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Guido Buchwald spielte von 1983 bis 1994 für den VfB Stuttgart © imago

Guido Buchwald köpfte den VfB vor 17 Jahren zum Last-Minute-Titel. Bei Sport1.de erinnert er sich an den glorreichen Moment.

Von Daniel Rathjen

München - Zugegeben, es ist schon etwas länger her.

Aber minder spannend wird die Geschichte dadurch nicht.

Vor allem nicht vor dem Hintergrund des irren Bundesliga-Saisonfinales am Samstag (ab 15 Uhr LIVE).

Am 34. Spieltag empfängt der FC Bayern den VfB Stuttgart. Wer siegt, hat die Qualifikation für die Champions League sicher.

Wenn parallel der VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen patzt, ist sogar der Meistertitel drin.

Es war in der Saison 1991/92, als Guido Buchwald den VfB zur Last-Minute-Meisterschaft köpfte.

"Es wird knistern wie damals", prophezeit der 48-Jährige im Gespräch mit Sport1.de.

Buchwalds großer Streich

Auch vor 17 Jahren war der VfB zum Siegen verdammt, um Borussia Dortmund noch abzufangen.

Trainer war Christoph Daum, bei Bayer Leverkusen lag sein Team zunächst durch einen Handelfmeter von Martin Kree zurück, ehe Fritz Walter ebenfalls per Strafstoß ausglich.

Matthias Sammer sah in der 79. Minute sogar noch Rot, dann kam in der 86. Minute Buchwalds großer Streich.

Im Interview erinnert sich "Diego" an den glorreichen Moment, spricht über Siegermentalität und einen überragenden Mario Gomez.

Sport1.de: Herr Buchwald, Ihrem Tor kurz vor Schluss verdankt der VfB Stuttgart den Meistertitel 1992. Wie oft erinnern Sie sich in diesen Tagen daran?

Guido Buchwald: Sehr oft. Es ist schon sehr lange her, aber die Bilder sind immer noch sehr präsent. Wie die Flanke kommt vom Wiggerl Kögel, dann der Kopfball, der Jubel, alle Dämme brechen. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen...

Sport1.de: Ein unvergesslicher Moment...

Buchwald: ... absolut, ja.

Sport1.de: Bestehen Gemeinsamkeiten zwischen dem Team 1992 und dem VfB heute?

Buchwald: Einstellung und Mentalität sind wie bei uns damals. Das Team hat einen unheimlichen Drive, den Willen, Spiele noch umzubiegen und dann nicht mehr herzugeben. So war das bei uns auch.

Sport1.de: Also gilt: Teamspirit vor Spielwitz?

Buchwald: Spielerisch ist der VfB sicherlich nicht die beste Mannschaft in der Liga, aber das Team passt einfach gut zusammen. Es freut mich zu sehen, dass es möglich ist, mit diesem Teamgeist Erfolge zu feiern.

Sport1.de: Am Samstag hat der VfB jetzt erneut die Chance auf die Last-Minute-Meisterschaft. Was erwarten Sie für eine Begegnung?

Buchwald: Es wird ein ganz offenes Spiel. Der VfB hat einen Lauf. Aber der FC Bayern hat ein Heimspiel. Beide wissen: Mit einem Sieg ist man in der Champions League. Es wird ein knappes Spiel, es wird wieder knistern wie damals.

Sport1.de: Kann der VfB bei den "endspielerfahrenen" Bayern überhaupt gewinnen?

Buchwald: Durchaus! Allerdings wird es schon schwer. Der FC Bayern spürt den Druck. Wenn es ganz schlecht läuft, rutscht er noch ab und ist in der kommenden Saison nicht bei den ganz Großen in Europa dabei. Niemand dort möchte das erleben, sie werden sich doppelt reinhängen. Es ist unheimlich spannend.

Sport1.de: Unter Markus Babbel ist der VfB wiedererstarkt. Wie groß ist sein Anteil daran?

Buchwald: Er hat aus einer Mannschaft, die leblos gespielt hat, keinen Geist mehr gehabt hat, wieder ein Team geformt, das jederzeit gewillt ist, zu gewinnen und dafür alles zu geben. Es ist sein Verdienst, dass aus vielen guten Einzelspielern auch eine gute Mannschaft geworden ist.

Sport1.de: Mario Gomez überragt dennoch. Hat er auch Sie beeindruckt?

Buchwald: Er sticht absolut heraus. Mit ihm steigt und fällt der Erfolg. Er ist schon in jungen Jahren ein absoluter Leader. Der VfB kann froh sein, dass er beim VfB ist. Aber mich beeindruckt noch etwas anderes.

Sport1.de: Was denn?

Buchwald: Die Jugendarbeit in Stuttgart. Sei es ein Tasci, ein Träsch, dann ein Khedira oder Gomez. Das ist ein großes Plus des VfB. Mit den eigenen Spielern hat man bessere Erfahrungen gemacht, als mit denen, die extern geholt werden. Spieler aus dem eigenen Nachwuchs tragen den Verein und vielleicht auch letztlich den großen Erfolg.

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