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Frankfurts Torwart Markus Pröll (r.) konnte trotz guter Leistung die Niederlage nicht verhindern © getty

Bochum macht mit dem 2:0 den Klassenerhalt perfekt. Auch Frankfurt ist durch, doch der Druck auf den Trainer nimmt zu.

Bochum - Marcel Koller fiel seinem Boss Werner Altegoer auf dem Rasen erleichtert in die Arme, Friedhelm Funkel machte auf dem Absatz kehrt und ließ die Fans mit ihrer Wut alleine.

Der 2:0 (1:0)-Sieg des VfL Bochum gegen Eintracht Frankfurt hatte beiden Klubs den vorzeitigen Klassenerhalt in der Bundesliga gesichert.

Doch während VfL-Trainer Koller auf Jubeltour ging, begann für seinen Kollegen ein Spießrutenlauf.

"Funkel raus", schallte es dem Coach aus dem mit gut 7000 Eintracht-Fans besetzten Gästeblock hinterher.

Eine gute Stunde später musste der Mannschaftsbus auf einem Schleichweg an einer Blockade von Hunderten erboster Anhänger vorbei Richtung Autobahn geleitet werden.

Kein eindeutiges Bekenntnis zu Funkel

Eintrachts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen wollte in der Zwischenzeit auch auf Nachfrage kein eindeutiges Bekenntnis für Funkel abgeben.

Er erweckte eher den Eindruck, dass die Zeichen nach fünf gemeinsamen Jahren auf Trennung stehen.

"Wir handeln nach den Gesetzen der Bundesliga und mit Augenmaß. Wir werden den 34. Spieltag spielen und dann besonnen nachdenken, was für die Eintracht am besten ist", sagte Bruchhagen und räumte ein:

"Der Druck ist immens."

Coach glaubt an "100-prozentige Rückendeckung"

Funkel trat derweil die Flucht nach vorne an. Er sei sich sicher, die "100-prozentige Rückendeckung" der Verantwortlichen zu besitzen.

"Wir arbeiten gut, wir arbeiten erfolgreich, und wir lassen uns von niemandem reinreden. Alles ist okay", sagte der 55-Jährige betont gelassen und legte sich erneut wie selbstverständlich mit den Fans an, die seit Wochen seine Entlassung fordern.

Er habe "überhaupt kein Verständnis" für deren Wut, die nur das Resultat "überhöhter und nicht realisierbarer Erwartungen" sei.

Kein Dialog mit den aufgebrachten Fans

Den Dialog will er nicht suchen. "Ich habe überhaupt keinen Grund, mich zu verteidigen", sagte Funkel, dessen Vertrag erst vor wenigen Wochen bis 2010 verlängert worden war.

Er führte erneut die angespannte Personalsituation als Grund für die unbefriedigend verlaufene Spielzeit an.

Der großen Saisonanalyse nach dem letzten Spiel gegen den Hamburger SV sieht er gelassen entgegen, sie sei schließlich bislang "in jedem Jahr gemacht worden".

Dass er selbst aufgibt, bezeichnete Funkel als "völlig ausgeschlossen".

Klare Worte von Amanatidis

Kapitän Ioannis Amanatidis, der nach knapp siebenmonatiger Verletzungspause ein kurzes Comeback in den Schlussminuten gegeben hatte, war von einer ähnlich selbstbewussten Einschätzung der Lage meilenweit entfernt.

"Das ist alles zu wenig, alles zu schwach. Es ist völlig in Ordnung, dass die Fans sauer sind", sagte der Stürmer:

"Ob wir Spieler oder das Trainerteam - jeder muss sich mal hinterfragen, wo er mit der Eintracht hin will."

Seine Mitspieler kamen nicht gut weg: "Nach so einer Niederlage wie gegen Bremen geht es im Training hart zu und im Spiel verpissen wir uns dann."

Der Grieche betonte, er finde es "erbärmlich", dass 33 Punkte der Eintracht schon zum Klassenerhalt verhalfen.

Unbändige Freude in Bochum

Dem VfL genügten nach den Toren von Vahid Hashemian (26.) und Diego Klimowicz (72.) sogar 31 Zähler zur vorzeitigen Rettung, weil die Verfolger Arminia Bielefeld und Energie Cottbus verloren.

Im Gegensatz zum Kontrahenten herrschte bei den Westfalen unbändige Freude, den sechsten Abstieg der Klubgeschichte verhindert zu haben.

"Mir fallen nicht nur ein paar Kieselsteine vom Herzen, es sind ganze Berge", sagte Koller.

Koller bedankt sich bei den Verantwortlichen

Nur elf Punkte hatte der VfL in der Hinrunde gesammelt, nach einem Blitzstart in die Rückrunde und zuletzt fünf Niederlagen in Folge musste er erneut zittern.

Genau wie Funkel in Frankfurt stand auch Koller in Bochum häufig im Mittelpunkt der Fankritik.

Deshalb bedankte sich der Schweizer ausdrücklich bei den VfL-Verantwortlichen: "Alle haben auch in schweren Situationen immer die Ruhe bewahrt."

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