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Michael Tarnat (l.) bestritt gegen Wolfsburg (Grafite, r.) sein letztes Heimspiel für Hannover © getty

Nachdem Hannover 96 den Vertrag mit Michael Tarnat nicht verlängert, spricht der Routinier im Interview über seinen Ärger.

Von Jessica Pulter

München/Hannover - Dicke Luft in Hannover:

Die Saison für 96 lief enttäuschend, nun blamierte sich das Team auch noch am Samstag beim 0:5 im Derby gegen den VfL Wolfsburg.

Hinzu kommt hausgemachter Ärger: Michael Tarnat, mit 39 Jahren der älteste Bundesligaprofi und seit fünf Jahren bei den "Roten", erhält keinen neuen Vertrag.

Dabei brachte den Routinier vor allem die Art und Weise seiner Ausbootung auf die Palme, wie er im Gespräch mit Sport1.de erklärte.

Sport1.de: Herr Tarnat, nach dem Spiel gegen Wolfsburg waren sie enttäuscht darüber, dass Sie vor der Partie nicht wie Ihre Kollegen vom Verein verabschiedet wurden. Was ist da schief gelaufen?

Michael Tarnat: Ich war nicht erst nach dem Spiel enttäuscht, sondern auch schon vorher. Ich habe vier Stunden vor dem Bundesligaspiel mitgeteilt bekommt, dass mein Vertrag nicht verlängert wird, und dann noch die Art und Weise, wie das gelaufen ist. Da ist man schockiert und natürlich auch enttäuscht.

Sport1.de: Was ist denn im Vorfeld passiert?

Tarnat: Wir hatten Ende April ein Gespräch, und ich habe da gesagt, wie ich mir meine Zukunft vorstelle. Ich wollte gerne ein Jahr weiterspielen, auch weil ich diese Saison durch meine Verletzung nicht viel gespielt hatte, und daraufhin wollte sich der Verein darüber Gedanken machen und bis heute ist da noch nichts passiert.

Sport1.de: Und was war vor dem Spiel?

Tarnat: Am Samstag hat mir Dieter Hecking beim Spazieren gehen dann gesagt, dass ich gegen Wolfsburg spielen werde und quasi im gleichen Atemzug, mein Vertrag würde nicht verlängert. Und jetzt stellt er es so hin, dass ich nachgefragt und nachgebohrt hätte. Das ist nicht der Fall gewesen.

Sport1.de: Es gibt Informationen, dass man Ihnen einen anderen Job im Nachwuchsbereich bei 96 angeboten hätte. Was ist da dran?

Tarnat: Das stimmt auch nicht. In dem Gespräch Ende April hatte ich gesagt, aus Respekt und weil der Verein mir auch an Herz gewachsen ist, höre ich mir das gerne an, aber bis dato hat sich keiner bei mir gemeldet.

Sport1.de: Am Sonntagmorgen gab es bereits das erste Training. Wie war die Stimmung in der Mannschaft Ihnen gegenüber?

Tarnat: Die anderen Spieler waren schockiert und etwas überrascht gewesen von der Art und Weise des Vereins.

Sport1.de: Wie lief es mit Dieter Hecking?

Tarnat: Mit dem Trainer habe ich keinen Kontakt gehabt, da die Spieler aus der Wolfsburg-Partie sich ausliefen, und der Rest auf dem Platz trainierte.

Sport1.de: Für Sie gibt es ja auch noch die Möglichkeit, nach München zu gehen...

Tarnat: Das war auch meine erste Option. Ich bin immer noch in Kontakt mit Uli Hoeneß. Er weiß, dass ich gerne nach Ende meiner Karriere nach München zurückkehren möchte, um dort im Verein tätig zu sein. Ideal wäre für mich, dort Scout in der Jugend zu werden. Aber aus Respekt wollte ich mir auch das Angebot von 96 anhören. Aber München wäre mein erster Ansprechpartner.

Sport1.de: Kommt das Angebot aus Hannover vielleicht noch?

Tarnat: Das ist schwer zu sagen, denn so wie das gelaufen ist, war das respektlos und unwürdig einem Spieler gegenüber. Ich werde jetzt sicherlich noch mit dem Präsidenten über alles reden, weil wir auch einen guten Draht zueinander haben. Aber momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass noch ein Angebot kommt.

Sport1.de: Gehen Sie mit gemischten Gefühlen aus Hannover weg?

Tarnat: Das war die zweitlängste Station meine Profikarriere. Das steckt man nicht einfach so weg, weil ich auch immer alles gegeben habe. Deswegen bin ich auch so überrascht, dass das so gelaufen ist.

Sport1.de: Ist das auch zwangsläufig das Ende ihrer Profi-Karriere?

Tarnat: Das hatte ich schon vorher gesagt, dass ich meine Karriere bei Hannover 96 beenden will. Wenn nicht gerade ein großer Verein kommt, wird das auch so sein. Mit 39 Jahren stehen einem Spieler ja auch nicht alle Türen offen. Die Traditionsmannschaft von Bayern München wird sich freuen, dass sie nun einen jungen, wilden, hungrigen Spieler bekommt. Dort werde ich dann spielen.

Sport1.de: Gegen Wolfsburg wurde Hannover ja quasi zum Meistermacher. Gegen Bielefeld am letzten Spieltag könnten Sie in den Abstiegskampf eingreifen. Wie geht 96 in diese Partie? (Der Tabellenrechner)

Tarnat: Genauso motiviert wie gegen Wolfsburg. Und wir waren sehr motiviert. So haben wir auch die ersten Minuten gespielt. Doch wenn Stürmer wie Edin Dzeko und Grafite ihre Chancen bekommen, dann machen sie die Tore auch rein. Gegen Bielefeld haben wir nun natürlich etwas gutzumachen, denn man schaut auch auf uns. Deshalb müssen wir alle Kräfte mobilisieren, damit wir einen versöhnlichen Saisonabschluss mit einem Sieg nach Hause bringen. Für mich wäre es natürlich auch schön, wenn ich meine Karriere mit einem Sieg beende und nicht mit einer Niederlage.

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