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Im Clinch: Bayerns Karl-Heinz Rummenigge (r.) und Stuttgarts Jens Lehmann © getty

Den Bayern-Boss machen die Vorwürfe des VfB-Keepers wütend. Der DFB will aber nicht wegen dessen Schiri-Kritik ermitteln - zumindest vorerst.

Von Christian Paschwitz

München - Karl-Heinz Rummennige saß locker und entspannt da wie selten.

Der Vorstandschef des FC Bayern schwärmte von Dingen wie schönem Wetter und gutem Käse, für ihn eher ungewohnt sanfte Töne.

Hintergrund des netten Geplänkels: Ab sofort haben die Bayern eine Partnerschaft mit Trentino, dessen Vorzüge Rummenigge lobte.

Gelassenheit pur, kein Gedanke scheinbar an das Titelkampf-Finale am Samstag (15 Uhr LIVE) gegen den VfB Stuttgart.

"Abteilung Attacke" gereizt

Doch als sich Rummenigge der norditalienischen Urlaubsregion ab- und dem kommenden Gegner zuwandte, schlug die Stimmung schnell um. Der Bayern-Boss blies zur "Abteilung Attacke" - gereizt durch wiederholte Aussagen aus Stuttgart.

Vor allem an Keeper Jens Lehmann übte Rummenigge scharfe Kritik, warf dem 39-Jährigen gezielte Stimmungsmache vor.

"Er unterstellt den Schiedsrichtern Manipulation und Betrug. Das ist ein Blödsinn, eine Unsportlichkeit allererster Güte", polterte Rummenigge. "Ich bin mal gespannt, wie der DFB auf die Geschichte reagiert."

DFB ermittelt nicht

Dem behagen Lehmanns Anwürfe gegen die Referees in der Tat wenig. "Diese Äußerungen sind total überflüssig", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach der "Bild".

Gleichwohl sieht der Kontrollausschuss davon ab, gegen Lehmann zu ermitteln.

Allerdings:DFB-Vizepräsident Rainer gab VfB-Sportdirektor Horst Heldt deutlich zu verstehen, dass Lehmann bestraft werde, sollte er mit seinen Behauptungen nachlegen.

Rummenigge schimpfte weiter: "Die Trainer und Manager haben sich zuletzt unglaublich zurückgehalten. Jetzt gibt es den Trend, dass Spieler meinen, sich zu Wort melden zu müssen."

"Lehmann will Stimmung machen"

Was den Bayern-Vorstand konkret auf die Palme brachte: Lehmann hatte schon vor dem 33. Spieltag einen verbalen Rundumschlag vom Stapel gelassen, den Schiedsrichtern indirekt unterstellt, Spitzenreiter VfL Wolfsburg und die Bayern zu bevorzugen.

Für Rummenigge ein Unding: "Lehmann will Stimmung machen. Das ist ihm am Samstag bei unserem Spiel in Hoffenheim schon gelungen, da hat Herr Weiner einen angespannten Eindruck gemacht."

Zugleich nahm er die Unparteiischen aber in Schutz. "Es gibt überhaupt keinen Zweifel an unseren Schiedsrichtern. Wenn Wolfsburg Meister wird, dann bestimmt nicht wegen irgendwelcher Schiedsrichter-Entscheidungen. Sondern weil sie eine fantastische Saison gespielt haben. Das muss man als Spieler wie Lehmann, gerade in seinem Alter, akzeptieren. Das gehört zum Fairplay dazu."

Psychotricks auch gegen die "Wölfe"

Lehmann hatte verbal nicht bloß gegen die Bayern geschossen ("Die bekommen Entscheidung zu ihren Gunsten ausgelegt, die gegen uns gepfiffen wird").

Über die "Wölfe" hatte der VfB-Keeper gelästert: "Ich habe es noch nicht gesehen, dass sie irgendwo mal negative Entscheidungen hätten hinnehmen müssen. Bei normalen Entscheidungen wären wir schon Meister. Wir hoffen Samstag in München auf eine gute Schiedsrichter-Leistung."

Zugleich stichelte Lehmann Richtung Wolfsburg-Gegner Bremen, sich nicht hängen zu lassen: "Werder wird eventuell nicht mehr supermotiviert sein. Mal gucken, was die noch können nach dem UEFA-Cup-Finale", sagt der Ex-Nationalkeeper der "Bild".

Die große Wertschätzung des Bayern-Anhangs darf Lehmann in der Allianz Arena so oder so nicht erwarten. Seit dem Dauer-Zoff mit den früheren DFB-Team-Rivalen und Bayern-Keeper Oliver Kahn gilt der 39-Jährige in München als Feindbild.

Rücktrittsgedanken in der Arena

Bei der Arena-Eröffnungsfeier 2005 wurde Lehmann sogar derart ausgepfiffen, dass er mit seinem Rücktritt aus der Nationalelf liebäugelte.

"Ich werde dort nicht himmelhochjauchzend begrüßt", weiß Lehmann, der die Meisterschaft im Gegensatz zu Rummenigge zumindest nach offizieller Lesart keineswegs abgehakt hat.

Der Bayern-Boss dagegen gibt sich hierzu fast schon beiläufig, und rechnet angeblich nicht mehr damit, Wolfsburg noch abzufangen: "Die Würfel sind zu 99,9 Prozent gefallen."

Planungen für eine Meisterfeier gebe es nicht. Die wird im titelgewohnten München im Fall der Fälle aber sicher schnell auf die Beine zu stellen sein.

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