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Michal Kadlec erzielte nach der Vorlage von Schneider sein drittes Saisontor © getty

Gladbach wird von Leverkusen demontiert und muss weiter um den Klassenerhalt bangen. "Der letzte Straßenfußballer" kehrt zurück.

Düsseldorf - Nach der höchsten Pleite seit viereinhalb Jahren geht bei Borussia Mönchengladbach das große Zittern weiter und Hans Meyer erteilte seinen Spielern erst einmal Zeitungsverbot.

"Das tut weh. Das waren zwei, drei Gegentore zu viel für die eigene Gemütslage. Die Spieler sollten jetzt keine Zeitung lesen und sich auf das Spiel gegen Dortmund konzentrieren", meinte der 66 Jahre alte Trainer nach dem 0:5 (0:2)-Debakel bei Bayer Leverkusen.

Einen Punkt benötigen die Niederrheiner im Duell mit den Westfalen noch zur Rettung, ansonsten muss der Rechenschieber herhalten.

Denn Gladbach liegt drei Zähler und vier Tore vor dem Tabellen-16. Arminia Bielefeld.

"Das ist schon pervers"

"Das ist schon pervers. Wir verlieren 0:5 und machen am Ende sogar noch ein Tor gut", analysierte Sportdirektor Max Eberl mit Blick auf das Bielefelder 0:6 in Dortmund die Konstellation vor dem Saisonfinale.

Auf fremde Schützenhilfe will man sich aber nicht noch einmal verlassen.

"Wir haben alles noch in der eigenen Hand und müssen nur auf uns gucken. Wir dürfen nicht ins Spiel gehen und glauben, man könne sich auch eine knappe Niederlage erlauben", mahnte Eberl und forderte eine "Kampfbereitschaft wie beim 1:0 in Cottbus".

Zerfall nach 30 Minuten

Davon war vor 43.000 Zuschauern in Düsseldorf, mehr als die Hälfte aus Mönchengladbach, nicht viel zu sehen.

Bis zum ersten Gegentreffer durch Stefan Kießling (30.) spielte die Borussia noch gut mit, dann zerfiel das Konzept wie ein Kartenhaus.

Patrick Helmes mit seinem 21. Saisontor (44.), Gonzalo Castro (68.), Michal Kadlec (78.) und ein Eigentor von Dante (86.) sorgten für die höchste Pleite der Fohlen-Elf seit dem 4. Dezember 2004 (0:6 in Berlin).

EInen Grund für die Niederlage sah Meyer in der englischen Woche: "Leverkusen hat in neun Tagen drei Spiele gemacht, wir in sechs, nämlich Sonntag, Mittwoch, Samstag. Gegen Schalke und Cottbus mussten wir schon an die Grenze gehen. Da braucht man sich nicht wundern, dass wir hier so richtig von der Rolle gekommen sind."

Marin kommt erst in Halbzeit zwei

"An der Situation hat sich nichts geändert, aber die Höhe der Niederlage wirkt immer auf die Psyche", ergänzte ergänzte der Borussen-Trainer, der Nationalspieler Marko Marin erneut auf der Bank gelassen und erst zur zweiten Halbzeit gebracht hatte.

Viel ändern konnte der Dribbelkünstler nicht mehr. "Wir müssen uns wieder aufbauen. Ein Punkt fehlt noch, dann ist die Saison gerettet", meinte Marin, der wohl zu Werder Bremen abwandern wird. (Marin vor Wechsel zu Werder)

Erster Heimsieg im Ausweichquartier

Für die Leverkusener ist die Saison mit Platz neun gelaufen, einzig das Pokalfinale in Berlin kann ein verkorkstes Jahr noch retten.

Immerhin holte die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia im achten und letzten Anlauf doch noch den ersten Heimsieg im Ausweichquartier.

"Ich gehe gerne nach Düsseldorf, lieber als nach Köln, vor allem in die Innenstadt. Die Rahmenbedingungen haben ja auch gestimmt, aber ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist", meinte Bayer-Sportchef Rudi Völler und freut sich auf die Rückkehr nach Leverkusen.

Labbadia dementiert Spekulationen

Zu den Spekulationen, der Labbadia wechsle nach der Saison zu Kaiserslautern, sagte der Leverkusener Trainer:

"Was in den letzten Tagen geschrieben wurde, entbehrt jeder Grundlage. Aber ich liebe dieses Spiel zu sehr, als dass ich mich davon verrückt machen lasse."

Schneider feiert Comeback

Einen bewegenden Moment erlebten die Zuschauer in Düsseldorf, als in der 73. Minute Nationalspieler Bernd Schneider unter großem Applaus nach 398 Tagen auf die Bundesliga-Bühne zurückkehrte.

"Das war Gänsehaut-Feeling. Ich war schon oft aufgeregt vor großen Spielen, aber so aufgeregt wie heute war ich noch nie", meinte Schneider, der im vergangenen Jahr im Zuge eines Bandscheibenvorfalls an der Halswirbelsäule operiert worden war.

"Es gab schon viele Momente, wo ich das Handtuch einfach hinschmeißen wollte. Aber mein Herz hängt am Fußball, das war was mich angetrieben hat", sagte Schneider weiter.

Der letzte Straßenfußballer

Wie sehr sich die Teamkollegen über die Rückkehr Schneiders freuten, wurde auf dem Platz deutlich.

Manuel Friedrich überreichte dem Mittelfeldstar bei seiner Einwechslung gleich die Kapitänsbinde und als Schneider fünf Minuten später das 4:0 vorbereitete, stürmten alle Spieler auf den Vize-Weltmeister von 2002 zu.

"Bernd ist vielleicht der letzte übrig gebliebene Straßenfußballer. Es gibt nicht viele Spieler, die ihm das Wasser reichen können", lobte Völler.

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