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Party-Laune mit Maskottchen "Jünter": Gladbachs Spieler feiern den Klassenerhalt © getty

Klassenerhalt geschafft, Stimmung bestens - anders als beim BVB. Die Zukunft von Gladbachs Trainer und Marin aber ist ungewiss.

Von Christian Paschwitz

München/Mönchengladbach - So unterschiedlich können Gefühlslagen ausfallen nach einem 1:1:

Ausgelassen wie kleine Kinder feierten die Spieler von Borussia Mönchengladbach den Klassenerhalt, fielen sich um den Hals, als Schiedsrichter Dr. Felix Brych um 17.20 Uhr abpfiff.

Vor der Fankurve zeigte Torhüter Logan Bailly einen Flickflack, stimmte mit den jubelnden Anhängern die ultimative Rettungs-"Humba" an.

Nur ein paar Meter weiter dagegen Entsetzen und Wut: Borussia Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller pfefferte einen Wasserflasche in die Ecke.

Tränen beim BVB

Felipe Santana und Dede ließen ihren Tränen freien Lauf. Aus der Traum von der Teilnahme an der neuen Europa League: Es hat nicht gelangt für die Borussia.

Weil der Hamburger SV, ärgster Rivale im Kampf um das internationale Geschäft, in Frankfurt doch noch einen Sieg einfuhr.

Als "unglaubliche Traurigkeit" umriss BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke seine Gefühlswelt. Und Jürgen Klopp (Porträt) meinte: "Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß."

Allerdings schob der BVB-Coach kurz darauf hinterher: "Ich bin stolz darauf, was diese Truppe geleistet hat. Ich hoffe, dass wir viele tolle Erlebnisse aus diesem Jahr mitnehmen können."

Chaos-Saison zu Beginn

Nicht final greifen konnten sie indes den fünften Platz, für den der Ausgleichstreffer von Jakub Blaszczykowski (65.) zu wenig blieb als Antwort auf auf die Gladbacher Führung durch den starken Dante (57.).

Gegenüber hatte man kaum einen Blick übrig für das Tal der Tränen, das die Gladbacher mit dem Klassenerhalt zu verhindern wussten.

Obwohl die "Fohlen" wochenlang auf einem Abstiegsplatz standen, nach der Hinrunde sogar Letzter waren.

Ungeachtet dessen, in Person von Jos Luhukay die schnellste Trainer-Entlassung der Saison hingelegt, obendrein einen Sportdirektor (Christian Ziege) verschlissen zu haben.

"Uns sind einige Steine vom Herzen gefallen. Das muss man jetzt erst mal realisieren", sagte Sportdirektor Max Eberl nun.

Eher still genoss Trainer und "Retter" Hans Meyer den Erfolg seiner "Mission impossible."

Macht der Coach weiter?

Fragen über die eigene Zukunft in Gladbach verbat sich der 67-Jährige allerdings: "Heute denken alle Gladbach-Fans nur an den Klassenerhalt und nicht an Hans Meyer. Darüber werden wir in den nächsten Tagen reden."

Die Chancen auf Meyers Bleiben stehen offenbar 50:50, wenngleich Sportdirektor Eberl davon überzeugt ist, am Niederrhein keinen neuen Trainer suchen zu müssen.

Statt über sich sprach der Trainer-Fuchs, der zwischenzeitlich sogar an Rücktritt gedacht hatte ("Weil ich nicht an die Mannschaft geglaubt hatte") lieber über sein Team.

Das sich mit nur elf Punkten "quasi in die Winterpause gerettet" und dann mit vier Verstärkungen die erfolgreiche Aufholjagd gestartet hatte.

"Kann nur den Hut vor der Mannschaft ziehen"

"20 Punkte in der Rückrunde bei nur acht Heimspielen, das ist lobenswert. Ich kann nur den Hut vor meiner Mannschaft ziehen", so Meyer.

Und weiter: "Wie sich die Jungs in der Rückrunde präsentiert haben, obwohl sie immer unter Druck standen und immer das Abstiegsgespenst vor Augen hatten - das war richtig gut."

Der abstiegskampferprobte Meyer, 2003 schon mit Hertha BSC und 2006 beim 1. FC Nürnberg als "Feuerwehrmann" erfolgreich, hob dabei besonders die im Winter geholten "alten Männer" Paul Stalteri (31) und Tomas Galasek (36) hervor.

Was den Borussen nicht zuletzt die Klasse hielt, waren aber die ebenfalls vor der Rückrunde für fünf Millionen Euro gekommenen Zukunftshoffnungen Dante und Logan Bailly.

Der Brasilianer hatte schon in der Schlussminute in Cottbus ein ganz wichtiges Tor geköpft - nun wiederholte sich die Geschichte gegen Dortmund. Und Keeper Bailly hat sich laut Meyer schon jetzt "richtig bezahlt gemacht".

Marin offenbar weg

Anderweitig Kasse machen dürften die Gladbacher mit Nationalspieler Marko Marin: Der Jung-Nationalspieler scheint sich einig mit Werder Bremen, im Gespräch für den Mittelfeld-Dribbler ist eine Ablöse von zehn Millionen Euro.

"Wir wollten uns nach der Saison zusammensetzen", sagte Eberl, der noch versucht, Marin zum Bleiben zu überzeugen. "Wenn ich das Publikum sehe und die Mannschaft, die lebt, da kann er sich richtig gut entwickeln."

Dass der Abschied des Flügelflitzers nach Bremen längst fix sei, wies Eberl jedenfalls zurück: "Ich habe weder mit Klaus Allofs noch mit Dietmar Beiersdorfer oder mit den Managern von Sevilla, Tottenham, Middlesbrough oder Blackburn gesprochen."

Während er die Mannschaft zum Feiern schickte ("Die Jungs können jetzt in Ruhe ein Bierchen trinken") geht für den Sportdirektor die Saison in die Verlängerung.

Als bisher einziger Zugang steht bislang allein der Niederländer Marcel Meeuwis (Roda Kerkrade) fest, als Ersatz für Galasek (Vertragsende).

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