vergrößernverkleinern
Tranquillo Barnetta spielt seit 2005 bei Leverkusen © getty

Leverkusen hat Hoffenheims Himmelsstürmer auf den Boden zurückgeholt. Die Philosophie von Bayer-Coach Labbadia beginnt zu greifen.

Von Andreas Messmer

München - Nach dem Traumstart mit zwei Erfolgen ohne Gegentor ist Aufsteiger 1899 Hoffenheim beim Gastspiel in Leverkusen unsanft in die Realität zurückgeholt worden.

Die jüngste Mannschaft der Liga zahlte gegen das zweitjüngste Team Lehrgeld. Mit einer deutlichen 2:5 (1:3)-Schlappe mussten die Hoffenheimer die Heimreise antreten.

"Wir haben vorher gewusst, dass wir zum ersten Mal auf eine absolute Spitzenmannschaft treffen", sagte Hoffenheims Coach Ralf Rangnick: "Insgesamt haben wir einfach ein paar Fehler zu viel gemacht."

Drei Tore nach ruhenden Bällen

Seine Offensivabteilung hatte der Trainer wohl nur in zweiter Linie gemeint. Die entscheidenden Fehler leisteten sich seine Abwehrspieler nach Standardsituationen.

Die ersten drei Gegentore durch Karim Haggui (8.), Manuel Friedrich (17.) und Stefan Kießling (36.) fielen nach ruhenden Bällen. Bei allen Treffern leisteten die irrlichternden Abwehrspieler bereitwillig Beihilfe.

"Wir waren insgesamt zu naiv", beschrieb es Torjäger Vedad Ibisevic treffend: "Ich hoffe, dass wir schnell lernen, wie hart Fehler in der Bundesliga bestraft werden."

Kießling trifft doppelt

Zwischenzeitlich sorgten die Anschlusstreffer durch Ibisevic (20.) und einen verwandelten Foulelfmeter durch Sejad Salihovic (58.) noch einmal für Spannung.

In der Schlussphase gestalteten dann der überragende Tranquillo Barnetta (83.) und erneut Kießling (87.) das Ergebnis vernichtend.

"Unser Ziel ist der Klassenhalt"

"Jetzt glaubt uns wenigstens jeder", erklärte Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, "dass unser Ziel nur ist, nicht abzusteigen."

Dass einige Medien den Dorfklub nach zwei Siegen zum Auftakt bereits in anderen Sphären lobten, war den Kraichgauern nämlich gar nicht recht.

"Wir haben immer gesagt, dass uns die Tabellenführung nicht interessiert", sagte Torhüter Ramazan Özcan. "Lächerlich", fand er es, dass sogar vom Erreichen der Champions-League-Plätze geschrieben wurde. Man sei schließlich nur Aufsteiger: "Unser Ziel ist der Klassenhalt."

"So stelle ich mir Fußball vor"

Durchaus ein Kandidat für einen Startplatz in der Champions League könnten hingegen die Leverkusener werden.

Mit erfrischendem, dominanzorientierten Offensivfußball fuhren sie nach dem überzeugenden Erfolg in Stuttgart den nächsten Sieg ein.

Die Offensivabteilung um Patrick Helmes und Doppeltorschütze Stefan Kießling deckte die Schwächen in der Gästeabwehr gnadenlos auf.

"Wie meine Mannschaft agiert hat, so stelle ich mir Fußball vor", lobte Trainer Bruno Labbadia.

"Wir haben alles richtig gemacht"

Speziell in der ersten Hälfte zeigte Bayer ansprechenden Kombinationsfußball.

"Wir haben Hoffenheim in der ersten Halbzeit nicht ins Spiel kommen lassen", sagte Labbadia.

Die Einschätzung seines Mittelfeldspielers Barnetta wollte er dann aber doch nicht uneingeschränkt teilen. "Wir haben alles richtig gemacht", hatte der Schweizer erklärt.

Dass Hoffenheim zwischenzeitlich drauf und dran war, den Ausgleich zu erzielen, behagte Labbadia überhaupt nicht.

"Nach der Pause haben wir unbewusst einen Gang zurückgeschaltet, das darf man gegen Hoffenheim nicht machen", sagte der 42-Jährige. Insgesamt habe sein Team aber schon "viele, viele Dinge richtig gut gemacht."

"Sonst würden es ja alle spielen"

Dass seine Offensivabteilung seine Spielidee langsam verinnerlicht hat, dürfte ihn besonders freuen. Beim Saisonauftakt gegen Dortmund (2:3) war sein Team trotz ordentlicher Leistung noch mit leeren Händen dagestanden. Bereits gegen Stuttgart und nun gegen Hoffenheim ging die Offensiv-Strategie auf.

Die ballsicheren und spielfreudigen Barnetta, Arturo Vidal und Renato Augusto erweisen sich als das passende Personal, um sein gewagtes Offensiv-System umzusetzen.

"Das System ist schwierig", räumte Labbadia ein, "aber sonst würden es ja alle spielen."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel