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Untröstlich: Vlad Munteanu (l.) und Artur Wichniarek © getty

Jörg Berger scheitert mit seiner Rettungsmission bei der Arminia, kündigt seinen Abgang an - und hinterlässt einen Klub im Chaos.

Von Martin Hoffmann

München - Hätte Jörg Berger mit Arminia Bielefeld gegen Hannover 96 gewonnen, es wäre eine herzerwärmende Geschichte geworden.

Der ewige Feuerwehrmann, der nach einer Krebserkrankung auf die Trainerbank zurückkehrt und in einem einzigen Spiel seinen siebten erfolgreichen Rettungseinsatz im Profifußball feiert.

Doch das Spiel endete 2:2 (SPIELBERICHT: Berger kann Arminia nicht retten), Arminia ist abgestiegen und Bergers Engagement in Bielefeld geht nicht als Heldenstück in die Fußballgeschichte ein - sondern als ein kleines Stück absurdes Theater.

Berger kündigt Abgang an

Berger, über den es mal hieß, dass er auch die Titanic gerettet hätte, hat die Kollision mit dem Eisberg diesmal nicht verhindern können.

Und er stellte auch direkt klar, dass das gesunkene Schiff auf keine weitere Hilfe von ihm mehr hoffen darf: "Wir werden uns zusammensetzen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass ich jetzt weitermache."

Der verhinderte Retter gibt das Steuer wieder ab - und zurück bleiben eine deprimierte Besatzung, meuternde Passagiere und eine panische Kommandobrücke.

Selbstzerfleischung bei der Arminia-Führung

Dass bei Bielefelds Führung die Nerven blank liegen, dafür hatte die Spontan-Entlassung von Michael Frontzeck nach dem 33. Spieltag schon deutliche Anzeichen geliefert.

Und diesen Eindruck bestätigten die Oberen der Arminia, indem sie nach dem Abstieg schnell zur Selbstzerfleischung übergingen.

"Ich habe ja immer gewarnt, dass die Mannschaft falsch zusammengesetzt ist", wütete Präsident Hans-Hermann Schwick in Richtung von Sportchef Detlev Dammeier: "Noch im Winter habe ich zwei Offensivspieler gefordert. Da hätte unsere Sportliche Leitung reagieren müssen."

Dammeier vor der Ablösung

"Wir hatten Spielräume", stellte Schwick dabei auch klar: "Der Etat-Rahmen wurde vor der Saison nicht ausgeschöpft."

Ein Anwurf gegen Finanzchef Roland Kentsch, der ebenfalls mit dem Finger auf Sportdirektor Detlev Dammeier zeigte: "Unsere sportliche Leitung war überzeugt, dass die Qualität der Mannschaft ausreicht."

Das fröhliche Hau-den-Detlev-Spiel deutet darauf hin, dass sich die Ära Dammeier bei der Arminia wohl dem Ende nähert.

"Wir müssen uns zusammensetzen und über Konsequenzen sprechen", machte Schick deutlich, der noch festhielt, dass er "früher auf den Tisch" hätte hauen müssen.

VIP-Bereich wird zur Zielscheibe

So wie Schwick nach dem Abstieg mit seinen Untergebenen abrechnete, so rechneten auch die Fans mit der Vereinsführung ab.

Eine wütende Meute von rund 500 Arminia-Anhängern stürmte nach Abpfiff die Gegentribüne und richtete zornige Parolen an die Kluboberen im VIP-Bereich.

"Wir sind Arminen - und ihr nicht!" wurde zum Slogan der Aufgebrachten.

"König Artur" ein Häufchen Elend

Grabesstimmung herrschte derweil bei Bielefelds Spielern.

Ein besonders bemitleidender Anblick war der zuletzt formschwache Torjäger Artur Wichniarek, der gegen Hannover mehrere Großchancen ausließ - und danach unter Tränen nach Worten rang.

"Das ist ganz bitter", hielt er um Fassung bemüht fest.

Enke tritt auf Arminia-Führung ein

Als wäre das noch nicht genug, trat auch noch Hannovers verletzt ausgewechselter Keeper Robert Enke auf die Klubführung des Gegners ein.

"Eine absolut unnötige Aktion", kommentierte er die Entlassung seines einstigen Gladbacher Teamkollegen Frontzeck.

"Ich weiß dass zwischen der Mannschaft und Michael alles gestimmt hat und das Verhältnis absolut intakt war."

Bergers Flunkerei

Umso naiver wirkt nun Bergers fünf Tage altes Zitat, er hätte den Job in Bielefeld nicht angetreten, hätte er "den Hauch eines Zweifels" am Erfolg seiner Mission gehabt.

Aber dass das eine Flunkerei war, gab Berger direkt nach dem Spiel schon zu.

"Ich musste doch auch vorher damit rechnen, dass nicht alles so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe."

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