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Jörg Berger (M.) trägt die Hoffnungen von Detlev Dammeier (r.) und Roland Kentsch © getty

Jörg Berger wird Nachfolger von Michael Frontzeck und soll Bielefeld vor dem Abstieg retten. Der 64-Jährige ist darin Experte.

Von Thorsten Mesch

Bielefeld/München - Jörg Berger soll Arminia Bielefeld vor dem siebten Abstieg aus der Bundesliga retten.

Berger wird den 16. der Bundesliga bis zum Saisonende trainieren ? einschließlich der möglichen Relegationsspiele gegen den Drittplatzierten der Zweiten Liga.

"Das Wichtigste ist das Spiel gegen Hannover, über alles andere spreche ich erstmal nicht", betonte Berger am Dienstagmittag bei seiner Vorstellung.

Er wolle der Mannschaft "positives Denken" vermitteln und die "Negativerlebnisse der letzten Wochen aus den Köpfen kriegen."

"Wir haben es in der Hand"

Mit 27 Punkten liegt die Arminia momentan auf dem Relegationsrang 16, punktgleich mit dem Tabellen-17. Energie Cottbus.

Am letzten Spieltag (Sa., ab 15 Uhr LIVE) ist für die Bielefelder gegen Hannover 96 ein Sieg Pflicht.

Sollte Mönchengladbach zeitgleich gegen Borussia Dortmund verlieren, wäre sogar noch der Sprung auf Platz 15 und somit der direkte Klassenerhalt möglich.

Berger bezeichnete Hannover als "machbare Aufgabe. Wir haben es selbst in der Hand."

Erstes Training am Nachmittag

Der 64-Jährige, für den Bielefeld die 16. Trainerstation ist, tritt in Bielefeld die Nachfolge des am Sonntag entlassenen Michael Frontzeck (Frontzeck-Rauswurf von historischer Dimension).

Bielefeld hatte Frontzeck entlassen, nachdem Arminia einen Tag zuvor ein 0:6-Debakel bei Borussia Dortmund erlebt hatte. (SPIELBERICHT: Dortmund - Bielefeld)

Viel Erfahrung im Abstiegskampf

Berger gilt in der Branche als "Feuerwehrmann" und hat schon Schalke, Köln und Frankfurt vor dem Abstieg bewahrt.

Am letzten Spieltag der Saison 1998/99 rettete sich die Eintracht am letzten Spieltag mit einem 5:1 über Kaiserslautern durch das bessere Torverhältnis.

"Resignation ist das Alibi der Schwachen"

"Mein Leitsatz aus der damaligen Zeit lautete: 'Resignation ist das Alibi der Schwachen'", hatte Berger zuletzt in einem "Welt"-Interview gesagt.

"Diesen Satz habe ich auf mein jetziges Leben übertragen. Im Sport steht diese mentale Ausrichtung gerade im Abstiegskampf zu 90 Prozent im Vordergrund. Wer nicht psychisch stark ist, hat keine Chance."

Als Psychologe gefragt

Statt Frankfurt musste 1999 der 1.FC Nürnberg absteigen. Die Franken wären übrigens höchstwahrscheinlich Bielefelds Gegner in den möglichen Relegationsspielen.

Sein Erfolgsrezept im Abstiegskampf erklärte der als TV-Experte tätige Berger zuletzt so:

"Im Training ist jetzt eh nicht mehr viel zu ändern. Alles dreht sich um die Dinge, die sich im Kopf abspielen. Ich habe es immer so gehalten, dass ich die Mannschaft aufgebaut und an ihre Stärken erinnert habe. Draufzuhauen bringt in solchen Situationen rein gar nichts."

Erster Trainer-Job seit 2005

Bergers letztes Engagement hatte der gebürtige Sachse bei Hansa Rostock, wo er 2005 nach nur zwei Spieltagen der neuen Spielzeit entlassen worden war.

Im Jahr 2002 wurde bei Berger während seiner Anstellung beim Zweitligisten Alemannia Aachen Darmkrebs festgestellt.

Nach einer ersten Operation musste er sich 2005 erneut einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Im November 2008 unterzog sich Berger der letzten Chemotherapie.

Erst vor wenigen Wochen hatte Berger in der Bielefelder Schüco-Arena eine Heimmannschaft betreut. Ende März coachte er die Auswahl von Ansgar Brinkmann bei dessen Abschiedsspiel.

Fans wütend auf Vereinsführung

Nach Frontzecks Entlassung war zunächst der ehemalige Arminien-Coach Uwe Rapolder, momentan Trainer bei Zweitligist TuS Koblenz, als möglicher Nachfolger gehandelt worden.

In Bielefeld konzentriert sich die Wut der Fans auf den Vorstand. Die einen betrachten die Entlassung von Frontzeck, der nur sieben von 50 Spielen gewann und laut "Bild" nur 100.000 Euro Abfindung erhält, als ungerechtfertigt.

Für die anderen ist sie zu spät erfolgt. Für das Spiel gegen Hannover wurde vielerorts zu einer Demonstration gegen die Vereinsführung aufgerufen.

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