vergrößernverkleinern
Können sich auf einiges gefasst machen: Pizarro (l.), Frings (M.) und Rosenberg © getty

Bremens Manager Allofs und Trainer Schaaf finden nach der Pleite in Gladbach und dem Liga-Fehlstart deutliche Worte.

Von Jan Reinold

München - Nach der 2:3-Niederlage in Gladbach und dem schlechtesten Bundesligastart seit neun Jahren haben die Bremer Verantwortlichen mit drastischen Worten die schwache Vorstellung ihrer Mannschat kritisiert und den Spielern mit Konsequenzen gedroht.

"Ich suche nach dem richtigen Wort", bekannte ein sichtlich geschockter Werder-Manager Klaus Allofs unmittelbar nach dem Spiel.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon einmal so schlecht gespielt haben, so viele Dinge falsch gemacht haben", so der 51-Jährige weiter.

"Die Art und Weise wie wir gespielt haben schmerzt mehr als die Niederlage. Für den Erfolg muss jede Mannschaft hart arbeiten, egal ob Manchester United oder Real Madrid. Das haben wir nicht getan. Es wird für die Spieler unruhiger werden."

Allofs kündigt Gespräche an

Allofs kündigte an, dass die Niederlage durch Gegentore von Karim Matmour (12. Minute), Rob Friend (30.) und Alexander Baumjohann (71.) noch vor der bevorstehenden zweiwöchigen Länderspielpause intensiv aufgearbeitet wird.

"Wir werden den morgigen Tag nutzen, um über das Spiel zu sprechen", sagte der Manager.

"Ich hoffe, dass die Spieler wissen, dass man so eine Leistung einfach nicht mehr abliefern kann. Wenn nicht, werden sie es morgen erfahren."

"Gewaltiger Schritt zurück"

Nicht minder deutlich wurde auch Trainer Thomas Schaaf.

"Die Grundeinstellung hat heute gefehlt. Wir haben gedacht, dass wir alleine mit spielerischen Mitteln durchkommen, aber das geht nicht", analysierte der Coach.

"Gladbach hat verdient gewonnen. Sie haben sehr aggressiv, sehr kampfbetont und sehr einsatzfreudig gespielt", erkannte Schaaf an.

All das habe seinem Team gefehlt: "Wir können das Spiel nur so sehen, dass uns der letzte Wille gefehlt hat, das Spiel zu gewinnen und uns zu behaupten. Wir haben einen gewaltigen Schritt zurück gemacht."

Altbekannte Probleme

Mit ihrer deutlichen Kritik gestanden sowohl Allofs als auch Schaaf ein, dass das Bremer Spiel immer noch an den gleichen Problemen wie in den Vorjahren krankt.

Zum einen gelang es der Mannschaft nicht, kämpferisch gegenzuhalten, zum anderen offenbarte sich auch heute wieder bei den Gegentoren, dass die Bremer in der Defensive äußerst anfällig sind.

Beim ersten Gegentreffer durch Matmour nach toller Vorarbeit von Nationalspieler Marko Marin machte die unbewegliche Innenverteidigung mit Naldo und Sebastian Prödl eine ganz schlechte Figur.

Der Österreicher Prödl kam auch beim Kopfballtor von Friend den entscheidenden Schritt zu spät.

Und beim 0:3 ließ Baumjohann bei seinem 70-Meter-Solo mit Frings, Naldo und Boenisch gleich drei Bremer einfach stehen.

"Eine Menge Fehler"

Während Baumjohanns sehenswerter Treffer bei Gladbachs Trainer Jos Luhukay Begeisterung hervorrief ("Er spaziert mit seinem Dribbling an drei Gegenspielern vorbei und macht das Tor ganz hervorragend"), sah Allofs bei allen drei Gegentoren "eine Menge Fehler hintereinander".

"Wir machen es dem Gegner einfach zu leicht, Tore gegen uns zu erzielen", fuhr der Manager fort. "Das endet dann natürlich mit Niederlagen."

Dem stimmte auch Frank Baumann zu: "Die Gladbacher haben auf unsere Ballverluste in der Vorwärtsbewegung gewartet, um dann schnell zu kontern. Das haben sie sehr, sehr gut gemacht und wir haben ihnen eben den Gefallen getan, die Fehler zu machen."

Pizarro und Diego treffen

Die Pleite gegen den defensiv hervorragend stehenden und immer wieder mustergültig konterden Aufsteiger konnte auch Spielmacher Diego bei seinem Saisondebüt nicht verhindern.

Mit seinem herrlichen Freistoßtreffer zum 2:3 Endstand (89.) und dem vorangehenden Abstaubertor von Chelsea-Leihgabe Claudio Pizarro (79.), der sein erstes Tor für die Hanseaten seit dem 12. Mai 2001 erzielte, gelang nur noch Ergebniskosmetik.

Erleichterung bei den "Fohlen"

Ganz anders als im Bremer Lager war die Stimmung bei den Gladbachern, die die aufkommende Krise nach zwei Niederlagen zum Saisonstart mit dem Sieg im Keim erstickten.

"Die Erleichterung ist sehr groß", bekannte Luhukay. "Es war eine große Herausforderung gegen Werder Bremen zu spielen und zu gewinnen. Ich muss meiner Mannschaft ein Riesen-Kompliment machen. Wir haben mit Herz und Leidenschaft agiert und taktisch sehr gut gespielt", lobte der Niederländer.

Und Marin ergänzte: "Wir hatten eigentlich nichts zu verlieren. Wir sind mit null Punkten gestartet und spielen dann zu Hause vor so einem tollen Publikum frech auf. Wir haben super gespielt."

Kein Grund zur Euphorie

Luhukay warnte jedoch trotz des befreienden Sieges, dass "wir nun nicht abheben dürfen".

Zudem schloss der 55-Jährige nicht aus, dass der fünfmalige deutsche Meister bis zum Ende der Transferperiode am Montag noch einmal aktiv wird. "Wir müssen abwarten, ob noch ein Spieler auf dem Markt ist, der zu uns passt", so Luhukay.

Das bestätigte sich am Sonntag. Denn die Gladbacher haben noch US-Nationalspieler Michael Bradley vom SC Heerenveen für die kommenden vier Jahre verpflichtet.

Eine andere Strategie

Die Bremer hingegen verfolgen eine gänzlich andere Strategie zur Problemlösung.

"Unsere Leistung, die wir heute geboten haben, muss sich ändern", stellte Schaaf klar. "Und die Ergebnisse müssen sich ändern".

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel