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Bastian Reinhardt (l.) spielte drei Jahre in Bielefeld © getty

Der Hamburger SV beweist Moral und ist nach dem Sieg in Bielefeld schon da, wo er hin möchte. Trotzdem stapeln die Verantwortlichen tief.

Von Jessica Pulter

München - Der HSV hat in den letzten Tagen tief in die Geldbörse gegriffen, rund 27 Millionen herausgeholt und gleich vier neue Spieler geholt.

Für Bayern-Präsident Franz Beckenbauer sind die Hanseaten damit zu einem echten Titelkandidaten geworden.

Nach dem eindrucksvollen 4:2 (1:2)-Sieg bei Arminia Bielefeld sollten nun auch die anderen Klubs gewarnt sein.

"Wir haben uns zwar gut verstärkt"

Denn Hamburg hat es zum ersten Mal seit neun Jahren geschafft, einen Zwei-Tore-Rückstand in der Bundesliga noch in einen Sieg umzumünzen und steht punktgleich mit Schalke auf Platz zwei der Tabelle.

Trotzdem will Dietmar Beiersdorfer seine Mannschaft noch nicht zum Meisterschaftsanwärter ausrufen.

"Wir haben uns zwar gut verstärkt", so der Sportdirektor. "Man darf aber nicht vergessen, dass wir auch gute Spieler abgegeben haben."

Doch zumindest gegen Bielefeld hat man Rafael van der Vaart nicht vermisst.

Angst vor Reinhardt

"Dieses 4:2 haben wir uns durch viel Moral und Geduld verdient", meinte Hamburgs Bastian Reinhardt, der zum ersten Mal in der Bundesliga einen Doppelpack (40., 50.) schaffte.

"Die erste Halbzeit war einfach Hölle, denn wir haben zwei dumme Tore kassiert. Aber wir haben weiter an unsere Chance geglaubt", so der Ex-Bielefelder weiter.

DSC-Sportdirektor Detlev Dammeier meinte dann auch: "Vor dem Spiel habe ich noch mit Dietmar Beiersdorfer geflachst und ihm gesagt, dass Bastian Reinhardt der Einzige sei, vor dem ich Angst habe. So kann es gehen."

Debüt für Jansen

"Das war ein völlig verrücktes Spiel", gab dann auch Marcell Jansen zu.

Der Nationalspieler, der erst in dieser Woche zu den Hamburgern stieß und bislang nur eine Trainingseinheit mit seinen neuen Kollegen absolvierte, spielte von Beginn an, musste aber nach 65 Minuten angeschlagen vom Platz.

Allerdings war dies wohl mehr eine Vorsichtmaßnahme.

Neves unterschreibt am Sonntag

Jansen war der einzige Neuzugang, der in der Startelf stand.

Mladen Petric drückte eine Halbzeit lang nur die Bank und die beiden Brasilianer Alex Silva und Thiago Neves stehen noch gar nicht zur Verfügung. Apropos Neves: Der 23-Jährige unterschrieb einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2013.

Brasilianische Medien berichten, dass sich die Hamburger für 9,2 Millionen Euro Ablösesumme an Fluminense Rio de Janeiro 80 Prozent der Transferrechte an dem trickreichen Mittelfeldspieler sicherten.

Fehler in der HSV-Defensive

In Bielefeld lief aber noch nicht alles rund für die Gäste, die Arminia übernahm von Beginn an das Kommando, ging durch Neuzugang Christopher Katongo (9.) und Artur Wichniarek (37.) mit 2:0 in Führung.

Dabei machte insbesondere die Viererkette mit Joris Mathijsen und Reinhardt in der Innenverteidigung keine gute Figur.

"Uns fehlte die Konzentration", erklärte HSV Trainer Martin Jol. "Wir haben aber nie die Kontrolle verloren und in der zweiten Halbzeit die wichtigen Tore im richtigen Moment geschossen."

So waren es nach Reinhardt Ivica Olic (64.) und David Jarolim (77.), die den Sieg unter Dach und Fach brachten.

Keine Kritik vom Coach

Die Arminia zollte zu dem Zeitpunkt dem hohen Anfangstempo der ersten Halbzeit Tribut, weshalb Trainer Michael Frontzeck trotz der Niederlage keine Kritik an der Leistung seiner Mannschaft übte. "Es war insgesamt ein tolles Spiel mit dem falschen Ausgang", so der Coach.

"Der Unterschied war, dass der HSV aus fünf Chancen vier Tore gemacht hat, wir aus acht oder neun leider nur zwei."

Zwei Stolpersteine überwunden

Die Bielefelder haben zwar nach dem dritten Spieltag nur zwei Punkte auf dem Konto und finden sich im unteren Drittel der Tabelle wieder, trotzdem kann der Klub zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Denn mit Bremen und Hamburg hat man bereits gegen zwei Titelaspiranten gespielt - auch wenn zumindest die Hamburger das noch nicht zugeben wollen.

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