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Felix Magath wurde zum dritten Mal nach 2005 und 2006 als Trainer Deutscher Meister © getty

Innerhalb von zwei Jahren hat Felix Magath den VfL Wolfsburg zu einem Meisterteam geformt. Die Autostadt verfällt in Euphorie.

Von Martin van de Flierdt und Jürgen Blöhs

München/Wolfsburg - Den Ersten ließ er noch ins Leere laufen, aber dann war Felix Magath geliefert.

Gleich sieben seiner Spieler waren mit vollen Bierkrügen auf den scheidenden Trainer, Manager und Geschäftsführer des VfL Wolfsburg losgestürzt.

Sascha Riether glitt auf dem feuchten Rasen aus und schlitterte an seinem Vorgesetzten vorbei.

Aber seine Kollegen ließen sich nicht austanzen und schütteten Magath literweise Bier über den Kopf.

Denn sie wussten genau, wem der VfL Wolfsburg seinen ersten deutschen Meistertitel zu verdanken hatte, den er kurz zuvor mit einer 5:1 (3:1)-Gala gegen Werder Bremen perfekt gemacht hatte. (Wolfsburg spaziert zur Meisterschaft)

"Das habe ich selbst nicht für möglich gehalten"

"Als ich vor zwei Jahren nach Wolfsburg kam, habe ich einen Trümmerhaufen vorgefunden", schilderte Magath seine Ausgangslage.

"Dass ich daraus innerhalb von zwei Jahren eine Meistermannschaft formen kann, habe ich selbst nicht für möglich gehalten."

Damit befand er sich in bester Gesellschaft. Noch im Winter, als der VfL als Tabellenneunter im Mittelfeld herumdümpelte, hätte niemand auf die Niedersachsen gewettet.

"Als wir dann aber unsere Serie von elf Spielen ohne Niederlage gestartet haben und merkten, dass die Konkurrenz sich gegenseitig schlug, da haben wir geahnt, dass es für mehr als den UEFA-Cup reicht", meinte Alexander Madlung zu Sport1.de.

Dortmund als Meilenstein

Magath war sich "nach dem 3:0 gegen Dortmund am 32. Spieltag relativ sicher, dass wir das bis zum Ende durchstehen werden".

"Wir haben über die Saison gesehen vielleicht nicht die beste Mannschaft gehabt, aber den besten Fußball geboten und sind verdient Meister geworden", fand der 55-Jährige, der auf dem Höhepunkt abtritt und nach Schalke wechselt.

"Ich bin heilfroh und glücklich, dass wir das geschafft haben. Dass jetzt der Abschied schwer fällt, ist doch klar. Es war keine meiner Stationen so schön wie die zwei Jahre in Wolfsburg."

Schließlich hat Magath den VfL zum elften Meisterklub der Bundesligageschichte gemacht.

"Wir realisieren das noch nicht"

"Ich glaube, wir realisieren das alles noch gar nicht", räumte Marcel Schäfer freudetrunken ein. "Wir feiern zwar, aber so richtig in den Köpfen ist es noch nicht, was wir hier erreicht haben."

Der letzte von den 34 Schritten zum großen Coup war dabei zu einem der leichtesten geraten.

Dem vom nach Verlängerung verlorenen UEFA-Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk noch müden Gegner Werder Bremen wurde früh der Zahn gezogen. 108867(DIASHOW: Die Bilder des 34. Spieltags)

Treffer von Zvjezdan Misimovic (6.), Grafite (15.) und ein Eigentor von Sebastian Prödl (26.) räumten schon bis Mitte der ersten Halbzeit jegliche Zweifel am Titelgewinn der Wolfsburger aus.

Rekordduo Dzeko/Grafite

Bremens Ehrentreffer durch Diego (31.) störte niemanden, Grafite (56.) und Edin Dzeko (74.) schraubten das Resultat nach der Pause auf die eindrucksvolle Höhe.

Wolfsburgs Brasilianer, mit 28 Treffern Torschützenkönig, übertraf zudem gemeinsam mit Dzeko (26) die Marke von 53 Toren, mit der Gerd Müller und Uli Hoeneß als bislang erfolgreichstes Angriffsduo der Ligageschichte geführt wurden.

"Dass wir diesen Rekord gebrochen haben, ist toll", fand der von europäischen Großklubs umworbene Dzeko. "Dass ich innerhalb von zwei Jahren in Deutschland Meister werde, ist ein Traum. Wahnsinn!"

Offensive als Erfolgsgarant

Mit 80 Toren widerlegte der VfL den alten Grundsatz, dass in erster Linie die Defensive Meisterschaften gewinnt.

"Diesmal hat die Offensive den Titel geholt", meinte Christian Gentner bei Sport1.de, ohne dabei die Leistung von Torhüter Diego Benaglio oder der Abwehr um den 14-Millionen-Euro-Einkauf Andrea Barzagli kleinreden zu wollen.

"Felix Magath hat die richtigen Spieler verpflichtet und es geschafft, ein großes Team aufzubauen", zollte VW-Chef Martin Winterkorn dem Meistermacher Respekt.

Dieses Team wird aller Voraussicht nach in der nächsten Saison von Armin Veh trainiert, dessen offizielle Vorstellung am Sonntag erwartet wird. (Veh offenbar neuer Coach in Wolfsburg)

120.000 vor langer Nacht

Doch das war am Tag des Triumphs für die Spieler noch weit weg.

Sie fuhren am Abend in einem Korso von weißen Cabrios zum Wolfsburger Rathausmarkt, wo 120.000 Fans den ersten niedersächsischen Titelträger seit Eintracht Braunschweig 1967 hochleben ließen.

"Wir feiern jetzt die ganze Nacht", kündigte Dzeko an. Und womöglich noch länger.

"Denn diese Nacht", kündigte Gentner an, "wird eine sehr, sehr lange."

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