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Sanitäter transportieren den kollabierten Ümit Özat vom Spielfeld © imago

Kölns Özat stand bei seinem Zusammenbruch an der Schwelle des Todes. Trotzdem sorgte er sich mehr um das Spiel als um sich selbst.

Von Martin Hoffmann

München - Es war ein Abend, an dem das Spiel selbst zu weniger wurde als einer Nebensache.

Nur einer, so schien es, dachte nach dem Zusammenbruch des Kölners Ümit Özat noch daran, wie es danach weiterging in der Partie beim Karlsruher SC: Ümit Özat selbst.

"Er hat mich sofort nach dem Spielverlauf gefragt und war mehr bei seinem FC als bei seinem Gesundheitszustand", erzählte Trainer Christoph Daum von seinem Besuch am Krankenbett seines Kapitäns nach dem Spiel.

"Im Krankenhaus habe ich wieder den Kämpfer Ümit gesehen, der am Liebsten aus dem Bett springen möchte und zurück aufs Fußballfeld will."

Minuten der Ungewissheit

In der 25. Minute des Spiels war Özat ohne erkennbaren Grund zusammengesackt.

Regungslos blieb der 31-jährige Türke liegen, atmete nicht mehr. Die Sanitäter kümmerten sich um ihn, setzten zur Herzmassage an, transportierten ihn vom Platz. FC-Arzt Paul Klein musste mit einer Zange Özats Zunge aus dem Hals hervorholen, die ihm bei dem Kollaps dort hineingerutscht war.

Es folgten Minuten der Ungewissheit, bis Masseur Dieter Trzolek Teil-Entwarung gab und mitteilte, dass Özat wieder ansprechbar war.

Keine Herz- oder Nervenprobleme

Mittlerweile ist Özat aus dem Krankenhaus entlassen worden, am Samstagvormittag wurde er wieder zu seiner Familie gebracht.

Zuvor untersuchten die Ärzte, ob Özats Zusammenbruch von einem Herz- oder Nervenproblem verursacht worden war - ohne Ergebnis.

Mittlerweile vermuten die Mediziner dass Özat einen Kreislaufzusammenbruch erlitten hat, weil er vor dem Spiel zu wenig gegessen oder getrunken hat.

Er soll nun drei Tage Sportpause einlegen und sich zu Hause erholen.

"Ganz schlimme Erinnerungen"

Vor dieser Diagnose hatte niemand aus dem Kölner Umfeld Ruhe.

Zu sehr erinnerte Özats Kollaps an die Herztode von Sevillas Antonio Puerta im Vorjahr oder des Kameruners Marc-Vivien Foe 2003.

Foes damaliger Nationaltrainer Winfried Schäfer war als TV-Experte vor Ort - und ihm schossen direkt wieder die Horror-Bilder in den Kopf.

"Das sind ganz schlimme Erinnerungen", schüttelte es den langjährigen KSC-Coach.

Mit Notarzt zur Intensivstation

Wie ernst die Situation war, erläuterte im Nachhinein der Stadionarzt Dr. Martin Holzapfel. "Der Spieler war auf dem Platz in akuter Lebensgefahr", erklärte er der "Bild"-Zeitung.

Özat selbst realisierte das nicht, wollte sogar wieder auf den Platz, als er dann zu sich kam: "Er war dann so verwirrt, dass er gleich wieder aufs Spielfeld laufen wollte", verriet KSC-Arzt Dr. Marcus Schweizer.

Stattdessen wurde Özat mit dem Notarztwagen auf die Intensivstation eines Karlsruher Hospitals gebracht, seine Ehefrau wurde mit einem vom FC organisierten Fahrdienst zu ihm gebracht.

Der prominente Patient erhielt zahllose Anrufe mit besorgten Fragen nach seinem Zustand, selbst der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wünschte telefonisch gute Besserung.

Eine Stimme hätte zum Abbruch gereicht

Im Stadion erwog Schiedsrichter Florian Meyer die Partie abzubrechen. "Das war der schlimmste Moment in meiner Karriere. Wenn auch nur ein Kölner gesagt hätte, wir sollen abbrechen, hätte ich das getan", erklärte der Unparteiische dem "Express".

Aber die Kunde von Özats stabilem Zustand bewog die Kölner weiterzumachen - und am Ende siegten sie sogar noch 2:0 durch Tore von Milivoje Novakovic (72.) und Sergiu Radu (84.).

Daums Halbzeitansprache, die seine Spieler zum Sieg motivierte, bestand nur aus fünf Worten: "Lasst uns für Ümit siegen."

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