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So war's 2006: Magath feiert als Bayern-Coach den Titel auf dem Rathaus-Balkon © imago

Ausgerechnet am Münchner Rathaus gibt Wolfsburgs Coach ein Interview - dort, wo sonst immer der Rekordmeister seine Titel feiert.

Von Christian Paschwitz

München - Vor der letzten Etappe im Rennen um die Meisterschale ist die Zeit der gezielten Provokationen gekommen:

Nicht nur, dass Stuttgarts Keeper Jens Lehmann Tabellenführer VfL Wolfsburg und dem verfolgenden FC Bayern unterstellt, von den Schiedsrichtern bevorzugt zu werden. (zum Artikel: Lehmann stänkert, Rummenigge schlägt zurück)

Nun verspottete auch Felix Magath den Rekordmeister aus München - indem der VfL-Coach dem Bayerischen Rundfunk ausgerechnet auf dem Münchner Rathaus-Balkon ein Interview gab.

Vor den Augen tausender Passanten auf dem Marienplatz.

"Die Aussicht ist schön"

Der Bayern-Anhang dürfte schäumen. Schließlich plauderte Magath dort, wo die Bayern am Samstag doch so gerne die ersehnte 22. Meisterschaft feiern würden.

Der 55-Jährige ließ sich vom BR gerne zum Wahrzeichen der Stadt lotsen.

"Hier oben war ich seit drei Jahren nicht mehr. Aber die Aussicht ist schön", sagte Magath, der 2006 den Titel selbst einmal mit den Bayern auf dem Balkon gefeiert hatte (2005 wurde der renoviert).

Ehe er beim Rekordmeister im Winter darauf gefeuert wurde.

Stichelei schon bei Lenz-Einwechslung

Wenngleich der Trainer nun zugab: "So ganz wohl fühle ich mich nicht."

Dass es ein gelungener PR-Schachzug war, um dem Saison-Finale noch mehr Schärfe zu geben, dürfte Magath indes klar gewesen sein.

Ein kleiner vorzeitiger (Meister-)Urlaub auf Balkonien war's mitnichten.

Eher ein bewusst kalkulierter Abstecher ins "Feindesland".

Denn Magath stichelt nicht zum ersten Mal im Titelduell: Beim Wolfsburger 5:1-Husarenstück vor wenige Wochen hatte Magath die Bayern auch gedemütigt, als er kurz vor Abpfiff Ersatzkeeper noch Andre Lenz einwechselte.

Schon Interviews aus dem Perlacher Forst

Am vergangenen Wochenende wiederum gab der VfL-Coach, dessen Familie im Münchner Stadtteil Harlaching lebt, Live-Interviews demonstrativ aus dem Perlacher Forst und aus einem Münchner Restaurant.

Auf dem Rathaus-Balkon flüsterte Magath nun süffisant: "Der FC Bayern hat es selbst in der Hand.?

Und meinte damit etwas ganz anderes als zunächst erwartet. "Ein Sieg gegen den VfB Stuttgart würde den zweiten Platz bedeuten. Damit müssten die Bayern dann halt diese Saison leben."

Aber: Keine Erfahrung im Nervenspiel

Heißt dechiffriert: Dass angesichts von zwei Zählern und sieben Tore Vorsprung auf die Bayern der erste Wolfsburger Titel noch flöten geht, kann sich der mutige Magath nicht vorstellen.

Wenngleich die Entscheidung über die Meisterschaft bereits 22 Mal erst am letzten Spieltag fiel.

Und Wolfsburg (gegen Bremen) - anders als die nun direkt aufeinandertreffenden Bayern und Stuttgarter (Samstag, 15 Uhr LIVE) - mit dem Nervenspiel am 34. Spieltag keine Erfahrung hat.

In der VW-Stadt haben sie übrigens nach wie vor noch keinen "Meister-Balkon" am Rathaus.

Hoeneß wiegelt ab

Dem Kontrahenten einen solchen zu spendieren hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß 2004 versprochen, als Wolfsburg schon mal Spitzenreiter war.

Davon will Hoeneß heute nichts mehr hören, sagte Sport1.de dazu: "Die haben genug Geld, um sich ihren Balkon selbst zu finanzieren."

Keineswegs mag er sich auf Psycho-Spielchen einlassen: "Wenn man Tabellenführer ist, darf man auch schon mal ein bisschen frech sein", so Hoeneß im Bayerischen Fernsehen.

Ein bisschen gekitzelt davon wirkt der Bayern-Manager aber trotzdem, wenn er sagt: "Mal sehen wie die Sache nach dem letzten Spieltag aussieht."

Fehlte nur noch, dass Hoeneß gesagt hätte: Nicht, dass die Wolfsburger am Ende noch auf die Idee kommen, auf unserem Balkon zu feiern...

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