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Unorthodoxer Jubel: Chris (l.) und Ochs (r.) feiern den späten Ausgleichstreffer © getty

Wolfsburg-Coach Felix Magath war nach dem vermeidbaren Remis stocksauer, Frankfurt mit dem Punktgewinn hochzufrieden.

Wolfsburg - 60 Minuten waren die "Wölfe" bissig, 30 Minuten handzahm - zu wenig für den besten Bundesliga-Start in der Geschichte des VfL Wolfsburg.

"Wir haben nach einer Stunde das Spielen eingestellt und um den Ausgleichstreffer förmlich gebettelt", mokierte sich Trainer Felix Magath über ein 2:2 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt, das den Niedersachsen den Sprung unter die Top-Drei der Tabelle verbaute.

Bitter für die Eintracht: Kapitän Ioannis Amanatidis und Abwehrspieler Marco Russ verletzten sich. Russ erlitt einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel und fällt voraussichtlich drei Wochen aus.

Amanatidis traf es mit einem Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel noch härter. Laut der medizinischen Abteilung der Eintracht wird der Grieche wohl noch länger als Russ ausfallen.

Dabei wäre auch für die ohnehin schon dezimierte Eintracht ein Sieg möglich gewesen. Denn offenbar im Gefühl eines sicheren Sieges ließen die Platzherren vor 23.150 Zuschauern derart die Zügel schleifen, dass die Hessen Morgenluft witterten und in der 84. Minute durch Mittelfeldspieler Faton Toski noch zum Ausgleich kamen.

"Ein Punkt, der gut für die Moral ist", befand Eintracht-Torhüter Oka Nikolov.

Eklatanter Abwehr-Fehler

Schon in der ersten Halbzeit hatten die Wolfsburger durch ihren Kapitän Josue Frankfurt ein Geschenk gemacht.

Der Brasilianer bediente Amanatidis derart präzise, dass man ihm eigentlich für diese Aktion einen Assist-Point hätte zuschreiben können. Der Grieche traf mit einem Heber (22.), fünf Minuten später glichen die Platzherren durch Grafites Foulelfmeter aus.

Dezimierte Eintracht

Doch statt nach dem 2:1-Führungstreffer durch U21-Nationalspieler Ashkan Dejagah in der 51. Minute die personell gebeutelten Hessen "abzuschießen", wurden die VfL-Aktionen von Minute zu Minute nervöser. "So etwas darf nicht passieren", kritisierte Magath, der auf der Trainerbank jegliche Contenance verlor und mehrfach geradezu Richtung Spielfeld brüllte.

Denn mit dem Ausfall von Marco Russ (20.) und Amanatidis (33.) verschlimmerte sich die personelle Lage bei der Eintracht eklatant, Kapital schlugen die "Wölfe" daraus aber nicht.

Auch Dejagah war sauer: "Wir haben uns auf unserer Führung ausgeruht. Das ist auch eine Einstellungssache."

Der Konter von Magath auf die Aussage Dejagahs ließ nicht lange auf sich warten: "Dann soll er gleich mal bei sich anfangen, das wäre der richtige Weg."

In die Partie gekämpft

Motivation aus Magaths vergeblichen Versuchen, Einfluss auf das Spiel zu nehmen, zogen anscheinend eher die Frankfurter, die immer beherzter agierten, je nachlässiger Wolfsburg sein Spiel aufzog.

"Wir haben uns in dieses Match wieder richtig hineingekämpft", sagte Amanatidis, der zu diesem Zeitpunkt längst wieder auf der Bank Platz genommen hatte.

Mit Verdacht auf Muskelfaserriss war der 26-Jährige bereits nach 33 Minuten ausgewechselt worden.

"Haben immer an uns geglaubt"

Personifiziert wurde der Frankfurter Kampfgeist durch den Brasilianer Chris.

Eine notdürftig getackerte Platzwunde an der rechten Augenbraue und ein blutgetränkter Kopfverband hinderten den Südamerikaner nicht daran, als Turm in der Schlacht 90 Minuten durchzuspielen:

"Das war ein ganz wichtiger Punkt bei einem Meisterschaftskandidaten. Wir sind dafür belohnt worden, dass wir immer an uns geglaubt haben."

Warten auf den ersten Sieg

Sein Coach war ebenfalls vom Einsatzwillen seiner Schützlinge begeistert.

"Wir haben uns von nichts umwerfen lassen, so will ich meine Mannschaft immer sehen", sagte der Coach, dessen Team allerdings immer noch auf den ersten Saisonsieg warten muss.

Für Eintrachts Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen nur eine Frage der Zeit: "Das dauert nicht mehr lange."

Mindestens jedoch bis zum 12. September, wenn die Frankfurter den Karlsruher SC zu Gast haben.

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