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Pal Dardai, Steve von Bergen und Valeri Domowtschiski (v.l.) sind bedient © getty

Statt ausgelassener Freude bleibt nach dem letzten Heimspiel der Berliner Rekordsaison Ernüchterung über das Aus im Titelrennen.

Von Martin van de Flierdt und Andreas Ziepa

München/Berlin - Es hatte eine große Party werden sollen:

Das letzte Heimspiel der besten Saison der Berliner Bundesliga-Historie, ein seit Wochen ausverkauftes Olympiastadion, 55.000 Liter Freibier für alle und möglichst drei Punkte gegen Schalke, um den Traum vom ersten Meistertitel seit 78 Jahren am Leben zu erhalten.

Die entscheidende letzte Prämisse brachte die Hertha allerdings nicht zustande. (Hertha raus aus dem Titelrennen)

So blieb nach dem 0:0 statt ausgelassener Feierfreude Ernüchterung darüber zurück, dass sich die Mannschaft von Lucien Favre vor dem letzten Spieltag aus dem Meisterschaftsrennen verabschiedet hat. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Hoeneß' kritisches Fazit

Und Wehmut darüber, dass sie die große Gelegenheit äußerst fahrlässig aus der Hand gegeben hat.

"Wir müssen uns fragen, ob wir genug getan haben", meinte Hertha-Manager Dieter Hoeneß, "ob wir den rechten Mut hatten, dieses Spiel zu gewinnen."

Trainer Favre hatte sich für die Taktik mit nur einer echten Spitze in Person von Marko Pantelic entschieden und Andrej Voronin zunächst auf der Bank gelassen.

Der Serbe hatte zwar die beiden besten Hertha-Chancen (25./27.), bei denen er jeweils an Schalkes starkem Schlussmann Manuel Neuer scheiterte.

Dazu wurde er zweimal zu Unrecht wegen vermeintlicher Abseitsposition in aussichtsreicher Lage zurückgepfiffen (12./22.).

"Man muss das Glück erzwingen"

Doch etwas mehr Unterstützung hätte dem Serben nicht geschadet. "Ich bin sehr enttäuscht", gab der stellvertretende Kapitän Josip Simunic zu.

"Wir haben ein solides Spiel gemacht, Schalke hatte kaum Chancen. Aber in solch einem Spiel muss man das Glück erzwingen."

Voronin machte keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass er dazu gerne länger als 31 Minuten nach seiner Einwechslung beigetragen hätte. "Wir hätten viel offensiver spielen müssen", klagte der Ukrainer.

"Denn mit 30 Prozent Ballbesitz kannst du nicht Meister werden."

Damit hatte er das Kräfteverhältnis zwar keineswegs korrekt wiedergegeben. Doch dass einigen seiner Kollegen angesichts der historischen Titelchance womöglich die Knie geschlottert hatten, wollte Simunic nicht ausschließen:

"Ein paar Spieler hatten solch eine Partie in ihrem Leben noch nicht gespielt. Vielleicht war das einer der Punkte, an denen es bei uns gefehlt hat."

Blick geht nach vorne

Wie schon als Tabellenführer schwächelten die Berliner auch diesmal in dem Moment, als sie von allen Experten aufgrund der guten Ausgangsposition zum heißen Titelkandidaten ernannt worden waren.

Nun gilt es für die Herthaner, das Titelthema ganz schnell zu vergessen und sich auf die letzte Partie in Karlsruhe zu konzentrieren.

Ein Sieg und das Team hätte Platz drei sicher, bei einem Remis zwischen München und Stuttgart winkt sogar Rang zwei. "Wir haben noch die Chance auf die Champions League, dafür werden wir alles geben", versprach Favre.

Pantelic wird dabei aller Voraussicht nach zum letzten Mal für die Hertha auflaufen.

Während Torhüter Christian Fiedler, der wegen einer Kreuzbandverletzung seine Karriere beenden muss, vor Anpfiff mit einem Blumenstrauß offiziell verabschiedet wurde, blieb eine ähnliche Geste von Vereinsseite für Pantelic zwar aus.

Pantelic verabschiedet sich

Doch der Serbe ließ sich nach seiner Auswechslung (82.) lange von den Fans feiern und sagte ihnen nach Spielschluss via Stadionmikrofon "Danke für vier überragende Jahre" in der Hauptstadt.

Dass diese nun nicht mit der angedachten Feier zuende gehen, haben sich die Berliner nach Ansicht von Jermaine Jones selbst zuzuschreiben.

"Sie haben vor dem Spiel große Töne gespuckt, das hat uns angespornt", meinte der Schalker Nationalspieler.

"Dafür haben sie jetzt die Quittung bekommen. Und für unseren künftigen Trainer Felix Magath haben wir auch etwas Gutes getan."

Mit halb gefüllter Tupperdose nach Hause

Sein aktueller Coach Mike Büskens beschrieb die Schalker Haltung etwas bildhafter. "Wir wurden zu einer großen Party nach Berlin eingeladen und sind dieser Einladung sehr gerne nachgekommen", sagte der 41-Jährige.

"Nur sind wir eben nicht der Typ Gast, der Geschenke mitbringt, sondern derjenige, der sich die Tupperdose vollmacht, weil er etwas nach Hause mitnehmen will."

Partys mit derartigen Besuchern werden bekanntermaßen selten ein Erfolg.

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