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Jürgen Klinsmann musste am 27. April beim FC Bayern seinen Hut nehmen © getty

Jürgen Klinsmann meldet sich zu Wort, wettert gegen Bayerns "Alphatiere" und Lukas Podolski und räumt Fehler ein.

München - Mit Vorwürfen gegen seine ehemaligen Vorgesetzten und die Spieler, aber auch selbstkritisch hat sich Jürgen Klinsmann 23 Tage nach seinem Rauswurf bei Rekordmeister Bayern München in der Öffentlichkeit zurückgemeldet.

Er habe es in München mit den "Alphatieren" Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer zu tun gehabt, "die natürlich auch ihren Platz haben möchten", sagte Klinsmann in der Sendung "Stern TV".

Ohne das Bayern-Dreigestirn beim Namen zu nennen, fügte der 44 Jahre alte Coach hinzu:

"Ich bin mit meiner Denkweise hier und da an die Grenzen gestoßen, weil ich es oftmals mit Leuten zu tun hatte, die sich nicht weiterentwickeln wollen, die mehr auf Besitzdenken fixiert waren. Ich aber wollte immer den nächsten Schritt machen."

Das habe er in München wegen der drei Chefs nicht tun können. "Das sind alles Alphatiere, mit denen man sich zu reiben hat", sagte er.

Bundesliga vernachlässigt

Klinsmann bezichtigte Hoeneß und Co. indirekt gar der Lüge.

Der Darstellung der Bosse, sein Nachfolger Jupp Heynckes habe bei seinem letzten Spiel auf der Bayern-Bank gegen Schalke 04 zufällig auf der Tribüne gesessen, könne man "natürlich nicht glauben", sagte er.

Und auch die Profis kritisierte Klinsmann.

Diese hätten sich "zu sehr auf die Champions League fixiert und gedacht, die Bundesliga läuft schon irgendwie, wir haben ja einen guten Kader, und wir sind ja sehr gute Spieler. Die haben das unterschätzt."

Breitseite gegen Podolski

Bezüglich des Bayern-Stürmers Lukas Podolski legte Klinsmann noch nach.

"Poldi" fehle es an "Willen und Entschlossenheit".

Der Nationalspieler sei "nicht der Typ, der sich im Haifischbecken FC Bayern durchsetzen kann und möchte - auch, weil er da mit Miro Klose und Luca Toni zwei große Namen vor sich hat. Und diesen Konkurrenzkampf wollte er und konnte er nicht annehmen", sagte Klinsmann:

"Er hat unter Felix Magath nicht gespielt, er hat unter Ottmar Hitzfeld nicht gespielt, er hat unter mir nicht gespielt, weil er ihnen nicht das Wasser reichen konnte."

"Spieler waren down und geschockt"

Laut Vorstandschef Rummenigge sollen die Bayern-Profis Klinsmanns Entlassung "neutral" aufgenommen haben - doch auch das stimmt laut Klinsmann nicht:

"Am Tag der Beurlaubung haben sich viele Spieler gemeldet. Sie waren down und geschockt und haben gesagt, sie könnten das nicht verstehen."

Die Spieler und er als Trainer waren angeblich davon überzeugt, "dass wir am Ende noch Meister werden", denn: "Die Meisterschaft wäre absolut machbar gewesen."

Kritik an Medien

Auch die Medien bekamen ihr Fett weg.

In den zwei, drei Monaten vor seiner Entlassung hätten sie "eine Hetzjagd" veranstaltet, sagte Klinsmann, der diese Zeit "unwürdig" nannte.

Aber der FC Bayern sei eben "traditionell ein Klub, bei dem viel von außen einströmt, vor allem medial, was ich jetzt gelernt habe, schmerzlich gelernt habe".

Fehler bei Kaderzusammenstellung

Sein Fehler sei es gewesen, sich "auf Kompromisse eingelassen" zu haben, "was ich als Bundestrainer nie gemacht hätte", sagte er:

"Ein Kompromiss, den ich im Nachhinein bedauere, war, dass ich diesen Kader, so wie er mir vorgegeben wurde, übernommen habe. Ich hätte von Anfang an sagen müssen, ich will noch drei, vier Spieler, um diesen Kader zu ergänzen. Da habe ich mich überreden lassen. Das war ein Fehler von mir."

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