vergrößernverkleinern
Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge gehen nun konkrete Planungen an © imago

Der Wunschtrainer ist da - mit van Gaal hat der FC Bayern den gesuchten Fußballlehrer gefunden. Doch das ist nur der Anfang.

Über den FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Louis van Gaal übernimmt den FC Bayern am 1. Juli.

Mit Amtsantritt beginnt der Niederländer eine Art Inventur in München.

Am Donnerstag sagte der 57-Jährige bei seiner Verabschiedung von seinem bisherigen Klub AZ Alkmaar: "Erst einmal muss ich wissen, welche Spieler bleiben und welche kommen." Von dem Kader wiederum hänge ab, "wie ich meine Visionen entwickle".

Van Gaal warnte: "Das ist ein Prozess, der Zeit kostet." Mit Prozessen, die Zeit kosten, hat die Führung des FC Bayern - siehe Klinsmann - allerdings so ihre Probleme.

Auch der Trainerstab des FC Bayern wird zuerst einer Prüfung unterzogen.

Van Gaal bringt nach eigenen Angaben einige Leute mit an die Säbener Straße: Andries Jonker, bislang Sportdirektor beim niederländischen Ehrendivisionär Willem II Tilburg, soll sein "Co" werden.

Hinzu kommen der Video-/Computerexperte Mats Reekes sowie der Reha-Trainer Jost van Dijk. Den Rest seines Funktionsteams will er zunächst aus dem vorhandenen Personal rekrutieren.

Sechs Monate Test

Wenn er zu einem neuen Verein komme, erklärte van Gaal, teste er das bereits bestehende Team sechs Monate lang. "Dann weiß man, welche Qualitäten die Menschen haben und wie sie funktionieren."

Er schloss aus, Alkmaars Torwarttrainer Frans Hoek mit nach München zu nehmen.

Deutscher Assistent

Auf jeden Fall aber will der Niederländer sich noch einen deutschen Assistenztrainer ausgucken. Er benötige einen Assistenten, der die lokalen und nationalen Befindlichkeiten kenne, sagte er.

Die Kadergestaltung wird eine Herausforderung: Die Verantwortlichen an der Säbener Straße sehen schon seit längerem Handlungsbedarf.

Das heißt: Neben van Gaal, der von seinem bisherigen Klub AZ Alkmaar vorzeitig aus seinem Vertrag bis 2010 entlassen wurde, werden bald eine ganze Reihe neuer Gesichter am Klub-Gelände auftauchen.

Auch wenn Diego von Werder Bremen nach seinem Pokerspiel nicht dazugehört (Wirrwarr um Diego). "Ob mit oder ohne Diego - wir werden nächste Saison eine großartige Mannschaft haben", versicherte Scout Paul Breitner.

Wer kommt?

Die Frage ist: Wer kommt? Bringt der neue Trainer Profis aus den Niederlanden mit?

Spekuliert wurde, dass van Gaal die AZ- Spieler Sergio Romero (Tor) und Stijn Schaars (Mittelfeld) "im deutschen Auftrag ankauft", wie die Zeitung "De Telegraaf" schrieb.

Der FC Bayern dementierte die Spekulationen des Blattes jedoch umgehend als "Unsinn" und betonte, dass zu "100 Prozent sicher" nicht der Torwart und auch kein anderer Spieler des AZ Alkmaar verpflichtet werde.

Es gebe keine finanziellen Abwicklungen oder Ausgleichszahlungen, sagte Mediendirektor Markus Hörwick. Bei der Verhandlung über die vorzeitige Freigabe von van Gaal war von Münchner Seite nur ein kostenloses Freundschaftsspiel zugesichert worden - eine Ablöse werde nicht gezahlt.

Es scheint, als wolle der deutsche Rekordmeister gleich eine komplett neue Mannschaft verpflichten.

Gomez im Gespräch

Als Zugänge fest stehen bisher "Sechser" Anatolij Timoschtschuk von Zenit St. Petersburg (15 Millionen Euro), Angreifer Ivica Olic (Hamburger SV) und Alexander Baumjohann (Borussia Mönchengladbach/beide ablösefrei).

Vom Karlsruher SC wird Andreas Görlitz zurückkehren, doch ist fraglich, ob er die Lösung für die rechte Außenverteidiger-Position ist.

Was oder wen van Gaal will, hat er öffentlich noch nicht kundtun können, aber er hätte wohl die Auswahl: Als Kandidat für den Angriff gilt nach wie vor Mario Gomez vom VfB Stuttgart.

Schon im vergangenen Sommer waren die Bayern an ihm dran, damals standen 35 Millionen Euro als Ablösesumme für den Torjäger im Raum.

Bedarf besteht in jedem Fall auf dem rechten Außenposten in der Abwehr.

Oddo muss wohl gehen

Der vom AC Mailand ausgeliehene Italiener Massimo Oddo erwies sich dort nicht als Verstärkung, Christian Lell als untauglich für höhere Aufgaben.

Im Gespräch ist der niederländische B-Nationalspieler Urby Emanuelson von Ajax Amsterdam. Der verteidigt normalerweise links, doch dafür könnte dann Philipp Lahm die Seite wechseln.

Gehandelt werden auch die Franzosen Aly Cissokho (FC Porto) und Mouhamadou Dabo (AS St. Etienne) - und immer mal wieder Juri Schirkow (ZSKA Moskau).

Mittelfeldspieler Ze Roberto will indes frühestens in zehn Tagen eine Entscheidung über seine Zukunft treffen.

Auch Adler auf der Liste

Der von Jürgen Klinsmann degradierte Michael Rensing könnte derweil den Eindruck gewinnen, dass er überflüssig ist.

Auf der angeblichen Kandidatenliste sollen Rene Adler (Bayer Leverkusen), Manuel Neuer (Schalke 04), Sebastien Frey (AC Florenz) oder gar Gianluigi Buffon (Juventus Turin) stehen.

Die Münchner wollen jedenfalls in Absprache mit van Gaal investieren, aber nicht um jeden Preis.

"Wir sind zu Transfers bereit, aber nicht zu verrückten Dingen", hat Rummenigge erklärt. Viel wird ohnehin erst mal davon abhängen, was mit Franck Ribery geschieht.

Und vor allem davon, ob sich der FC Bayern wenigstens direkt für die Champions League qualifiziert.

"Wir müssen schauen, dass wir auf jeden Fall die Champions League erreichen. Ob über Platz drei, zwei oder eins ist zwar nicht egal, aber es ist wichtig, dass wir einen dieser drei Plätze haben", warnt Hoeneß.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel