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Jubel, Trubel, Heiterkeit:Gladbach feiert in der Lausitz den So-gut-wie-Klassenerhalt © getty

Im Abstiegskampf hat die Borussia plötzlich wieder alle Trümpfe in der Hand. Bei Cottbus dagegen gehen langsam die Lichter aus.

Cottbus - Nach dem zweiten "Lucky Punch" innerhalb von vier Tagen gehen die Last-Minute-Helden von Borussia Mönchengladbach mit breiter Brust ins Saisonfinale.

"Dieser Sieg war enorm wichtig, auch weil alle Mitkonkurrenten verloren haben. Das dürfen wir uns auf keinen Fall mehr nehmen lassen", sagte Nationalspieler Marko Marin nach dem 1:0 (0:0) im möglicherweise entscheidenden "Abstiegs-Endspiel" bei Energie Cottbus.

Zweifel am Klassenerhalt hat der fünfmalige Meister kaum mehr.

Erneut bewiesen die Fohlen "Killerinstinkt" und schlugen wie am Wochenende beim 1:0 gegen Schalke 04 praktisch in letzter Sekunde zu.

Plötzlich alle Trümpfe in der Hand.

Während der Kopfballtreffer des brasilianischen Innenverteidigers Dante in der Nachspielzeit (90.+1) für lähmendes Entsetzen bei den Cottbusern sorgte, halten die nach der Hinrunde noch abgeschlagenen Gladbacher im Kampf um den Klassenerhalt zwei Spieltage vor Saisonschluss plötzlich alle Trümpfe in der Hand.

Angesichts von drei Punkten Vorsprung sowie der um zehn Treffer besseren Tordifferenz auf den Tabellenvorletzten Cottbus scherte sogar Borussen-Trainer Hans Meyer aus und kündigte ungewohnt kühn an: "Rein praktisch ist fast schon garantiert, dass wir nicht mehr direkt absteigen können."

Bereits am Samstag (15 Uhr LIVE) bei Bayer Leverkusen könnte der Ligaverbleib mit einem Sieg perfekt gemacht werden. "Wir müssen versuchen, dort den Sack zuzumachen", forderte Sportdirektor Max Eberl.

"Einfach nur Wahnsinn"

Die Spieler schwebten derweil auf einer Euphoriewelle. "Es ist einfach nur Wahnsinn, in letzter Minute vor so vielen mitgereisten Fans zu gewinnen. Das ist Adrenalin pur", sagte Tobias Levels.

Matchwinner Dante, der nach seinem Siegtreffer nicht mehr zu halten war und für seinen ausschweifenden Jubel die Gelbe Karte sah, erklärte stolz: "Das war das wichtigste Tor meiner Karriere."

Für Trainer Meyer ist die beeindruckende Moral seiner Spieler jedoch kein neues Qualitätsmerkmal. "Natürlich hat meine Mannschaft Charakter, aber das hat sie schon im gesamten Frühjahr bewiesen", meinte der 66-Jährige.

Meyer traurig - aus alter Verbundenheit

Dass durch den Gladbacher Sieg ausgerechnet Cottbus mit einem Bein in der Zweiten Liga steht, stimmte Meyer traurig. "Für die Cottbuser tut es mir leid, weil sie seit Jahrzehnten gute Arbeit leisten, obwohl es hier schlechtere Voraussetzungen gibt", so Meyer, dem als ehemaliger Erfolgstrainer in der DDR der Ost-Fußball "am Herzen liegt".

Die tröstenden Worte hätten die ohne ihren verletzten Top-Torjäger Dimitar Rangelow enttäuschenden Cottbuser sicher sofort gegen einen Punkt eingetauscht.

"Die Niederlage trifft uns hart", sagte Kapitän Timo Rost und flüchtete sich in die üblichen Durchhalteparolen: "Es wird schwer, aber die Chance besteht noch."

Tendenz zur Selbstzerfleischung

Klartext sprach dagegen Torhüter Gerhard Tremmel, der sein Team mit einigen Paraden vor einem früheren Rückstand bewahrt hatte. "Viel zu harmlos, viel zu mutlos", habe man gespielt, kritisierte der 29-Jährige und schrieb das Spiel beim Titelaspiranten VfB Stuttgart am Samstag fast schon ab.

"Es glaubt doch niemand, dass wir in unserer momentanen Verfassung beim VfB etwas holen." Auf die Aussage angesprochen vermied Kapitän Rost zwar einen öffentlichen Rüffel für den Teamkollegen.

Intern sollen jedoch deutliche Worte gefallen sein. "Wir sollten jetzt nicht kritisieren, sondern zusammenrücken", meinte Rost.

Prasnikar klingt verzweifelt

Nach außen hin demonstrierte auch Bojan Prasnikar Zuversicht: "Noch ist alles möglich. Warum sollten wir nicht auch einmal so ein Glück haben wie die Borussia?", fragte der Trainer. Doch es klang fast schon nach Verzweiflung.

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