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Ottmar Hitzfeld wurde als Trainer insgesamt siebenmal deutscher Meister © intern

Im Sport1.de-Interview lotet Ottmar Hitzfeld die Chancen der Meisterkandidaten aus und sagt, wie er den FCB motivieren würde.

Von Conny Konzack

München - Das Saisonfinale steht dicht bevor.

Dem VfL Wolfsburg reicht am 34. Spieltag (Sa., ab 15 Uhr LIVE) ein Punkt gegen Werder Bremen, um Meister zu werden.

Im "Endspiel" um die direkte Qualifikation für die Champions League empfängt der FC Bayern den VfB Stuttgart (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Während die Stimmung überall hochkocht, ist Ottmar Hitzfeld ganz relaxt.

Der ehemalige Bayern-Coach und aktuelle Schweizer Nationaltrainer verfolgt den Endspurt mit Gelassenheit.

Kalt lässt den "Premiere"-Experten das Geschehen allerdings überhaupt nicht. Schließlich hat er einige turbulente Last-Minute-Entscheidungen hautnah miterlebt 84901(DIASHOW: Krimis im Endspurt).

Im Sport1.de-Interview lotet der 60-Jährige die Chancen der Meisterkandidaten aus und sagt, wie er den FC Bayern motivieren würde.

Sport1.de: Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge spricht von einer 99-prozentigen Meisterschaftschance für den VfL Wolfsburg. Sehen Sie das auch so?

Ottmar Hitzfeld: Ganz so weit würde ich nicht gehen. Eher 90 Prozent würde ich vor dem Samstag einem Meister Wolfsburg attestieren. Das soll nicht heißen, dass ich den Wolfsburgern den Titel nicht gönne. Aber die Geschichte des deutschen Fußballs hat es doch schon oft bewiesen: Bis zum letzten Abpfiff ist alles noch möglich.

Sport1.de: Sie sprechen die Last-Minute-Meisterschaft 2001 an, nicht wahr?

Hitzfeld: Unter anderem, ja. Ich denke aber auch an die Saison 1991/92, als ich mit Dortmund eigentlich auch schon Meister war, aber kurz vor Schluss noch durch ein Tor von Guido Buchwald von Stuttgart abgefangen wurde. Oder unsere dramatische Final-Niederlage in der Champions League gegen Manchester United 1999, die war wie Leverkusens Trauma 2000 in Unterhaching. Es gibt Beispiele über Beispiele... (Im Hinterkopf schwirrt der Titeltraum)

Sport1.de: Wie würden Sie Ihre Spieler motivieren, wenn Sie jetzt noch Bayern-Trainer wären?

Hitzfeld: "Nie aufgeben!" Das wäre die Devise, wenn rechnerisch noch eine Hoffnung besteht. Und vergessen Sie nicht: Bremen hat im Pokal sogar in Wolfburg hoch gewonnen. Warum sollen die das Samstag nicht noch einmal schaffen? Es ist wirklich noch spannend.

Sport1.de: Haben Sie in dieser Saison immer an "Ihren" FC Bayern geglaubt?

Hitzfeld: Ja, weil ich weiß, wie das Team über sich hinaus wachsen kann. Der FC Bayern kann seine Erfahrung nervenstark ausspielen, Coolness und Cleverness zeigen. Er verfügt über ein sehr gutes Spielermaterial. Aber ich muss zugeben: Wolfsburg hat auch nach Niederlagen meist eine gute Reaktion gezeigt, und Felix Magath immer die Ruhe bewahrt.

Sport1.de: Hätte Bayern den Titel eigentlich noch verdient, nachdem das Team kein einziges Mal in der Saison Tabellenführer war?

Hitzfeld: Das interessiert doch nicht! Entscheidend ist der letzte Spieltag und das, was die Ergebnisse und die Tabelle dann aussagen. Hoffenheim war ja auch elfmal Erster, Hamburg auch oft. Und beide sind nicht Meister geworden.

Sport1.de: Wie erklären Sie sich überhaupt, dass der FC Bayern nach dem Trainerwechsel von Klinsmann auf Heynckes noch einmal so in Schwung kam? (Klinsmann schießt zurück)

Hitzfeld: Ein Trainerwechsel setzt die Spieler mehr unter Druck, verlangt mehr von ihnen. Nicht nur beim FC Bayern. Und Heynckes ist ein Routinier, der mit Gelassenheit das ganze Umfeld bei Bayern beruhigt hat.

Sport1.de: War denn Klinsmanns System mit vielen Assistenz-Trainern so falsch?

Hitzfeld: Das muss es nicht gewesen sein. Es gibt viele Klubs, die damit Erfolg haben. Verschiedene Trainer gehen verschiedene Wege. Das eine Erfolgssystem gibt es einfach nicht.

Sport1.de: Vor wenigen Wochen sprachen Sie sich für einen Manager Oliver Kahn aus. Wäre er tatsächlich ein guter Manager für Schalke gewesen?

Hitzfeld: Warum nicht? Schalke zählt für mich zu den Enttäuschungen der Saison. Die sind förmlich abgestürzt und haben die hohen Erwartungen - auch ihre eigenen - keinesfalls erfüllt und hätten einen Mann wie Oliver gut gebrauchen können. Ich hätte mir ihn dort als Manager gewünscht, weil er Erfahrung, die wichtige Winner-Mentalität, die Intelligenz, Fachkompetenz und den Ehrgeiz hat, große Dinge zu bewegen.

Sport1.de: Magath wird nun Manager und Trainer auf Schalke. Lädt er sich damit zu viel auf?

Hitzfeld: Sicherlich gibt es verschiedene Mittel, zum Erfolg zu kommen und keine Wahrheit, welches System besser ist. Ich meine, je mehr Jobs ein Trainer in einem Verein hat, desto mehr Angriffsfläche bietet er auch.

Sport1.de: Welches Team hat Sie noch überrascht - positiv oder negativ?

Hitzfeld: Mit den Teams, die wohl absteigen, hat man rechnen können. Aber in der Liga hat mich auch Bremen enttäuscht. Wie Leverkusen. Wolfsburg, Berlin und Hamburg zählen für mich zu den positiven Mannschaften - und auch die Aufholjagden von Dortmund und Stuttgart waren einmalig.

Sport1.de: Wo steht der deutsche Fußball mittlerweile im europäischen Vergleich?

Hitzfeld: Auf Rang drei hinter England und Spanien. Das hat nicht zuletzt die Champions League gezeigt. Aber ich sehe Deutschland künftig in einem Kampf um Platz zwei - und übrigens finde ich die Bundesliga besser als die italienische Liga.

Sport1.de: Wo werden Sie sein, wenn das spannende Bundesliga-Finale entschieden wird?

Hitzfeld: Nach einer schönen Runde Golf zuhause in Lörrach am Fernseher. Ich werde es genießen, nicht in irgendeiner Verantwortung zu stehen. Für Spannung ist ja auch so gesorgt.

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