopf ist gut."

"Können jetzt befreit aufspielen"

Selbst Teamchef Markus Babbel, der bislang immer den UEFA-Cup-Nachfolger Europa League als Ziel formuliert hatte, wollte sich den neuen Möglichkeiten nicht verschließen.

"Wir haben jetzt sechs Punkte Abstand zu den Nicht-Europapokalplätzen", stellte der 36-Jährige beruhigt fest: "Jetzt können wir befreit aufspielen. Wir haben es selbst in der Hand. Wir wollen mal sehen, was noch möglich ist."

Cacau springt in die Bresche

Derzeit scheint für den VfB alles möglich. Selbst ohne ihren Rekord-Torjäger Mario Gomez waren die Schwaben nicht zu stoppen. Während der Nationalspieler, mit 23 Saisontreffern der erfolgreichste Stuttgarter Bundesliga-Torschütze aller Zeiten, auf der Bank mitzitterte, sprangen seine Kollegen Cacau und Ciprian Marica in die Bresche.

Der gebürtige Brasilianer Cacau, dem das Debüt in der deutschen Nationalmannschaft winkt, sah "keine andere Möglichkeit", als aus 18 Metern den Ball in den Winkel zu jagen (16.), "ein Supertor", wie er nachher ganz unbescheiden feststellte.

Fehler von Neuer

Marica profitierte beim Siegtreffer von einem Fehler des Schalker Torwarts Manuel Neuer, der den Ball nach einem Gewaltschuss von VfB-Kapitän Thomas Hitzlsperger nach vorne abprallen ließ (57.).

"Die Mannschaft lebt nicht allein von Mario Gomez", stellte Babbel fest und dachte dabei möglicherweise schon an die nächste Saison, wenn der Torjäger vielleicht für Bayern München oder einen anderen europäischen Topklub stürmen wird: "Natürlich ist er ein wichtiger Spieler, aber wir haben eine ganze Menge anderer guter Spieler."

Gomez wohl gegen Cottbus wieder dabei

Beim ersten Stuttgarter Sieg auf Schalke seit dem 11. April 1998 (4:3) hatte Gomez wegen Adduktorenproblemen kurzfristig aussetzen müssen. "Ich hätte mit einer Spritze spielen können, wollte aber kein Risiko für die letzten beiden Spiele eingehen", sagte der 23-Jährige. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Nun will er in den verbleibenden Partien gegen Energie Cottbus und bei Bayern München mithelfen, den Coup von 2007 zu wiederholen.

Heldt hält sich bedeckt

Während Gomez wohl vor dem Absprung steht, konnte sich auch ein anderer Umworbener nicht zu einem 100-prozentigen Bekenntnis zum VfB durchringen.

"Es ehrt mich, wenn ein so renommierter Verein Interesse zeigt. Das ist sehr schön", sagte Manager Horst Heldt über die Schalker Abwerbeversuche: "Aber ich habe einen Vertrag in Stuttgart bis 2012, mehr kann ich dazu nicht sagen."

Auch auf Nachfrage ließ er sich nur entlocken: "Ich gehe davon aus, dass ich nächstes Jahr in Stuttgart bin."

Schalke fehlt die Effizienz

100-prozentig sicher, nächstes Jahr nicht in Europa zu sein, kann sich Schalke nach der dritten Niederlage in Folge sein. Die letzte rechnerische Chance auf die Europa League ist dahin, die Saison eigentlich schon zwei Runden vor Schluss beendet.

"Im Fußball gehts um eine gewisse Effizienz, daran hat es in dieser Saison öfter gehapert", stellte Interimstrainer Mike Büskens fest. Auch diesmal hatte trotz mehrerer hochkarätiger Möglichkeiten nur Ivan Rakitic mit einem direkt verwandelten Freistoß getroffen (39.).

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