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Michael Frontzeck übernahm Arminia am 1. Januar 2008, sein Vertrag läuft bis 2010 © getty

Dortmund feiert den Sprung auf Platz fünf, Bielefeld muss um den Klassenerhalt, Trainer Frontzeck muss um seinen Job bangen.

Dortmund - Als die Borussen nach ihrem höchsten Saisonsieg den Sprung auf Platz fünf und die große Chance für das Comeback auf Europas Bühne euphorisch feierten, verdichteten sich bei den abstiegsbedrohten Arminen die Anzeichen für einen Rauswurf von Trainer Michael Frontzeck noch vor dem Saisonfinale am kommenden Samstag.

"Wir werden uns zusammensetzen, analysieren und nach bestem Wissen und Gewissen eine Entscheidung fällen", sagte Geschäftsführer Roland Kentsch unter dem Eindruck des 0:6 (0:1)-Debakels. ad

Platz 15 kaum noch zu schaffen

Im letzten Saisonspiel gegen Hannover 96 geht es in erster Linie darum, den derzeitigen Relegationsplatz zu sichern.

Der direkte Klassenerhalt mit dem Sprung auf den drei Punkte entfernten Platz 15 ist zwar noch im Bereich des Möglichen, doch die Klub-Verantwortlichen sehen nach dem Debakel offenbar sämtliche Felle davonschwimmen.

"So etwas habe ich in dieser Form noch nicht erlebt", ergänzte Kentsch, es gehe jetzt darum, "dass die Mannschaft den Glauben nicht verliert".

Kein Glaube an den Trainer

Den an Trainer Frontzeck haben sie offenbar bereits verloren.

Ihm droht wie schon Vorgänger Ernst Middendorp nach einem halben Dutzend Gegentoren beim BVB die Entlassung.

Middendorp erwischte es am 10. Dezember 2007 nach einem 1:6 in Dortmund.

Sarkasmus bei Frontzeck

"Aber nach dem 33. Spieltag, das hätte eine besondere Note", meinte Frontzeck, auf die Äußerungen der Klub-Bosse angesprochen.

Eine Trainerentlassung einen Spieltag vor dem Saisonende gab es in der Bundesliga-Historie erst einmal, als Rot-Weiss Essen Fritz Pliska in die Wüste schickte.

Zu diesem Zeitpunkt stand RWE jedoch schon als Absteiger fest.

Dammeier als Interimslösung?

Bielefeld indes kann noch hoffen. Sollte jedoch Frontzeck gegen Hannover nicht mehr auf der Bank sitzen, würde möglicherweise erneut der Sportliche Leiter und Ex-Profi Detlev Dammeier als Interimslösung fungieren.

"Wenn der Vorstand grundsätzlich über alles nachdenkt, das ist doch legitim. Aber gehört habe ich nichts", meinte ein sichtlich angeschlagener Frontzeck nach dem Abpfiff.

"Wir müssen die Köpfe frei bekommen und unsere letzte Chance wahrnehmen. Dann können wir im Relegationsspiel noch den Klassenerhalt schaffen", meinte Rüdiger Kauf.

Nach der Pause brechen alle Dämme

Eine Halbzeit lang hatte Bielefeld der Borussia das Leben äußerst schwer gemacht, hätte sogar schon mit zwei Toren führen müssen, bevor Sebastian Kehl (43.) den Bann für den BVB bracht.

Das 2:0 durch Tamas Hajnal (53.) war vor 80.200 Zuschauern zugleich der Startschuss für ein spektakuläres Scheibenschießen.

Mit den Treffern von Nelson Valdez (70.), erneut Kehl (72.), Tinga (84.) und Mohamed Zidane (87.) waren die Gäste am Ende sogar noch gut bedient.

"Es war praktisch jeder Schuss ein Treffer. Nach dem, was in der zweiten Halbzeit abgelaufen ist, müssen uns bei jedem entschuldigen, der heute in blau und weiß ins Stadion gekommen ist", sagte Mittelfeldspieler Oliver Kirch und appellierte: "Jetzt müssen wir gegen Hannover noch einmal alles reinlegen, was wir haben."

Mit breiter Brust nach Mönchengladbach

Mit der mentalen Hypothek einer bitteren Klatsche geht Bielefeld, punktgleich mit dem Tabellen-17. Energie Cottbus (beide 27), in sein "Endspiel", der BVB fährt hingegen mit breiter Brust zum Saisonfinale zum Tabellen-15. nach Mönchengladbach.

Mit einem Sieg wäre die Qualifikation für die Europa League geschafft - dank der Schützenhilfe des 1. FC Köln, der den Schwarz-Gelben mit einem 1:0 in Hamburg den Weg ebnete.

Kölner Schützenhilfe für den BVB

Das Stadion schien zu explodieren, als der Stadionsprecher nach dem Schlusspfiff das Überraschungsergebnis aus Hamburg über den Lautsprecher brüllte.

Die Feierlichkeiten wollten anschließend kein Ende nehmen.

"Die Mannschaft hat schon jetzt Großartiges geleistet, und wir können das alles noch veredeln. Unser Dank geht nach Köln", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Saison ohne Heimniederlage

"Wir wollten in das Finale, in dem wir jetzt in Gladbach stehen und zu Hause unsere weiße Weste verteidigen. Das ist gelungen, obwohl das in dieser Form nach der ersten Halbzeit nicht zu erwarten war", meinte Trainer Jürgen Klopp.

"Die Mannschaft hat heute in der zweiten Hälfte ihr wahres Gesicht gezeigt Es war ein Dankeschön an die Fans und heute war das Spiel als 90 Minuten-Veranstaltung gedacht."

Erstmals seit 1991/92, der ersten Spielzeit unter Trainer Ottmar Hitzfeld, blieb der sechsmalige Deutsche Meister während einer gesamten Saison im heimischen Stadion ungeschlagen.

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