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Auch wegen Vater Djair da Cunha (l.) gerät Diegos Wechsel zur Hängepartie © getty

Das Wechsel-Geschacher wird immer skurriler: Angeblich hat Diegos Vater die Bayern hintergangen. Werder pokert zudem um 15 Prozent Ablöse.

Von Christian Paschwitz

München - Nun hat der Wechsel-Pokel um Diego offenbar auch noch den letzten Rest an Seriösität eingebüßt:

Werder Bremens wechselwilliger Superstar soll mittlerweile zugegeben haben, dass entgegen bisherigen Statements sein Vater sehr wohl mit dem FC Bayern vor Ort über einen Wechsel verhandelt habe. "Ja, mein Vater war in München", zitiert die "Bild" Diego - und will dessen Vater damit als Lügner entlarvt haben.

Denn: Djair da Cunha, zugleich Berater des angeblich schon lang mit Juventus Turin einigen Bremer Spielmachers, hatte Mitte der Woche noch erklärt, es habe kein Treffen zwischen ihm und den Bayern-Verantwortlichen gegeben.

Und das, obwohl Fotos von ihm und den Beratern Osma Bartulyte und Karl-Heinz Fleischmann in München existieren, wo Eckpunkte eines Vertrages (Laufzeit über vier Jahre, 25 Millionen Euro Ablöse) ausgehandelt worden sein sollen.

Zufälliges Telefonat mit Allofs klärt auf

"Ich war nicht in München. Ich war in Bologna, in Frankfurt, und jetzt bin ich in Brasilien", erklärte Diegos Vater dazu der "Bild".

Was die Angelegenheit augenscheinlich noch windiger macht: Schon seit längerer Zeit soll zwischen Diego, den Bremern und Juventus eine so genannte Transfer-Absprache bestehen.

Die jedoch soll da Cunha den Bayern verschwiegen haben, die davon am Mittwoch eher zufällig Wind bekamen, als Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge mit Werder-Boss Klaus Allofs telefonierte.

"Wir sind ein seriöser Klub"

Dass die Sache aufflog, war wohl der letzte Impuls, der die Bayern nun davon abhielt, den sich schon über Wochen hinziehenden Wechsel-Poker fortzusetzen.

"Wir ziehen uns aus der Veranstaltung zurück, denn wir sind ein seriöser Klub. Das, was da alles passiert, wirkt sehr irritierend auf uns", hatte Rummenigge am Mittwoch erklärt. (zum Artikel: Nur Allofs kennt die Wahrheit...)

Nun lässt Bayerns Vorstandsboss verlauten: "Was wir uns fragen, ist, was sollten die Besuche hier? Was hatten sie für einen Sinn? Wenn es denn Vereinbarungen gibt, so machen doch andere Gespräche mit weiteren Klubs gar keinen Sinn mehr."

Was wusste Diego selbst?

In München fühlt man sich veralbert: "Wir haben Gespräche mit Diegos Vater geführt, und sie nun zu den Akten gelegt. Wenn man so lange in diesem Geschäft ist, dann passieren die kuriosesten Dinge ? auch wenn ich so etwas wie in diesem Fall noch nie erlebt habe."

Die Frage ist, was Diego selbst von den Vorgängen und dem Gebaren seines Vaters wusste: "Ich weiß nur, dass Werder lediglich von Juventus Turin ein offizielles Angebot vorliegt - von den Bayern nicht", hatte der 24-Jährige, der in Bremen noch einen Vertrag bis 2011 besitzt, zuletzt behauptet.

"Es gibt losen Kontakt zu den Bayern, aber nur über meine Berater." Das Treffen im Münchner Hotel "Vier Jahreszeiten" wirkt indes durchaus konkret und alles andere als lose. Auch wenn Diego weiter sagte: "Nur wenn Werder mir sagen würde, es läge ein Angebot von den Bayern vor und ich solle mich bitte damit beschäftigen, dann würde ich das tun."

15 Prozent von der Transfersumme

Dazu kommt es nun ohnehin nicht mehr, nachdem die Bayern vergrätzt sind und Diego inzwischen erklärte: "Ich bin mit Juventus Turin klar. Wenn sich die Klubs einig sind, dann werde ich auch sagen: Ich spiele nächste Saison bei Juventus Turin."

Im Raum steht dabei eine Ablösesumme von 24,5 Millionen Euro, der Brasilianer soll einen Fünfjahresvertrag mit einem jährlichen Nettogehalt von vier Millionen Euro erhalten.

Von der Transfersumme fließen zudem 15 Prozent an das Diego-Lager.

Zweifelhafter Lebenslauf

Dessen Verhalten wirkt nach der Mutmaßung, die Unwahrheit gesagt zu haben, nun noch zweifelhafter als ohnehin schon: Womöglich hatte Diegos Vater darauf spekuliert, die Vereine gegeneinander auszuspielen. Und so Gehalt sowie Ablöse in die Höhe zu treiben.

Für Montag soll da Cunha eine Pressekonferenz einberaumt haben. Wenn's nur nach Diego selbst ginge, dann würde bereits am Freitag sein Wechsel zu Juve als perfekt vermeldet werden.

"Das wünsche ich mir", zitiert ihn die "Syker Kreiszeitung". Doch noch immer steht der Transfer auf der Kippe. Wegen besagter 15 Prozent der Ablösesumme, die an Familie Diego fließt.

Das Zahlenwerk wird dabei höchst unterschiedlich verstanden: Werder will offenbar die gesamte Ablöse einstreichen und es Juventus und Diego überlassen, wie der Spieler an sein Geld kommt.

Feilschen wegen 15 Prozent

Konkret: Bei der von Spielervermittler Giacomo Petralito verkündeten Ablösesumme von 24,5 Millionen Euro soll es sich um den Betrag nach Abzug der 15 Prozent handeln. Hieße: Werder bekommt knapp 29 Millionen Euro aus Turin, reicht gerundet 4,35 Millionen an Diego weiter.

So wie es die Italiener, Diego und dessen Vater wollen.

Das Bremer Modell sieht anders aus: Netto sollen etwa 29 Millionen in die eigene Kasse fließen. "Juve" müsste demnach zusätzlich gerundet 4,35 Millionen an Diego zahlen. Die Ablösekosten würden auf gerundet 33,35 Millionen Euro steigen.

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