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Stiven Rivic (M.) und Kollegen feierten den Sprung auf den Relegationsplatz © getty

Die Freude ist groß über den Relegationsplatz bei Energie Cottbus, doch für Feiern bleibt keine Zeit. Prasnikar warnt vor Leichtsinn.

Cottbus - Nach dem nervenaufreibenden Kraftakt am letzten Spieltag schwören sich die Cottbuser Stehaufmännchen auf ein weiteres "Wunder von der Lausitz" ein.

"Der ganze Verein ist ab jetzt im Ausnahmezustand. Wir werden in den zweimal 90 Minuten alles tun, um das Wunder noch einmal wahr zu machen", sagte Energie-Manager Steffen Heidrich mit Blick auf die Relegationsspiele am 28. und 31. Mai gegen den Dritten der 2. Liga, entweder den FSV Mainz 05 oder den 1. FC Nürnberg.

Auf der Zielgeraden erkämpften sich die Cottbuser dank des 3:0-Sieges gegen Pokal-Finalist Bayer Leverkusen (Spielbericht: Mit einem Kraftakt in die Relegation) und der Schützenhilfe von Hannover 96 doch noch den Relegationsplatz und dürfen unverhofft wieder vom Klassenerhalt träumen. ad

Hannover mit Schützenhilfe

"Das war ein Sieg des Willens, schon die ganze Woche hat man die Nervosität gespürt. Wir hatten ein Ziel und das haben wir erreicht. Die Relegation ist jetzt eine neue Variante, mit der wir zurecht kommen müssen", sagt Trainer Bojan Prasnikar.

Die 96er rangen dem direkten Konkurrenten von Energie, Arminia Bielefeld, ein 2:2 ab. "Ein Riesenkompliment an Hannover. Das macht den Fußball aus, dass eine Mannschaft kämpft, obwohl es um nichts mehr für sie geht, das ist aller Ehren wert", meint Energie-Verteidiger Daniel Ziebig.

"Wir schicken ein paar Fässer Spreewaldgurken nach Hannover", ergänzt Heidrich, "wir müssen die Euphorie mitnehmen, dann haben wir eine gute Chance. "

Vorbereitung auf Nürnberg

An Ausscheidungspiele haben die Cottbuser gute Erinnerungen: Im Jahr 1997 schaffte das Team unter dem damaligen Trainer Ede Geyer in zwei emotionsgeladenen Duellen gegen Hannover den Sprung in die Zweite Liga.

Dorthin wollen sie aber nicht zurück, deshalb reisen Heidrich und Trainer Bojan Prasnikar am Sonntag nach Nürnberg, um den Club als wahrscheinlichen Relegationsgegner zu beobachten.

"Jetzt gibt es nochmal Nervenkitzel"

"Für uns hat das etwas von Europapokal", sagte der seit Wochen überragende Torhüter Gerhard Tremmel, dem Cottbus auch gegen Leverkusen den Sieg zu verdanken hatte, "die Fans unterstützen uns seit Wochen hervorragend. Jetzt gibt es nochmal richtig Nervenkitzel."

Kapitän Timo Rost stimmt dem zu: "Wir haben unser Minimalziel erreicht. Aber mit unseren Fans im Rücken schaffen wir auch die nächste Hürde. Die Feier wird heut allerdings klein ausfallen, da ja noch zwei Spiele bevorstehen."

Der "Kaiser" mit Anerkennung

Selbst Franz Beckenbauer zeigte sich von so viel Stehauf-Qualitäten beeindruckt.

"Sie waren ja auch in den letzten Jahren fast schon abgestiegen, da hat keiner mehr einen Pfifferling auf sie gegeben. Aber sie stehen immer wieder auf", sagte der Premiere-Experte.

Zur Halbzeit sah es schlecht aus

Dabei hatte dem einzig verbliebenen Bundesliga-Ost-Klub in der Halbzeitpause beim Stand vom 0:0 und dem letzten Platz in der Live-Tabelle mehr denn je der zweite Abstieg nach 2003 gedroht.

Doch Energie mobilisierte noch einmal alle Kräfte und erzwang - begünstigt durch die Gelb-Rote Karte des Leverkuseners Arturo Vidal wegen Foulspiels Sekunden vor dem Halbzeitpfiff - die Treffer durch Stürmer Emil Jula (50., 69.) und Stiven Rivic (64.). "Wir nutzten die Gelb-Rote Karte perfekt aus und haben den Sieg verdient", meint Prasnikar.

Konzentration fehlt

Doch Trainer Prasnikar, der schon vor Monaten eine Jobgarantie auch für die zweite Liga erhalten hatte, sah keinen Grund, in Euphorie zu verfallen.

Der Slowene nahm den verschossenen Elfmeter von Ervin Skela in der 90. Minute zum Anlass, seinem Team den Ernst der Lage deutlich zu machen: "Dieser Elfmeter hätte bei der engen Tordifferenz den Abstieg besiegeln können. Wir müssen bei so etwas viel konzentrierter sein."

Viele Baustellen vor dem Pokal-Hit

Leverkusens Coach Bruno Labbadia vermisste dagegen bei seinen Spielern viel elementarere Dinge - und das eine Woche vor dem Pokalfinale gegen Werder Bremen.

Was sein Team nach dem ersten Gegentreffer gezeigt habe, "war absolut schlecht", meinte der ehemalige Profi und nahm seine "Sommerfußballer" zur Brust: "Es haben zu wenige auf dem Platz Verantwortung übernehmen wollen", vor allem Gelb-Rot-Sünder Vidal bekam sein Fett weg: "Der Platzverweis war absolut dumm."

Innenverteidiger Manuel Friedrich redete gar nicht erst um den heißen Brei herum: "Wir wollten uns Selbstvertrauen holen, das ist gründlich in die Hose gegangen."

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